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Uni und Schulen kooperieren

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Von: Dagmar Klein

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JuliusEichberger6KlasseL_4c © Dagmar Klein

Gießen (dkl). Das war eine höchst arbeitsintensive Woche für alle Beteiligten, die offenbar sehr erfolgreich verlaufen ist. Gekrönt wurde sie durch eine ambitionierte Online-Vernissage, bei der sich gut 100 Personen einloggten. Der Ideengeberin und Organisatorin Gabriele Hüllstrunk wurde von allen Seiten gedankt.

Das KuKo-Projekt am Institut für Kunstpädagogik (IfK) der Universität Gießen ist eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten. Studierende sammeln Praxiserfahrung im Umgang mit Kindern und Jugendlichen, diese wiederum erhalten die kostenfreie Möglichkeit, ihre eigenen künstlerischen Fähigkeiten zu entdecken oder auszubauen. Die Kooperation war von Anfang an vielseitig, fand im Austausch mit mehreren Schulen, aber auch mit Senioren in Wohnheimen statt.

Auch die Herausforderungen des Corona-Lockdowns hat die Kunstpädagogik-Gruppe um Gabriele Hüllstrunk angenommen. Gemeinsam haben sie seit Oktober an einem Konzept gearbeitet und die Umsetzung in gemeinsamer Anstrengung realisiert. Im Herbst war zum ersten Mal eine Ferienakademie geplant, die wegen der Pandemie nicht stattfinden konnte. Für die Osterferienakademie wurde daher komplett digital geplant. Alle waren überrascht, wie gut es gelaufen ist. Auch dank der Schüler, die sich verbindlich angemeldet hatten, hoch motiviert waren und sehr diszipliniert dabeiblieben.

Wie es sich für eine große Vernissage gehört, gab es auch Grußworte von den Leitungspersonen: IfK-Professor Carl-Peter Buschkühle, LLG-Direktorin Antje Mühlhans und Liebigschule-Direktor Dirk Hölscher. Weitere Lehrer und Professoren hatten sich dazugeschaltet. Gabriele Hüllstrunk stellte das KuKo-Projekt in einer Folien-Präsentation ausführlich vor.

Dank der Uni-Pressemeldung war der Vorbericht auch in den Zeitungen der Nachbarstädte erschienen, wodurch sich auch Schülerinnen und Schüler aus dem Raum Marburg und aus Wetzlar anmeldeten. Das wäre in einem Workshop mit körperlicher Anwesenheit wohl nicht passiert, aber im digitalen Raum konnte man sich kennenlernen. Das sei einer der Vorteile, wenn auf diesem Weg unterrichtet wird, so Hüllstrunk. Dass man sich quer durch alle Altersgruppen anmelden kann, gehört zum Konzept und ist längst erprobt.

50 Anmeldungen, auch von außerhalb

Es gab 50 Anmeldungen für die Osterferienakademie, für die vier Arbeitsgruppen Malerei, Fotografie, Zeichnung und Manga. Die Teilnehmenden erhielten vorab ein Material-Set zugeschickt, wurden in den täglichen Arbeitsablauf und die digitalen Gepflogenheiten eingeführt, zu denen ganz zentral die Rückzugsmöglichkeit und der gegenseitige Respekt zählten. Letzteres bedeutet, dass bei direkter Ansprache die Kamera eingeschaltet wird, damit man einander ins Gesicht schauen kann.

Um die vier Arbeitsgruppen kümmerten sich jeweils zuständige Tutorinnen-Gruppen, und Hüllstrunk war online den ganzen Tag über erreichbar, sie war im »Hauptraum« anwesend, wie sie sagt. Die Schüler erhielt jeden Tag eine Einführung samt Thema, das sie im Laufe des Tages selbstständig bearbeiteten. Rückfragen waren immer möglich. Zum Ende der Woche mussten sie sich für ein Werk entscheiden, das jeder und jede für die Vernissage in einem kleinen Film vorstellte. Diese Aufgabe war sehr unterschiedlich gelöst: mit schriftlicher oder mündlicher Erklärung, stumm oder mit Musikunterlegung, als Fotoabfolge zum Arbeitsprozess oder in einem Film, auch ein Daumenkino war dabei. Klarer Vorteil bei dieser Vernissage: So ausführlich können sich Kunstschaffende bei Gruppenausstellungen sonst nicht vorstellen. Dafür hat es insgesamt länger gedauert, was manche vielleicht auch überfordert hat. Nach zwei gemeinsamen Stunden gab es noch die Möglichkeit des Austausches im Zusammenhang der Arbeitsgruppen.

Die Studentinnen waren täglich im Gespräch mit ihrer Mentorin, am Ende gab es auch eine Befragung der Jugendlichen für die wissenschaftliche Evaluation. Denn die Arbeit geht weiter. Die bisher gemachten Erfahrungen werden in neue Kooperationsprojekte einfließen. »Bildung bedeutet Wachstum. Und Wachstum braucht Zeit«, so das Credo der Organisatorin. »Wir möchten Lernen ohne Leistungsdruck vermitteln und Kunstpraxis für die individuelle und soziale Welterschließung ermöglichen.«

Ein Kollege aus Japan, Experte für deutsche Kunstpädagogik, schrieb ihr im Anschluss: »Sie haben zusammen mit Ihren Studentinnen und den Schülern ein Zeichen gesetzt, dass man auch unter dieser Pandemie das erfüllte Kulturleben gestalten kann!«

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SophieCharlotteRichter9K_4c © Dagmar Klein
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LeroMerz10KlasseOstschul_4c © Dagmar Klein
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AnnaHermann7KlasseLLG_17_4c © Dagmar Klein

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