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Verjüngt und aufgehübscht

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Von: Oliver Schepp

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Seit einem Jahr ist der Weltladen in der Schulstraße beheimatet - direkt neben der Tourist-Info.
Seit einem Jahr ist der Weltladen in der Schulstraße beheimatet - direkt neben der Tourist-Info. © Schepp

Gießen (pm). Die Erfolgsgeschichte des Gießener Weltladens beginnt streng genommen nicht an der Lahn, sondern an der Donau in Ulm. Dort lernt die Gießener Schulpfarrerin Ilse Staude vor gut 40 Jahren einen der damals neu gegründeten Weltläden kennen. Sie ist von dem Konzept so begeistert, dass sie 1979 selbst eine Gruppe in Gießen ins Leben ruft. So wird am 23. Mai 1979 der Verein »Partnerschaft 3. Welt« gegründet, der als Träger des Gießener Weltladens fungiert. Später wird der Verein umbenannt in »Solidarische Welt«. Der Verein ist gemeinnützig und nicht gewinnorientiert; alle Laden-Mitarbeiter arbeiten ehrenamtlich.

Trotz seiner 40 Jahre ist von »Alterserscheinungen« beim Weltladen keine Spur zu sehen, denn das Geschäft hat sich seit dem Umzug in die Schulstraße 4 - der im Vorjahr erfolgte - in allen Bereichen neu ausgerichtet, verjüngt und aufgehübscht.

Ein Blick zurück: Zunächst bezog der Gießener Weltladen einen kleinen Verkaufsraum im Hinterhof der Alicenstraße 4. Allerdings durfte zur Straße hin keine Werbung angebracht werden, weshalb sich der Bekanntheitsgrad in Grenzen hielt. Die nächste Station war dann in einer Garage mit Schaufenster in der Steinstraße 37. Es folgte die Ebelstraße 2.

Alle diese Unterkünfte waren sehr abgelegen, daher ging die Suche nach einem attraktiveren Standort weiter. Zum 1. Juli 1996 bot sich die Chance, in die Räume der Bismarckstraße 9 zu ziehen. An diesem Platz blieb der Weltladen über 21 Jahre lang. Bis sich dann im Jahre 2018 die Gelegenheit ergab, sich in der Schulstraße 4 noch näher zur Innenstadt niederzulassen.

In den 40 Jahren erteilte die evangelische Kirche die größte Unterstützung; seit 1990 gibt es ihrerseits eine Mitfinanzierung. Auch die Stadt Gießen hat sich seit Anfang der 2000er Jahre beteiligt. Die Mittel werden für die Bildungsarbeit verwendet, die Fragen des fairen Handels, der Menschenrechte und des nachhaltigen Wirtschaftens über Vorträge und Workshops in die Öffentlichkeit bringt.

Gut vernetzt

Ein Höhepunkt der Menschenrechtsarbeit war der Besuch von Rebya Kadeer am 25. April 2008. Sie ist die Weltpräsidentin der Exil-Uiguren, lebt selbst im Exil in den USA. Die Einladung erfolgte im Zusammenhang mit den Olympischen Spielen 2008 in Peking und den Menschenrechtsverletzungen in China. Weitere Besucher kamen aus Mexiko zum Thema Kaffee, aus Peru zu Kunsthandwerk, aus Kolumbien zu Blumen, aus dem Libanon zu Nahrungsmitteln und aus Ecuador zu Bananen.

Stets hat der Weltladen/Trägerverein darauf geachtet, sich mit anderen Gruppen zu vernetzen. Langjährige Partnerschaften bestehen etwa mit Gipanic (die Städtepartnerschaft Gießen-San Juan del Sur in Nicaragua), Amnesty International, dem Pepp-Laden, Greenpeace oder BUND. Sehr beliebt sind die alljährlichen Kleidertauschparties. Gottesdienste zum Thema fairer Handel und Frieden wurden mit der KHG und der ESG organisiert. Informationsstände des Weltladens sind in Gießen zu finden etwa beim Weltkindertag oder beim Tag der Kulturen im Rahmen des Stadtfestes.

Möglich war dieser konstante Weg des Weltladens und seines Trägervereins nur durch den beharrlichen und unermüdlichen Einsatz der 1. Vorsitzenden, Ilse Staude, über die gesamten 40 Jahre hinweg. Ihr gilt ein besonderer Dank. Staude hat sich entschlossen, in diesem Jahr den Vorsitz abzugeben. Sie wird sich nun mehr ihren Enkelkindern widmen, aber weiterhin noch Dienst im Weltladen versehen und in der Kommunalpolitik sowie der Anti-Atomwaffenbewegung aktiv bleiben.

Gefeiert wird das Jubiläum am kommenden Samstag, 25. Mai von 11 bis 14 Uhr in der ESG, Henselstraße 7. Zudem gibt es noch bis zum 24. Mai eine Ausstellung im Weltladen: »40 Jahre Weltladen und Verein Solidarische Welt«.

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