Ansiedlungspläne

Verkehr, Arbeitsbedingungen, Steuern: Neuigkeiten zur Otto-Ansiedlung in Gießen

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Es gibt Neuigkeiten zur geplanten Ansiedlung des "Logistikzentrums Gießen" durch den Hamburger Otto-Konzern.

Wie Bürgermeister Peter Neidel am Dienstagabend den parlamentarischen Bauausschuss informierte, wird das Unternehmen Otto am Standort Gießen Gewerbesteuer an die Stadt entrichten. Das Logistikzentrum auf dem früheren AAFES-Gelände werde als Betriebsstätte angemeldet und gemäß dem Zerlegungsprinzip auf Grundlage der in Gießen ausgezahlten Lohnsumme und eines Steuermessbetrags veranlagt. Die Zahlungen seien natürlich von der Gesamtsituation des Unternehmens abhängig. "Was wir an Zahlungen erwarten können, lässt sich natürlich noch nicht prognostizieren", sagte Neidel.

Als die Ansiedlungspläne Ende Januar bekannt wurden und das Stadtparlament im Februar den Bebauungsplanentwurf für das frühere Zivilgüterverteilzentrum der US-Armee beschloss, sah sich der Magistrat zur allgemeinen Verwunderung nicht in der Lage zu sagen, ob Otto in Gießen Gewerbesteuer zahlt. Diese offene Frage ist nun vorerst beantwortet.

Weiterhin präzisierte das Unternehmen einige Details der Ansiedlungspläne. So bekräftigte Otto gegenüber dem Magistrat, dass es eine "optimierte Abfertigung" der Lkw ohne lange Wartezeiten in dem Paketverteilzentrum geben werde. Für Fahrer, die dennoch länger warten müssten, stünden Sozialräume zur Verfügung. Damit tritt Otto Befürchtungen entgegen, dass Lieferfahrzeuge irgendwo im Stadtgebiet auf ihre Beladung warten. Zudem habe Otto versichert, dass die bis 20 Meter hohen Hallen zur Wiesecker Ortslage hin unter anderem mit einem Gehölzstreifen als Sicht- und Blendschutz teilweise verdeckt würden.

Schiene als Option

Bestätigt hat die Otto Gruppe ferner, dass ihr Logistikunternehmen Hermes generell Waren nicht über die Schiene verteilt. Daher werde die vorhandene Schieneninfrastruktur des früheren US-Depots auch nicht benötigt. Planungsdezernent Peter Neidel kündigte gleichwohl an, dass der Magistrat, wie im Bebauungsplan festgehalten, die Schieneninfrastruktur als Option für die ferne Zukunft erhalten will. Wer sich freilich die dortigen Gleisanlagen mal genauer anschaut, siehtr schnell, dass die Schienen an etlichen Stellen überbaut bzw. gekappt wurden und völlig marode ist. Ein Antrag der Linksfraktion, die Infrastruktur jetzt zu sichern und Otto dafür zu gewinnen, Waren per Bahn zu versenden, lehnte der Ausschuss mit großer Mehrheit ab.

Haltepunkt Alter Flughafen

Hoffnung besteht dagegen auf die Einrichtung eines Bahnhaltepunkts am Gewerbegebiet Alter Flughafen. "Wir führen Gespräche mit dem Rhein-Main-Verkehrsverbund", sagte Stadträtin Gerda Weigel-Greilich, die im Aufsichtsrat des RMV sitzt. Zu diesen Verhandlungen war der Magistrat im vergangenen Jahr vom Stadtparlament aufgefordert worden, das sich für die Einrichtung eines Haltepunkts ausgesprochen hatte. Weigel-Greilich geht davon aus, dass dieser ehe an der Udersbergstraße gegenüber Canon errichtet würde als im Stadtwald, wo sich vor dem Krieg der Bahnhaltepunkt für den Zivilflughafen in der Wieseckaue befand.

Denn diesen Standort haben die Freien Wähler als Alternative ins Gespräch gebracht und zudem beantragt, an dieser Stelle den Bau einer Straße von der B49 zur Rödgener Straße zu prüfen. Sprecher der Koalition lehnten dies als "absurde" und "völlig schwachsinnige Idee" ab.

Der Magistrat setzt diesbezüglich ganz klar auf eine Instandsetzung der maroden und mit Betonplatten unterlegten Kreisstraße 22. In der kommenden Woche wollen sich Stadt und Kreis in dieser Angelegenheit zusammensetzen. "Unser Ziel ist eine zeitnahe Ertüchtigung der Udersbergstraße, erklärte Bürgermeister Neidel.

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