Stefan Maikranz im Lager. Der Bedarf des Uniklinikums an Schutzausrüstung ist riesig, die Beschaffung harte Arbeit und hohe Kunst zugleich. FOTO: SCHEPP
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Stefan Maikranz im Lager. Der Bedarf des Uniklinikums an Schutzausrüstung ist riesig, die Beschaffung harte Arbeit und hohe Kunst zugleich. FOTO: SCHEPP

Masken und mehr

Wie das Uniklinikum Gießen in der Pandemie für Schutz sorgt

  • Christine Steines
    vonChristine Steines
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Eine Klinik braucht in einer Pandemie Masken und vieles mehr, um Patienten optimal versorgen zu können - von Handschuhen bis zum Beatmungsgerät. Stefan Maikranz und seinem Team im UKGM gelingt (meistens) die hohe Kunst der klugen Vorratshaltung.

Reihenweise Kartons vom Fußboden bis zur Decke. Die Lagerhallen sind gut gefüllt - und sehr gut gesichert. Ein Alarmsystem und nächtliche Security sorgen dafür, dass die Einkäufe für das Universitätsklinikum auch dort bleiben. In den unscheinbaren Gebäuden befinden sich wahre Schätze: Alltagsmasken, FFP2- und FFP3-Masken, Schutzanzüge, Handschuhe, Desinfektionsmittel. Noch vor wenigen Monaten war dieses Material ganz normale Krankenhausausstattung, in der Pandemie gehört es zur begehrtesten Ware der Welt. Herr über Masken und Co. ist Stefan Maikranz, Geschäftsbereichsleiter Wirtschaft und Dienstleistung im UKGM. "Ich bin Einkaufsleiter, das ist einfacher", sagt der 56-Jährige. Er macht nicht gerne viel Gewese um seine Person, dafür wird er nicht müde, auf die Leistungen seiner Mitarbeiter hinzuweisen. "Ich bin unglaublich stolz darauf, wie sich jeder einzelne hier ins Zeug legt". Rund 100 Beschäftigte tragen mit dazu bei, dass der Nachschub gesichert ist.

Maikranz ist für alle Anschaffungen des Klinikums zuständig, ob es um Kabel für die Handwerker, um Lebensmittel für die Küche, Bürobedarf, Einrichtungen oder medizinische Geräte geht. Schon zu normalen Zeiten ist das ein aufreibender Job. In der aktuellen Krise ist die Aufgabe eigentlich ein Grund, durchzudrehen - oder zumindest für schlaflose Nächte. "Bloß nicht, das kann ich mir nicht leisten", winkt Maikranz ab. Man müsse beharrlich und mit kühlem Kopf einen Schritt nach dem anderen gehen, nur so funktioniere das. - Er und seine Leute hängen stunden- und tagelang vor den Rechnern, um an Ware zu kommen. Die Schutzausrüstung komme ausschließlich aus dem asiatischen Raum, fast alles habe man bisher aus China bezogen. Jetzt seien die Märkte seit Wochen in Aufruhr. Entweder sei Ware nicht lieferbar, sie sei völlig überteuert oder fehlerhaft. Alle Mitarbeiter seien fieberhaft damit beschäftigt, neue Quellen ausfindig zu machen und bei einem guten Geschäft sofort zuzuschlagen.

Täglich werden die Bestände überprüft, Maikranz muss jederzeit wissen, wo es Engpässe gibt und wie groß die Vorräte sind. 30 000 Alltagsmasken braucht das UKGM pro Woche, 1000 FFP2- und 1700 FFP3-Masken, 50 000 Paar Handschuhe und 1000 Flaschen Desinfektionsmittel. Wenn die hygienischen Standards nicht erfüllt werden können, kann auch eine Hightech-Klinik nicht arbeiten. "Alle hier haben den Ernst der Lage erkannt, und alle geben täglich Vollgas", sagt Maikranz.

Einschließlich des Chefs. Er kommt jeden Morgen aus seinem Heimatort bei Hanau, oft ist er erst nachts wieder zu Hause. Der stattliche 56-Jährige hat in den letzten Wochen deutlich abgenommen. Eigentlich kocht und backt er leidenschaftlich gerne, und eigentlich powert er sich regelmäßig in seinem Kraftraum aus. Das fällt derzeit alles flach. Ein paar Stullen zwischendurch müssen reichen, und manchmal ist auch dafür keine Zeit. Für Maikranz ist sein Einsatz kein Opfer.

"Ich mag meinen Beruf, ich identifiziere mich zu 100 Prozent mit dem, was ich tue". Seit knapp drei Jahren ist der Diplomkaufmann jetzt am UKGM, zuvor war er lange Jahre in einem medizintechnischen Fachhandel tätig. Die Kontakte aus dieser Zeit kommen ihm jetzt zugute, auch in der Branche ist ein funktionierendes Netzwerk viel wert. Maikranz hofft, dass eine Folge der Krise die Umkehr von bisherigen Produktions- und Handelsstrukturen ist; nie war die Abhängigkeit vom asiatischen Markt drastischer spürbar als in der Pandemie.

In einer Ecke des Lager stehen ein paar vereinzelte Kisten. "China fake" hat jemand darauf geschrieben. "Mangelhafte Ware, auch das kommt leider immer mal vor". Da gibt es nur eins: Return to sender.

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