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Verbrechen mit Humor nehmen

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Ralf Kramp und Peter Godazgar bei ihrer Lesung im Alten Schloss. © Red

Gießen (bf). Für gewöhnlich folgen Krimis einem klassischen Muster: Einem Verbrechen folgt die akribische Ermittlungsarbeit mehr oder minder sympathischer Polizisten. Am Ende steht die Lösung aller offen gebliebenen Rätsel samt Ergreifung des Täters - in der Regel eine bierernste Angelegenheit.

Dass Humor aber auch dieses Genre bereichern kann, beweisen Formate wie der Münsteraner Tatort, der sich seit vielen Jahren größter Beliebtheit beim Publikum erfreut. Für Kriminalliteratur gilt nichts anderes: Mit einer gehörigen Portion (schwarzem) Humor lässt sich auch so mancher Straftat eine neue Seite abgewinnen, wie die beiden Autoren Ralf Kramp und Peter Godazgar am Mittwochabend im Alten Schloss zeigten.

Nachdem sie in den vergangenen Jahren häufig einzeln zu Gast beim Gießener Krimifestival gewesen waren, war es ihr großer Wunsch, einmal gemeinsam aufzutreten. Dem Publikum im vollbesetzten Netanyasaal hatten die zwei Schriftsteller ein buntes Potpourri an Gedichten, Erzählungen und Dialogen mitgebracht. Folglich stand der Abend unter der Überschrift »Gemeinsam morden«. Zu Schaden kam freilich niemand - ganz im Gegenteil, wie Anna Lischper am Ende zufrieden feststellte: »Wenn Lachen gesund ist, gehen wir alle heute Abend topfit nach Hause.«

Zweifellos besitzen die beiden Gäste Unterhalterqualitäten, die sich im munteren Wechselspiel noch verstärkten. Mitunter hatte man den Eindruck, eher einem Hörspiel oder Theaterstück als einer Lesung beizuwohnen, etwa wenn Godazgar die Frauenstimmen des Abends mit vielfältiger Tonalität wiedergab. Die Verbrechen traten an diesem Abend eher in den Hintergrund angesichts der oft absurden Umstände, unter denen sie sich abspielten. Wenn sich der reuige Anrufer bei der Telefonseelsorge beispielsweise als spielschuldengeplagter Bankräuber entpuppt, der während der Tat irritiert ist, warum Geiseln und Polizei sich ihm gegenüber so feind-selig verhalten, mutet die Situation an sich schon grotesk genug an. Wenn der Telefonseelsorger dann aber noch zweifelhafte Sympathien für den Täter äußert und diesem sowie den Geiseln eigenartige Ratschläge erteilt, wird die Absurdität der Szenerie auf die Spitze getrieben.

Solche und andere Geschichten fanden Anklang beim Publikum und wurden mit lautem Lachen goutiert, auch wenn teilweise die Grenze zum Klamauk überschritten wurde. Lachfreudigen Lesern signierten Kramp und Godazgar am Ende der knapp zweistündigen Veranstaltung ihre Werke und versprachen, wieder nach Gießen kommen zu wollen.

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