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»Urzeit entdecken«: Ausstellung ist offiziell eröffnet

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Gießen (son). 65 Millionen Jahre in einer knappen Stunde. Das geht nur in Gießen. Jedenfalls, wenn man sich gemeinsam mit Biologieprofessor Hans-Peter Ziemek auf die spannende Zeitreise von der Kreidezeit, die auf dem Elefantenklo beginnt, bis zur Eiszeit, die auf dem Kirchenplatz herrscht, durchkämpft.

So geschehen bei der ersten öffentlichen Führung zur Ausstellung »Urzeit in Gießen entdecken«, zu der sich am Donnerstag rund 150 Interessierte am Startpunkt auf dem Elefantenklo eingefunden hatten.

Für die von Ziemek als »Urzeit-Chefin von Gießen« bezeichnete Stadträtin Astrid Eibelshäuser ist die Ausstellung ein weiterer Höhepunkt der wissenschaftlichen Events, welche die Stadt zu bieten hat. »Hier zeigt sich das großartige Zusammenspiel aller Kräfte, die Positives für Gießen bewirken wollen«, sagte sie, bevor sie das Mikrofon an Ziemek übergab.

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»Wir befinden uns hier in der finstersten Zeit unseres Planeten«, sagte Ziemek und deutete dabei über den Betonbau des Elefantenklos. Das Ende der Kreidezeit, von schweren Vulkanausbrüchen und Düsternis gekennzeichnet, markiere auch das Ende der Dinosaurier, erzählte er. Fruchtbarer wurde es dann wieder im Zeitalter Eozän, dessen tierische Vertreter im Seltersweg und dessen Seitenstraßen zu finden sind. »Stellen Sie sich vor, der Seltersweg ist ein Dschungel, der größte Dschungel den es jemals gab, in dem kleine Säuger umherstreifen und es verdammt heiß ist«. Die Exkursionsgruppe wagte sich durch den Dschungel und machte Station im Eozän, wo Wesen wie der Vorgänger der Wale Dorudon und der Riesenhai Carcharocles megalodon die Meere beherrschten. Der Riesenhai wurde rund 14 Meter lang und war eine reine »Fressmaschine«, sagte Ziemek.

Von zunehmend kühlerem Klima, in dem der dichte Wald von offeneren Graslandschaften abgelöst wurde, war das Zeitalter des Oligozän geprägt. Zu jener Zeit lebte das Landsäugetier Paraceratherium, eine Mischung aus Pony, Giraffe und Elch, erzählte Ziemek bei dem imposanten Exponat im Theaterpark. Das acht Meter hohe und rund 20 Tonnen schwere Tier gilt als größtes Landsäugetier, das je auf der Erde gelebt hat. Eine Besonderheit und echte Rarität war anschließend vor der Sparkasse Gießen im Neuenweg zu bewundern. »Das Chalicotherium ist nicht nur mein absolutes Lieblingstier der Ausstellung«, verriet der Professor, sondern das Exponat sei auch exklusiv für Gießen geschaffen worden. Nach Ausstellungsende solle das Tier auch in Gießen bleiben. Es lebte im Zeitalter des Miozän, rund 23 Millionen bis 2,5 Millionen Jahren vor Christus. »Damals war Hessen die schönste Ecke der Welt, alle großen Säugetierarten wanderten hier durch die Gegend«, sagte Ziemek.

Die Vergletscherung der Arktis markiert den Beginn der Eiszeit, das Klima wird rauher, viele Tiere entwickeln ein dichtes Fell. So wie der Megalocerus in der Mäusburg, ein Riesenelch mit einem rund 50 Kilogramm schweren Geweih. Dem Menschen, der in der Eiszeit auf die Jagd ging, muss das Megalocerus-Fleisch sehr gut geschmeckt haben. Ziemek meinte, dass der Mensch bereits damals zur Ausrottung einiger Tierarten beigetragen hatte.

Im Anschluss an die Führung wurde die Frühmenschen-Ausstellung im Wallenfels’schen Haus von Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz, Prof. Volker Wissemann, Prof. Hans-Peter Ziemek und Museumsleiter Dr. Friedhelm Häring feierlich eröffnet.

Alle lobten dabei den großen Einsatz der Studierenden, die unermüdlich für die Realisation der Ausstellung gearbeitet hatten. Allen voran dankte Ziemek namentlich Julia Bäuml und Anne Spitzner. Auch sei die Ausstellung in dem Gießener Museum ein weiteres Beispiel für die gute Zusammenarbeit zwischen Universität, Stadt, Verwaltung und Politik, wie Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz anmerkte. Die kostenlose Ausstellung im Wallenfels’schen Haus ist dienstags bis sonntags von 10 bis 16 Uhr für alle geöffnet.

Bis zum Ende der Urzeit-Ausstellung am 15. Juli fungiert die Tourist-Information am Berliner Platz übrigens als Urzeit-Treff und hat verlängerte Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 9 bis 18 Uhr, Samstag 10 bis 18 Uhr und Sonntag/Feiertag 10 bis 16 Uhr. Der Treffpunkt ist nicht nur erster Anlaufpunkt für alle Infos rund um die Ausstellung, sondern auch Verkaufsstelle der Urzeit-Sammelbilder und Sammelalben und bietet weitere urzeitliche Souvenirs.

Die Urzeit-Parade in Gießen dauert übrigens noch bis zum 15. Juli.

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