Zu Unrecht Bußgeld erhoben?

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Gießen(pm/mac). Die Polizei Gießen führt im Rahmen der Verkehrssicherheitsaktion "Schwächere Verkehrsteilnehmer" derzeit zahlreiche Verkehrskontrollen zum Schutz der im Straßenverkehr besonders gefährdeten Personengruppe - Kinder, ältere Menschen und Radfahrer - durch. Die Beamten werden an stark frequentierten Fuß- und Radwegen sowie in Fußgängerzonen und an Schulen auf Verstöße durch Fußgänger, Fahrradfahrer und Kraftfahrzeugführer achten. Bei den Aktionen werden die Verkehrsteilnehmer aber auch auf die Gefahren durch Benutzung von Mobiltelefonen oder elektronischen Geräten im Straßenverkehr hingewiesen, bei Verstößen werden diese geahndet, heißt es in der Mitteilung der Polizei.

Wer am Mittwoch mit einem nicht verkehrstauglichen Rad im Altenfeldsweg unterwegs war, wurde über die vorschriftsmäßige Ausstattung aufgeklärt. Zwischen 8 und 14 Uhr überprüften die Ordnungshüter 95 Fahrräder, davon wurden 37 Räder oder das Verhalten ihrer Benutzer beanstandet. 20 Radler trugen während der Fahrt in beiden Ohren Stöpsel zum Musikhören. Der Bußgeldkatalog sehe dafür eine Strafe von 10 Euro vor, schreibt die Polizei.

"Das ist falsch", sagt indes Jan Fleischhauer in seiner Funktion als Referent für Verkehrssicherheit und Verkehrsplanung des ADFC Hessen. "Mir ist keine Vorschrift bekannt, die das Radfahren mit Stöpseln im Ohr verbieten würde. In der StVO heißt es in Paragraf 23: Wer ein Fahrzeug führt, ist verantwortlich, dass Sicht und Gehör nicht ... beeinträchtigt werden", sagt Fleischhauer. Diese Pflicht gelte für Radfahrende wie Autofahrende. "Das Tragen von Ohrstöpseln zum Musikhören ist weder im Auto, noch auf dem Fahrrad verboten, sofern die Lautstärke angemessen eingestellt ist", sagt Fleischhauer und erinnert, dass etliche Radler Kopfhörer auch als Freisprecheinrichtung zum Telefonieren nutzen würden. Zudem bezweifle er, dass 20 von 95 Radfahrern unverhältnismäßig laut Musik gehört hätten. Eine Stellungnahme der Polizei war am Donnerstagabend nicht mehr zu erhalten.

In anderen Fällen wurde bei über zwölf Rädern die lichttechnische Einrichtung moniert. Häufig fehlten Steckaufsätze. Den Fahrern droht eine Geldbuße von 20 Euro. Drei Besitzer müssen eine Klingel nachrüsten. Mit einem Bußgeld von 55 Euro darf eine ältere Frau rechnen. Sie telefonierte während der Fahrt - wohl ohne Kopfhörer.

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