Uniklinikum

Uniklinikum braucht Geld von Rhön AG

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Das Universitätsklinikum Gießen und Marburg hat hohe Außenstände bei den Krankenkassen. Nicht das einzige Problem im Haus.

Dem Universitätsklinikum Gießen und Marburg (UKGM) bereitet seine zum Jahreswechsel vollzogene Softwareumstellung offenbar größere Probleme als erwartet.

Im Prinzip soll das neue IT-System den gesamten Aufenthalt des Patienten im Großkrankenhaus begleiten, mit Terminen, Diagnosen und Behandlungen, und die Daten zusammenfassen. Am Ende wäre dann auch die Abrechnung mit den Krankenkassen auf Knopfdruck abrufbar. Doch genau hier hapert es. Die Folge: Dem Großkrankenhaus fehlt Geld aus seiner wichtigsten Einnahmequelle.

Nach Informationen dieser Zeitung hat sich das UKGM deshalb in großen Umfang Geld von seinem Mutterkonzern beschaffen müssen, der Rhön-Klinikum AG. Diese Zwischenfinanzierung muss teuer bezahlt werden.

Probleme eingeräumt

Eine detaillierte Anfrage zu dieser Frage hat das Universitätsklinikum am Freitag ausweichend beantwortet. Die Umstellung sei "zufriedenstellend" verlaufen und habe den Erwartungen entsprochen, heißt es in der Stellungnahme. Eingeräumt wird, dass es Abrechnungsverzögerungen mit den Krankenkassen gegeben habe – unter anderem deshalb, weil zu Jahresbeginn noch die Fälle aus 2017 und 2018 in unterschiedlichen Systemen verarbeitet worden seien. Zudem gebe es seit Januar eine erweiterte Dokumentationspflicht zur Qualitätssicherung, auch das habe Probleme bereitet. Auf die Frage nach dem Kredit von Rhön heißt es nur allgemein, dass "eine adäquate finanzielle Absicherung zur Verfügung gestellt" worden sei.

Der GAZ sind zudem Fälle bekannt, bei denen Patienten in den vergangenen Tagen Rechnungen von Behandlungen aus dem Jahr 2016 erhalten haben und diese nun innerhalb weniger Tage bezahlen sollen. In den Schreiben werden ausdrücklich Probleme bei der Abrechnung eingeräumt.

Bei dieser Zeitung haben sich auch Handwerker darüber beschwert, dass das Klinikum größere Rechnungen noch nicht beglichen habe – ihnen sei gesagt worden, dies liege an IT-Problemen. Auch dazu hat sich das Haus auf Anfrage nicht geäußert.

Zur Vorbereitung der Umstellung hatte das Uniklinikum in Gießen fast 3500 seiner 5000 Beschäftigten im neuen System geschult und teilweise Urlaubssperren verhängt.

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