Rund 1300 Mediziner arbeiten am Universitätsklinikum Gießen und Marburg, sie sind Landesbedienstete.
+
Das Universitätsklinikum in Gießen versorgt gegenwärtig klar mehr Covid-19-Patienten auf den Intensivstationen als jedes andere Krankenhaus in Hessen.

UKGM

Uniklinik Gießen: „Wir dürfen nicht ohne Not Patientenleben gefährden“ - UKGM-Chef appelliert an Verdi

  • vonRedaktion
    schließen

Streik am Uniklinikum Gießen mitten in der zweiten Welle? Am 1. und 2. Dezember könnte es trotz Corona-Krise soweit sein. UKGM-Chef Prof. Werner Seeger meint: „Wir dürfen nicht ohne Not Patientenleben gefährden.“

Gießen - Prof. Werner Seeger und Prof. Michael Sander haben sich am Dienstag mit einem Appell an die Gewerkschaft Verdi gewandt und gefordert, das Klinikum am 1. und 2. Dezember nicht zu bestreiken. »Wir sind in einer durch das Coronavirus ausgelösten Ausnahmesituation und benötigen momentan alle zur Verfügung stehenden Pflegekräfte, um die Versorgung unserer Covid-19-Patienten und jener mit anderen schweren Erkrankungen aufrechtzuerhalten«, sagte Seeger, der Ärztliche Geschäftsführer des Universitätsklinikums Gießen (UKGM).

»Das Universitätsklinikum in Gießen versorgt gegenwärtig bei Weitem mehr Covid-19-Patienten auf den Intensivstationen als jedes andere Krankenhaus in Hessen, einschließlich der Universitätskliniken in Frankfurt und Marburg. Ein Streik mitten in der Pandemie an dieser Klinik ist unverantwortlich, wir dürfen nicht ohne Not Patientenleben gefährden«, appelliert Seeger. Man sei sich bewusst, dass man die Gewerkschaftsmitglieder um einen zeitweisen Verzicht auf ihr Grundrecht bitte, aber die Umstände seien so dramatisch und die Infektionslage so dynamisch und unberechenbar, dass man eine verlässliche Patientenversorgung nicht mehr sicher auf die Beine stellen könne, sollte Verdi den nicht ärztlichen Dienst Anfang Dezember in den Streik führen.

Uniklinik Gießen in Corona-Krise: „Das schaffen wir aber nur, wenn jetzt alle an Bord bleiben“

Schon jetzt musste das UKGM das operative Programm reduzieren, um Pflegekräfte aus der Anästhesie zur Unterstützung der Intensivstationen bei der Behandlung von Covid-19-Patienten einsetzen zu können. »Wir müssen vermeiden, dass lebenserhaltende wichtige operative Eingriffe verschoben werden müssen. Das schaffen wir aber nur, wenn jetzt alle an Bord bleiben«; sagte Sander, Direktor der Klinik für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin und Schmerztherapie.

Im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses stünden momentan zwar Covid-19-Patienten. »Wir haben aber auch noch viele andere schwer erkrankte und verletzte Menschen zu versorgen, deren Operationen man nicht beliebig verschieben kann, ohne sie zu gefährden. Wir wollen nicht, dass Patienten bei uns im Klinikum an Covid-19 versterben, wir wollen aber auch nicht, dass Patienten wegen Covid-19 versterben. Ein Streik wie der angekündigte, der zu einer zusätzlichen Verknappung an Pflegekräften führen dürfte, wird dieses Risiko eindeutig erhöhen«, erklärte Sander. Es sei ein Gebot von Vernunft und Solidarität, den Arbeitskampf am Uniklinikum Gießen und Marburg auf einen Zeitpunkt zu verschieben, in dem aus medizinischer Sicht bessere Rahmenbedingungen herrschen als derzeit inmitten einer weltweit grassierenden Pandemie.

Verdi kämpft für die vielen nicht ärztlichen Beschäftigten um eine verbesserte Eingruppierung. »Weil wir am UKGM ohne Druck nie weitergekommen sind, planen wir kontinuierlich Streiks«, heißt es bei Verdi. Aufgrund des Lockdowns wurden im November Aktionen ausgesetzt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare