Wort zum Sonntag

Verantwortung ist gefragt

  • VonRedaktion
    schließen

Das Bibelwort mit den Vögeln unter dem Himmel, ist mein Lebensmotto«, sagt mir eine Patientin unter Tränen. Es geht ihr nicht gut an diesem Tag: Chaos im Kopf, Chaos im Haus und obendrein Schulden. Sie weiß nicht, wo sie anfangen soll. Aber das Bibelwort, daran erinnert sie sich.

»Seht die Vögel unter dem Himmel an: sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch.« (Matthäus 6,26).

Ich frage mich, warum sie sich in ihrer Not danach ausstreckt? Vielleicht weil es ihr Mut gibt, Gott und seiner Fürsorge zu vertrauen. Unabhängig von ihrem Tun und Lassen, Gelingen und Scheitern, der fürsorgende Gott ist da. Auch jetzt im Krankenhaus ist er da, das stellten wir gemeinsam fest.

Was bedeutet ein Aufenthalt in einer Psychiatrischen Klinik in Corona-Zeiten? Er bedeutet, dass Ängste, Schuld, Sucht, Depression Menschen belasten und dann kommt jetzt die Corona-Situation noch dazu.

Die Pandemie geht uns alle an. Gesunde erleben Einschränkungen, Beschränkungen und Sorgen als besondere Herausforderung und zunehmend als quälend.

Herausforderungen annehmen, das können wir von anderen lernen. Ich habe gelesen, dass eine Krankenschwester gut zwei Stunden durch den Schnee zu ihrer Arbeit gestapft ist, um die Kranken zu versorgen. Großartig, dieser Einsatz für andere. Oder?

Corona ruft uns alle seit einem Jahr auf den Plan und in die Verantwortung. Die Schlüsselfrage bleibt, was kann ich tun. Eigenverantwortung ist nach wie vor gefragt.

Die Einhaltung der Regeln zur Eindämmung des Virus wird von den meisten akzeptiert. Maske tragen, Abstand wahren, Hände waschen, Lüften, Kontakte meiden, bringt uns dem gemeinsamen Ziel näher, dem Ausstieg aus der Pandemie. Jeder kann helfen, das Infektionsrisiko durch sein Verhalten zu verringern. Ich denke, es muss möglich sein sich zurückzunehmen und noch eine Weile auf Ausflüge, Urlaub und Feiern zu verzichten. Gott sorgt für uns. Im Vertrauen darauf, tun wir das Unsere.

Pfarrerin Sabine Eichler

Psychiatrie-Seelsorgerin in Gießen und Haina

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare