Universität fragwürdige Rechnungen gestellt

  • vonConstantin Hoppe
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Gießen(con). "Was mich in den letzten Jahren besonders ärgert: Wenn ich nichts getan hätte, säße ich nicht hier", sagte Stefan G. am Montag vor dem Gießener Amtsgericht. "Dabei habe ich über 6 Millionen Euro an Drittmitteln für die Universität generiert und viele Doktoranden in Anstellungsverhältnisse gebracht."

Der 60-jährige Professor für Ressourcenmanagement und ein 55 Jahre alter Mitangeklagter - ein Geschäftsmann aus Bayern - müssen sich vor Gericht wegen Betrugs verantworten. Dabei geht es um vier Rechnungen und einen Betrag von rund 60 000 Euro, die der Universität Gießen zwischen September und Dezember 2011 in Rechnung gestellt wurden, um den Aufbau einer Algenzuchtanlage zu Forschungszwecken zu finanzieren. Doch als die Rechnungen gestellt wurden, war die Anlage bereits außer Betrieb.

Nachfrage über Einsatz des Geldes

Wie sich mittlerweile herausstellte, sind zumindest die Mittel aus zwei der Rechnungen tatsächlich dafür verwendet worden. Der weitaus größere Teil der angegebenen Summe (rund 47 000 Euro) stammt jedoch aus zwei anderen Rechnungen, die nach Auffassung der Staatsanwaltschaft Gießen fragwürdig sind und über andere Projekte abgerechnet wurden. "Hierzu gab es sogar eine Anfrage der Universität, was mit den entsprechenden Mitteln geschehen ist, doch die Mittel waren plötzlich weg", sagte Staatsanwalt Volker Bützler. "Vor allem bei einer Rechnung wurde kein Cent für das angegebene Projekt verwendet, nur für Algen."

Freigesprochen wurde am Montag der zweite Angeklagte Wilhelm F. - ein Geschäftsmann aus Bayern. Dieser hatte gemeinsam mit Stefan G. eine GmbH gegründet, um die besagte Algenzuchtanlage bei Bamberg aufzubauen, für die die fraglichen Rechnungen gestellt wurden. Doch die Prozessbeteiligten waren sich am Montag sicher, dass F. nichts von den Unstimmigkeiten gewusst haben konnte.

Freispruch für Mitangeklagten

Etwas anders schätzt die Staatsanwaltschaft jedoch die Verantwortlichkeit von Stefan G. ein: Gegen ihn läuft das Verfahren weiter. Keine neue Situation für den Wissenschaftler: Im Oktober 2019 war er im Woolrec-Verfahren vor dem Landgericht Gießen wegen Beihilfe zum unerlaubten Umgang mit gefährlichen Abfällen zu einer hohen Geldstrafe verurteilt worden. Im November wurde Stefan G. wegen Subventionsbetrugs und Untreue in acht Fällen vor dem Amtsgericht Gießen verwarnt; es ging um falsche Abrechnungen für seine Doktoranden.

Im Prozess um die vier fragwürdigen Rechnungen sollen am Donnerstag noch einmal Zeugen gehört werden; dann könnte Richter Jürgen Seichter auch das Urteil sprechen.

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