Aus unüberhörbar vollem Herzen

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Gießen (kdw). Erstmals präsentierte die Gießener Sängerin Julia Lißel am Dienstag im Schuhhaus Darré ihr selbst gestaltetes Soloprogramm. Sie ist nach diversen Auftritten auch im Stadttheater keine Unbekannte mehr, und das Publikum war von ihrer charmanten Art und dem hohen Niveau schwer angetan. Am Mittwoch trat Lißel erneut auf.

Gießen (kdw). Erstmals präsentierte die Gießener Sängerin Julia Lißel am Dienstag im Schuhhaus Darré ihr selbst gestaltetes Soloprogramm. Sie ist nach diversen Auftritten auch im Stadttheater keine Unbekannte mehr, und das Publikum war von ihrer charmanten Art und dem hohen Niveau schwer angetan. Am Mittwoch trat Lißel erneut auf.

Verschiedene Musical-Rollen (darunter "Ab in den Wald", "Die Schmachtigallen landen einen Hit") und diverse andere Produktionen) sorgten für die Bekanntheit der ehemaligen Herderschülerin. Sie studierte nach ihrem Diplom an der Folkwang-Universität der Künste ergänzend an der Royal Academy of Music in London Musical. Demnächst feiert sie ihr Debüt an der Musikalischen Komödie Leipzig als Lucy in "Jekyll & Hyde".

Begleitet wurde Lißel von Michael D. Mills, Professor für Partienstudium und musikalische Einstudierung im Studiengang Musical an der Folkwang-Universität der Künste, der sich als souveräner Partner erwies.

Gastgeber Heinz-Jörg Ebert sah den Abend als "etwas ganz Besonderes", und kurz gesagt, Lißel lieferte eine erstklassige Vorstellung ab. Um abseits des Üblichen zu bleiben, setzte sie nicht auf Tophits, sondern musizierte leicht neben dem Mainstream, wollte "Geschichten erzählen, die man im deutschen Theater nicht so genau kennt. Hauptsache, ich bleibe authentisch".

Schon mit dem zweiten Titel, "The Girl in 14G" belegte sie auch ihre Opernfähigkeiten und beeindruckte mit großer Stimme, enormer Dynamik, professionellem Spiel und tollem Ausdruck. Ihr Sinn für Humor trat in "Dilemma" hervor, in dem es um das Zählen blökender Schafe geht. Schließlich habe sie "die Lämmer zum Schweigen gebracht" heißt es da. Mit packender Intensität sang sie Stephen Sondheims "I wish I could forget you" (aus "Passion") und präsentierte Friedrich Hollaenders "Keiner weiß wie ich bin, nur du" verblüffend lebendig.

Eine große Stärke Lißels liegt in ihrer darstellerischen Fähigkeit: Zwischendurch gleitet sie ins Spielen und wird zu der Figur, die sie gerade singt, ungeniert und natürlich und vor allem überzeugend: So muss es sein. Noch weiter oben auf der Skala der Emotionen platzierte Lißel "Gabriellas song" aus dem Film "Wie im Himmel". Den sang sie auf Schwedisch und so anrührend, dass man nur noch mitschwingen mochte. Alle anderen Songs an diesem Abend sang sie mindestens tadellos, streute ein paar routinierte Tanzschritte ein, das hohe Niveau blieb bestehen, die Zuhörer waren gepackt.

Auch der allerletzte Zuhörer schmolz dann bei ihrer Version von Nessi Tausendschöns "Auch wenn du gehst" restlos dahin. Sie sang das ganz schlicht, sprachbewusst, aber aus unüberhörbar vollem Herzen. Julia Lißel hat etwas zu geben, spürte man da; herrlich.

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