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Nicht nur in China - dort wurde das Foto von der Anlieferung von Nachweisreagenzien aufgenommen - beschäftigen sich Mediziner mit dem neuen Corona-Virus. Weltweit bereiten sich Krankenhäuser auf den Ernstfall vor, auch am Universitätsklinikum Gießen und Marburg. FOTO: DPA

Corona-Virus

Uniklinikum ist auf Corona-Virus vorbereitet

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Das Corona-Virus hat auch das Uniklinikum Gießen und Marburg in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt. Ein Verdachtsfall erwies sich als normale Grippe. Das Krankenhaus sieht sich gut gerüstet.

Im Universitätsklinikum Gießen und Marburg ist ein Verdachtsfall auf eine Infektion mit dem Corona-Virus aufgetreten. Ein Patient, der einen Kontakt zu China hatte, meldete sich am Standort Marburg, erklärt ein Sprecher auf GAZ-.Anfrage. Seine Infektion habe sich aber als normale Grippe erwiesen. In Gießen habe es bisher keinen Verdachtsfall gegeben. Das UKGM sei auf Diagnostik und Behandlung besonders gut vorbereitet.

Die Ausbreitung neuer Viruserkrankungen wie auch die jährliche Influenza-Welle führten schnell zu Unsicherheiten in der Bevölkerung, so die Erfahrung des Uniklinikums. Die Fragen von Bürgerinnen und Bürgern lauteten beispielsweise: Wie kann ich mich schützen? Woher weiß ich, von welchem Virus ich betroffen bin?

"Das Wichtigste in einer Situation, in der sich eine Infektionskrankheit rasch ausbreitet, ist es, schnell und sicher zu diagnostizieren", erklären Klinikum und Justus-Liebig-Universität in einer gemeinsamen Pressemitteilung. Dies sei für die beiden Standorte Gießen und Marburg gewährleistet. "Betroffene Patienten müssen innerhalb kürzester Zeit von Nicht-Betroffenen getrennt und in isolierten Räumen behandelt werden, um eine weitere Verbreitung zu stoppen.", fasst Dr. Andreas Jerrentrup, Chefarzt der Zentralen Notaufnahme in Marburg zusammen.

Am Standort Gießen ist man auf derartige Erkrankungen besonders spezialisiert. Prof. Susanne Herold leitet die Sektion Klinische Infektiologie sowie die Forschungsgruppe "Virus-induziertes Lungenversagen". Hier werden in Zusammenarbeit mit Medizinern beider Standorte neue Therapien gegen schwere Lungeninfektionen entwickelt - auch solche, die durch Corona-Viren ausgelöst werden. "Wir nutzen die Erkenntnisse aus der Forschung und unsere klinische Expertise, um Patienten mit schweren viralen Lungeninfektionen bestmöglich zu behandeln.", so Herold.

Speziallabor und Lungenforschung

Prof. Werner Seeger, Ärztlicher Geschäftsführer des UKGM und Vorsitzender des Deutschen Zentrums für Lungenforschung, ergänzt: "Dabei profitieren wir von der klinischen und wissenschaftlichen Expertise in den Bereichen Lungenheilkunde und Intensivmedizin in Gießen."

In der Diagnostik arbeiten die Kliniker eng mit den Instituten für Virologie zusammen. Dabei profitieren sie von deren Fachwissen und schnellen Diagnoseergebnissen. Sie erhalten in kürzester Zeit zuverlässige Daten und können entsprechend schnell handeln. Das Institut für Virologie in Marburg verfügt über ein BSL4-Hochsicherheitslabor, eines von nur vieren in Deutschland. Weltweit sind es etwa 40 Einrichtungen, die über ein Sicherheitslabor der höchsten Schutzstufe verfügen.

"Durch unsere exzellenten und international bekannten Virologen sind wir am UKGM in der besonders glücklichen Situation, nicht nur auf dem allerneuesten Stand der Entwicklungen in dieser Ausbruchssituation zu sein, sondern wir sind auch bestens vorbereitet auf etwaige Verdachtsfälle. Glücklicherweise ist es aber dazu bisher im Hinblick auf das Corona-Virus aus China noch nicht gekommen", betont Prof. Harald Renz, ärztlicher Geschäftsführer am Standort Marburg.

Eine Herausforderung werde sicherlich sein, den neuen Erreger von anderen Viren zu unterscheiden, denn die Symptome seien ähnlich wie bei Influenza.

Arbeit an Impfstoff braucht noch Zeit

"Glücklicherweise ist die Gensequenz des neuen Corona-Virus bereits bekannt, was die Entwicklung eines schnellen Nachweistests durch die Berliner Kollegen möglich machte. Mit diesem Test können wir auch das neue Virus sehr schnell diagnostizieren", erklärt Prof. Stephan Becker, Direktor des Instituts für Virologie in Marburg.

"Wir sind vorbereitet. Darüber hinaus arbeiten wir im Rahmen des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung daran, einen Impfstoff zu entwickeln", so der Forscher. Das werde aber einen längeren Zeitraum beanspruchen.

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