Das neu gestaltete Kleintiergehege im Tierheim soll Anregungen geben. Kaninchen müssen permanent nagen können, damit die Zähne nicht zu lang werden.
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Das neu gestaltete Kleintiergehege im Tierheim soll Anregungen geben. Kaninchen müssen permanent nagen können, damit die Zähne nicht zu lang werden.

Die Unverstandenen

  • Christine Steines
    vonChristine Steines
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Sie sind einfach niedlich mit ihrem weichen Fell und ihren langen Ohren. Kaninchen stehen auf der Hitliste der Tiere für Kinder ganz oben. Übersehen wird dabei, dass die Mümmelmänner ganz andere Bedürfnisse haben, als in einem kleinen Käfig zu hocken. Gießener Tierschützer geben Tipps, wie die Haltung gelingen kann.

Ein dicker Ast mit belaubten Zweigen liegt quer im Gehege, der gesamte Boden ist mit die Heu bedeckt, es gibt Körbe und Kisten mit mehreren Ein- und Ausgängen, in die sich die Bewohner zurückziehen können, oder die sie für Rennspiele nutzen können. Das Kleintiergehege im Tierheim ist soeben neu eingerichtet worden. Es soll zum einen den Bewohnern ein ideales Umfeld bieten und zum anderen Besuchern als Beispiel dienen, wie sie selbst einen Auslauf für Kaninchen schaffen können.

Mit dem Begriff »artgerechte Tierhaltung« tut sich Astrid Paparone, die erste Vorsitzende des Vereins, allerdings schwer. Artgerecht, erklärt sie, ist das Einsperren der Tiere eigentlich überhaupt nicht. In der freien Natur rennen sie, sie schlagen Haken, sie leben in Bauten unter der Erde - aber reglos in einem Käfig sitzen sie ganz sicher nicht.

Wer sich trotzdem Kaninchen - oder andere Kleintiere - anschafft, sollte sich eingehend mit deren Bedürfnissen auseinandersetzen, sagt die Biologin Paparone. Beispielsweise sollte man sie niemals alleine halten. Keine gute Idee ist es, zu einem Kaninchen ein Meerschweinchen zu setzen. Die beiden verstehen sich im wahrsten Sinne des Wortes nicht: Kaninchen kommunizieren über Gesten, Meerschweinchen über Laute.

Extrem wichtig ist es, den Kaninchen die Möglichkeit zu geben, ihre Zähne zu benutzen. Diese wachsen nämlich ständig nach und müssen auf diese Weise gekürzt werden. Der Name Nager kommt nicht von ungefähr. »Entsorgte« Kaninchen, die im Tierheim abgegeben werden, weil sich zu Hause niemand mehr für sie interessiert, haben meist viel zu lange Zähne (schlimmstenfalls verhungern sie, weil sie keine Nahrung mehr zu sich nehmen können) und Durchfall oder andere Magen-Darm-Probleme, schildert Tierpflegerin Hannah Wern. Das liegt daran, dass die Tiere falsch gefüttert werden. Mit zu viel Trockenfutter beispielweise. Kaninchen in »freier Wildbahn« fressen hauptsächlich Gras, Blätter, Zweige und Kräuter. Daher sollte man seinem Kaninchen vor allem Heu, Gras und Frischfutter geben. Die Nager nehmen am Tag bis zu 80 kleine Portionen zu sich, sie fressen also fast ständig. Sie können nur dann Kot absetzen, wenn sie unmittelbar zuvor etwas gefressen haben. Auch das müssen Halter bedenken.

»Wer ein Tier hat, übernimmt Verantwortung - egal, ob es sich um eine Katze, einen Hund oder eben auch ein Kaninchen handelt«, sagt Paparone. Kaninchen sind keine Haustiere zweiter Klasse.

Wer sich Meerschweinchen, Kaninchen oder Hamster anschaffen möchte, kann sich beim Tierschutzverein (www.tsv-giessen.de, Tel. 06 41/5 22 51) informieren.

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