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Nach drei Jahren Leerstand soll wieder Leben einkehren in den denkmalgeschützten Schlachthof. (Foto: Schepp)

Unternehmer Lust übernimmt Schlachthofumbau

Gießen (ta). Es hat schon etwas Apartes: Rund um eine hohe Kalthalle, in der früher ständig totes Vieh an Haken hing und wo sich Blut am Boden verteilte, wird künftig gearbeitet und gewohnt. Diesen radikalen Wandel strebt der Lahnauer Unternehmer Dr. Wolfgang Lust an.

Er hat den vor drei Jahren stillgelegten Gießener Schlachthof erworben und möchte diesem Kulturdenkmal neues Leben einhauchen. "Mein Ziel ist es, ein attraktives altes Gebäude für Gießen zu erhalten und einer anderen Nutzung zuzuführen", unterstrich Lust im GAZ-Gespräch. Die Umgestaltung werde im Laufe der kommenden Monate beginnen und solle 2016 abgeschlossen sein. Entstehen sollen etwa je zur Hälfte Büros und hochwertige Loft-Wohnungen. Möglicherweise kommt ein Café hinzu, das den Beschäftigten als Kantine dienen würde. Die Wohnungen und Büros werden angesiedelt um die große Haupthalle, die als Zugangsbereich für die neue Nutzung erhalten bleibt.

Der Waldgirmeser war vor Jahren in Gießen als Basketball-Sponsor bekannt geworden. In Biebertal hatte er sich einen Namen gemacht, als er Ende 2011 den Gailschen Park pachtete, um ihn für die Öffentlichkeit zu erhalten, und die Villa darin zu seinem Wohnsitz machte. Der Wiedererweckung von ungenutzten Baudenkmälern wandte Lust sich 2012 zu mit dem Erwerb eines Gebäudekomplexes auf dem Areal des Werkzeugmaschinenbauers Heyligenstaedt. Dort entstanden ein Restaurant und ein Hotel.

Der erste Gießener Schlachthof war von 1885 bis 1887 errichtet worden. Was man heute sieht, ist der zwischen 1908 bis 1993 entstandene Nachfolgebau im Jugendstil. Die zuvor im Eigentum der Stadt stehende Anlage war Anfang der achtziger Jahre privatisiert worden.

Anfang dieses Jahrhunderts gingen die Schlachtzahlen stetig zurück. Im Sommer 2012 wurde der Schlachthof, der bis dahin gern von den Veterinärmedizinern der Justus-Liebig-Universität zu Lehrzwecken genutzt worden war, schließlich stillgelegt – also genau im Jahr seines 125-jährigen Bestehens. Das Schlachten und Verarbeiten in derart alten Gemäuern war mit den stetig verschärften Hygienevorschriften nicht mehr zu vereinbaren gewesen.

Bis zum vergangenen Sommer wurde ein Teil des Anwesens noch als Pächter vom Zerlegebetrieb Färber genutzt, ehe dieser in einen Neubau ins Lützellindener Gewerbegebiet Rechtenbacher Hohl umzog.

Das weitläufige Anwesen zwischen Schlachthofstraße und August-Balzer-Weg hatte im Vorjahr die Aßlarer Helm-Holding GmbH erworben. Das Unternehmen will – wie mehrfach berichtet – ein Wohngebiet mit etwa 150 Einheiten schaffen. Die Planungen der Stadt sind so gut wie abgeschlossen. Der Abriss der nicht mehr benötigten Nebengebäude soll in Kürze beginnen. Den denkmalgeschützten Hauptkomplex des Schlachthofs mit seiner charakteristischen Silhouette hat Helm an Lust weiterverkauft.

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