Eine Menschenschlange vor der Eisdiele „Heisszeit“ in der Plockstraße.
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Die Eisdiele »Heisszeit« wartet mit veganem, laktose- und glutenfreiem Eis auf - den Kunden gefällts.

Veganismus

Voll im Trend: Ohne vegane Sorten geht in Gießens Eisdielen nichts mehr

Vor der „Heisszeit“ stehen die Menschen Schlange, das liegt auch an dem veganen Angebot der Eisdiele. Das ist in Gießen auch bei der Konkurrenz nicht mehr wegzudenken.

Gießen – Wenn Giovanni Parise morgens seinen Kaffee trinkt, weiß er genau, welches Eis er an diesem Tag herstellen wird. Meistens kommt ihm die Idee dazu schon in der Nacht. Ausgefallene Sorten wie Basilikum, Rosmarin oder Gurke-Limette suchten Eisliebhaber bis dato vergeblich in Gießen - bis Parise vor genau zehn Jahren die »Heisszeit« in der Plockstraße eröffnete.

Die Reaktionen auf sein Angebot fielen gerade in der Anfangszeit gemischt aus. Viele Studenten seien neugierig auf die kreativen Sorten gewesen und hätten den Laden groß gemacht. Andere hingegen hätten Kreationen wie Kokos-Curry belächelt. Aber auch Sorten wie zum Beispiel Tonkabohne hätten sich neben den Klassikern Schokolade, Vanille und Nuss etabliert.

Veganes Eis in Gießen: Hafermilch statt Kuhmilch

Die Neugierde auf neue Sorten kennt auch Mevlude Mehmeti vom Eiscafé »Piccolo Milano« in der Krofdorfer Straße. Dieses Jahr gebe es hausgemachtes Eis in den Geschmacksrichtungen Toblerone, Granatapfel oder Kinder Pingui neu auf der Karte. »Meistens wollen die Kunden aber doch sicher sein, dass es ihnen schmeckt und bestellen lieber einen Klassiker«, sagt die Inhaberin. Auch veganes Eis habe das »kleine Milano«, wie das Eiscafé aus dem Italienischen übersetzt heißt, im Angebot. »Es wird sehr viel danach gefragt«, sagt Mehmeti, »das braucht man heutzutage um mithalten zu können.«

Auch das»Türmchen« bietet unter dem Namen »Eisliebe« hausgemachtes Speiseeis an. Geschäftsführer Isa Bulut erläutert, dass veganes Eis der absolute Trend der Studentenstadt sei. »Da muss man sich anpassen«, sagt er. Das vegane Angebot in der Eistheke käme sehr gut an, es gibt aber auch viele Sorten Milcheis. »Für jeden ist etwas dabei«. Für diesen Sommer hat sich das »Eisliebe«-Team vorgenommen, veganes Eis mit Hafermilch zu produzieren und anzubieten.

Verganes Eis in Gießen: „Heisszeit“ hat Trend vorausgeahnt

Parise sagt, er habe die Trends damals vorausgeahnt. »Laktosefreies und veganes Eis, oder ohne Zucker für Diabetiker. Das gab es vor zehn Jahren noch gar nicht«, sagt der Mann mit den italienischen Wurzeln. Parise hat klare Vorstellungen vom Eismachen: keine Fertigmischungen, Farbstoffe oder Gemacksverstärker.

Mit Erfolg - wenn die ersten Sonnenstrahlen herauskommen, ragt nicht selten eine lange Schlange in die Plockstraße hinein. Was ist das Erfolgsgeheimnis von Giovanni Parise? »Ich habe immer an mein Produkt geglaubt und weiß genau, was drin steckt«, sagt er. Diese »Transparenz im Eis« sei ihm wichtig, jeder Hersteller sollte sie haben. So schwört er auf Bio, setzt auf regionale Milchprodukte vom Selgenhof aus Ulrichstein.

„Heisszeit“ nicht so schlimm von Corona-Pandemie betroffen

Auch seine Kunden schätzten diese Qualität. »Hier wird man nicht abgefertigt, sondern aufgeklärt«, lobt eine. Eisliebhaber könnten fragen und zuerst durchprobieren, bevor sie sich für eine Sorte entscheiden.

Da die »Heisszeit« nur wenige Sitzgelegenheiten hat und eher das Take-Away-Geschäft bedient, trifft die Corona-Pandemie sie nicht so schlimm wie andere Eiscafé-Betreiber. Traditionell öffnet Parise das Geschäft im Februar; es sei gut angelaufen - bis das Regenwetter ihm einen Strich durch die Rechnung machte. »Das Wetter ist der wichtigste Faktor beim Eisverkauf«, meint er.

„Heisszeit“ verkauft veganes Eis bald auch in Marburg

So sieht es auch Bulut von der »Eisliebe«, er hofft auf einen guten Sommer mit noch mehr Lockerungen und viel Sonne. »Mit dem Eisverkauf kann es gerne so weitergehen, und das Wetter darf auch mitspielen«. Diese Meinung vertritt auch das »Piccolo Milano«. Sobald das Wetter mitspiele, sei viel los in der Eisdiele - wegen der Pandemie würde aktuell aber vermehrt zum Mitnehmen bestellt. »Die Leute sind immer noch ängstlich und unsicher«, sagt Mehmeti. Jeden Tag führe sie Telefonate mit Kunden die fragten, ob sie auf die Terrasse dürften oder vorbeikommen könnten.

Für Giovanni Parise hingegen könnte es nicht besser laufen: Die »Heisszeit« bekommt bald einen zweiten Standort in der Marburger Schwanenallee - pünktlich zum zehnjährigen Jubiläum. Die Filialie kann er realisieren, weil Sohn Arman und ein Freund der Familie, Mo, ihn seit drei Jahren im Geschäft unterstützen. »Ich bin auf jeden Fall stolz, dass ich auf 28 Quadratmetern so viel umgesetzt habe«, spielt er auf die Größe des Gießener Ladens an. In Marburg wird die »Heisszeit« mehr Platz haben.

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