Zum Thema Röntgen in der Kunst fanden die Herausgeber nur zwei Orte, darunter die Röntgen-Wandbilder im Uniklinikum Gießen. FOTO: DKL
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Zum Thema Röntgen in der Kunst fanden die Herausgeber nur zwei Orte, darunter die Röntgen-Wandbilder im Uniklinikum Gießen. FOTO: DKL

Das Unsichtbare wird sichtbar

  • vonDagmar Klein
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Ein neuer Reiseführer begibt sich auf die Spur von Wilhelm Conrad Röntgen und den X-Strahlen. Und natürlich kommen darin auch Erinnerungsorte in Gießen zur Sprache. Denn hier hat der Nobelpreisträger von 1879 bis 1988 gelebt und gelehrt.

Diese Art Reiseführer hat gefehlt. Auf den Spuren eines bedeutenden Wissenschaftlers durch Deutschland und einige Nachbarstaaten zu reisen, das ist reizvoll, egal ob daheim auf dem Sofa oder real vor Ort.

Wilhelm Conrad Röntgen (1845-1923) entdeckte die X-Strahlen am 8. November 1895 in seinem Labor an der Universität Würzburg. Die "neue Art von Strahlen" ermöglichte fortan, Materie zu durchdringen und bisher Verborgenes sichtbar zu machen. Der Einfluss der Strahlen, die im deutschsprachigen Raum nach ihrem Entdecker benannt werden, blieb nicht auf die Medizin beschränkt. Röntgenstrahlen schrieben und schreiben Wissenschafts- und Alltagsgeschichte.

Zum Röntgen-Jubiläumsjahr 2020 entwickelten zwei Museumsleiter das Konzept für einen Reiseführer auf den Spuren von Röntgen und der X-Strahlen: Dr. Uwe Busch, Deutsches Röntgen-Museum in Remscheid, und Prof. Wilfried Rosendahl, Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim. Sie gewannen kompetente Mitstreiter für Beiträge und den Nünnerich-Asmus-Verlag für die Buchgestaltung. Es ist ein wirklich schönes Buch geworden, das man gern in die Hand nimmt, das zum Blättern, Lesen und Staunen einlädt.

Röntgen-Denkmal an der Südanlage

Der Reiseführer hat sechs Abschnitte mit jeweils mehreren Beiträgen. Es startet chronologisch mit dem Lebensweg, benennt ehrenvolle Röntgen-Orte, um dann Museen und Sammlungen vorzustellen. Röntgen in Wissenschaft und Forschung erhielt ein Kapitel, ebenso Röntgen in der Kunst und am Ende wird das Reisen auf den alten Wegen, die Röntgen einst nahm, anschaulich gemacht.

W. C. Röntgens Lebensweg allein weist viele Orte auf: den Geburtsort Lennep, der heute zu Remscheid gehört, das Aufwachsen in zwei Städten der Niederlande (Appeldoorn und Utrecht), das Studieren in Zürich, Forschen und Arbeiten in Straßburg, Hohenheim, Gießen, Würzburg und München. Dazu kommen ausgiebige Urlaube in den Alpenregionen, das Jagdhaus in Weilheim/Oberbayern und das Familiengrab in Gießen. Gedenkstätten sind vor allem in Lennep und Würzburg, aber Denkmale stehen auch an Orten, wo er nicht lebte, etwa in Berlin und auf der Walhalla bei Regensburg. Das Gießener Denkmal wird natürlich auch vorgestellt.

Dem Phänomen der X-Strahlen gehen mehrere Museen nach, auch Optik- und Glas-Museen widmen sich dem wissenschaftshistorischen Thema. Natürlich wird auch auf biografischen Spuren gewandelt, etwa zum Reichtum der Familie Röntgen im Tuchmuseum Lennep. Wissenschaft findet an großen Forschungsstandorten statt, etwa im Fraunhofer Entwicklungszentrum für Röntgen-Stahlen in Fürth.

Zum Thema Röntgen in der Kunst fanden die Herausgeber nur zwei Orte: die Röntgen-Wandbilder im Uniklinikum Gießen, vorgestellt von der Initiatorin Prof. Gabriele Krombach, und den bekanntesten Künstler, der mit dem Röntgen-Verfahren arbeitet, Nick Veasey aus Kent/GB, der derzeit eine große Ausstellung in Fürth hat.

Das Kapitel über die alten Reisewege ist mit Kartenausschnitten und historischen Aufnahmen des Hobbyfotografen Röntgen bestückt. Autor Marcel Michels fährt auf dem Rad die Abschiedstour von Röntgen in Würzburg ab, verfolgt mit dem Auto die Sommerreisen der Jahre 1894 bis 1896 vom Appenzeller Land bis zum Engadin. Und zu Fuß nimmt er die Wege des passionierten Bergsteigers Röntgen von Pontresina bis Muottas Muragl.

Dieser kleine Reiseführer ermöglicht es, dem Menschen Röntgen etwas näherzukommen und zugleich einen Hauch der wissenschaftlichen Neuerung zu spüren, die bis heute fortwirkt. Vielleicht entschließt sich der Verlag ja, eine Reihe daraus zu machen. Themen gäbe es genug.

Uwe Busch & Wilfried Rosendahl (Hrsg.), Wilhelm Conrad Röntgen - den X-Strahlen auf der Spur, 50 Stätten zur Entdeckung, Geschichte, Anwendung der Röntgenstrahlen in Deutschland und Nachbarländern, 136 Seiten, 121 Abbildungen, 3 Karten, 18 Euro, ISBN: 978-3-96176-137-1.

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