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Das Uniklinikum Gießen und Marburg blickt auf ein weiteres Erfolgsjahr zurück. Es sehe aber schwereren Zeiten entgegen und brauche mehr Unterstützung, hieß es beim Neujahrsempfang. Für Kritik sorgt eine Äußerung zum Evangelischen Krankenhaus.

"Abwerbeprämie"

Uniklinik Gießen: Evangelisches Krankenhaus weist Vorwürfe zurück

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Kritik an der Presse und am "EV", ein düsterer Blick auf ein schwieriges Jahr 2020 und ein Rückblick auf die Privatisierung 2006, die den Medizin-Standort Gießen gerettet habe. Der Neujahrsempfang am Uniklinikum bot den rund 150 Besuchern reichlich Gesprächsstoff. Das Evangelische Krankenhaus reagiert deutlich. 

Gießen - "Es hat uns überrascht, dass das Evangelische Krankenhaus auf seiner Homepage mit 5000 Euro Abwerbeprämie wirbt." Dafür werde wahrscheinlich auch seine Kirchensteuer ausgegeben. Mit dieser Äußerung beim Neujahrsempfang hat Dr. Gunther Weiß, Vorsitzender der Geschäftsführung des Universitätsklinikums Gießen und Marburg, im "EV" für Verärgerung gesorgt.

Die "Not und Verzweiflung" am UKGM müsse "wohl sehr groß sein, dass man mit solchen Falschaussagen im Rahmen eines Neujahresempfanges agieren muss", mutmaßt auf GAZ-Anfrage Sebastian Polag, Geschäftsführer des Agaplesion Evangelischen Krankenhauses Mittelhessen.

Uniklinik Gießen: Äußerungen zu "EV" sorgten für Diskussionen

Dass sein Haus neu hinzukommenden Fachkräften 5000 Euro für den Wechsel bezahlt, sei nachweislich falsch. "Wie bereits bekannt gegeben worden ist, wird eine Mitarbeiterprämie für beginnende examinierte Pflegekräfte in Höhe von 1000 Euro gezahlt. Weiterhin erhält einer unserer Mitarbeiter, der gegebenenfalls einen neuen examinierten Mitarbeiter der Pflege anwirbt, auch 1000 Euro."

Das Haus habe sich zu diesem Schritt entschlossen, da Mitarbeitergewinnung in der gesamten Branche schwierig sei. Auch bei der Werbung um Personal auf den üblichen Wegen fielen Kosten an, so Polag. "Diese Ersparnis geben wir entsprechend an unsere Mitarbeiter weiter. Und auch für den neuen Mitarbeiter fallen bei einem Arbeitgeberwechsel Aufwendungen an, die wir ausgleichen wollen."

Uniklinik Gießen: "EV" bezieht Stellung

Ebenso nachweislich falsch sei, dass Agaplesion und damit auch das "EV" Geld aus Kirchensteuern beziehe. "Krankenhäuser werden mit ihren laufenden Kosten zu nahezu 100 Prozent durch die Krankenkassen finanziert, auch diakonische Krankenhäuser. Investitionskosten werden zum Teil durch staatliche Fördermittel bezuschusst; dies betrifft alle Krankenhäuser, ob privat, kommunal oder diakonisch-gemeinnützig", erläutert der Geschäftsführer. Alle Krankenhäuser der Agaplesion gAG seien als gemeinnützige GmbH organisiert. Sie alle steckten ihre Gewinne "ausschließlich selbst in die einzelnen Einrichtungen", während private Krankenhäuser weitere Aktionäre bedienen müssen. Außerdem "erhalten wir im Gegensatz zu den kommunalen Einrichtungen keine weiteren Steuergelder bzw. eine Übernahme von Defiziten durch öffentliche Haushalte", schließt Polag.

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