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Am Uni-Klinikum verlor ein junger Mann bei einem Eingriff ein Bein. 

Behandlungsfehler?

Beinamputation: 24-Jähriger verklagt Klinikum

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War es ein schwerwiegender Behandlungsfehler am Uniklinikum Gießen? Ein heute 24-Jähriger hat 2013 nach einer Operation ein Bein verloren - und klagt nun vor dem Landgericht.

Gießen - Als der junge Mann aufsteht und den Gerichtssaal im Gießener Landgericht verlässt, um sich mit seinem Anwalt zu beraten, flattert das Hosenbein seiner Jeans sichtbar. Er trägt eine Prothese. Das künstliche Bein soll Folge eines Behandlungsfehlers sein, sagen der Kläger aus Hungen und sein Anwalt.

2013 hatte sich der damalige Teenager im Universitätsklinikum Gießen wegen einer Beinverkürzung operieren lassen. Es sollte eine Streckung bzw. ein Ausgleich vorgenommen werden. In der Folge der Operation war es zu starken Blutungen gekommen, so dass in zwei Tagen sechsmal der Verband durchgeblutet war. Aufgrund eines Gefäßverschlusses musste schließlich das Unterbein des heute 24-Jährigen amputiert werden.

Deswegen klagt der junge Mann gegen die Universitätsklinik. Dass es Jahre dauerte, bis gestern erstmals vor dem Landgericht verhandelt wurde, erklärte die Vorsitzende Richterin Beate Bremer damit, dass zunächst viele Gutachten eingeholt werden mussten.

Uniklinikum Gießen: Sachverständiger kommt zu Wort

Beim Auftakt der Güteverhandlung in Saal 107 des Landgerichts standen folglich medizinische Abläufe im Vordergrund. Ein Sachverständiger erläuterte, dass bei der Gefäßverletzung irrtümlichvon einer ateriellen Blutung ausgegangen worden war - was prinzipiell auch möglich sei. In Kombination mit dem extrem niedrigen Hämoglobin-Wert, den Sensibilitätsstörungen und der Fußheber-Schwäche, die allesamt bei dem Patienten festgestellt worden seien, hätte diese Hypothese jedoch verworfen werden müssen. Eine Doppler-Untersuchung (Gefäß-Ultraschall) und weitere Folge-Untersuchungen hätten erfolgen müssen, lautete die Einschätzung des Sachverständigen. Zwar räumte der Experte ein, dass nicht auszuschließen sei, dass der Vorderfuß auch bei richtiger Behandlung habe amputiert werden müssen. Dies sei jedoch nicht mit der Einschränkung zu vergleichen, die eine Amputation des gesamten Unterbeins für den Alltag bedeute.

Die Richterin betonte, dass die Einschränkungen und die Höhe des finanziellen Ausfalls, die den Kläger erwarten, aufgrund seines jungen Alters schwer einzuschätzen seien. Daraufhin berichtete der Geschädigte, dass er eine Ausbildung zum Lagerist gemacht habe und auch in einem Lager arbeite. Pläne für eine Ausbildung zum Installateur habe er wegen seiner Einschränkung aber verwerfen müssen.

Die Richterin schlug schließlich ein Schmerzensgeld in Höhe von 80 000 Euro sowie eine Vereinbarung vor, dass künftig noch weitere Einschränkungen geltend gemacht werden können. Nach kurzer Beratung forderten der Kläger und sein Anwalt ein Schmerzensgeld in Höhe von 100 000 Euro. Darauf wollte sich die Verteidigung ohne Rücksprache mit der Versicherung nicht einlassen. Daher wurde ein weiterer Termin für Mitte März festgesetzt.

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