Uni-Ringvorlesung: »Die großen Seuchen«

Gießen (si). Die neue Ringvorlesung des Gießener Universitäts-Präsidenten dreht sich in diesem Semester um »Die großen Seuchen« . Sogar ein Nobelpreisträger wird erwartet zu der Reihe, die sechs Vorträge umfasst und jeweils montags ab 19.15 in der Aula läuft. Sie startet am 1. November.

Die Pest ist besiegt. Sie war die Geißel des Mittelalters. Die Infektionskrankheiten der Moderne haben andere Namen. Das heißt nicht, dass sie weniger gefährlich sind. Die Spanische Grippe etwa forderte 1918/20 mehrere Dutzend Millionen Tote. Welche Seuchen gab und gibt es? Was können wir aus ihrer Entstehung und Verbreitung lernen? Weshalb geraten Krankheitserreger heute noch außer Kontrolle? Das sind einige der Fragen, auf die die Ringvorlesungeine Antwort geben will.

Die Vorträge richten sich an die breite Öffentlichkeit. Wie schon bei den vergangenen Ringvorlesungen (zuletzt: »Ökonomie der Krise - Krise der Ökonomie?«) ist der Eintritt frei. JLU-Präsident Prof. Joybrato Mukherjee und die für Forschung zuständige Vizepräsidentin Prof. Katja Becker kündigten beim Pressegespräch gestern hochkarätige Wissenschaftler als Referenten an. Zugleich freuten sich beide, dass die Reihe diesmal einen engen Bezug zu den Lebenswissenschaften - vor allem Medizin, Veterinärmedizin, Biologie und Chemie - habe: also zu einem der zentralen Forschungsschwerpunkte der Justus-Liebig-Universität.

Den Auftakt macht übernächste Woche (1. November) der frühere Präsident der Leibniz-Gemeinschaft, Prof. Ernst Th. Rietschel. Der langjährige Direktor am Forschungszentrums Borstel (Leibnitz-Zentrum für Medizin und Biowissenschaften) wird zum »Sepsistod berühmter Komponisten« sprechen - tatsächlich sind viele Größen der Musikgeschichte an bakteriellen Infektionen gestorben, die noch bis vor etwa 50 Jahren weltweit eine der Haupttodesursachen waren. Sein Vortrag (»Unsterbliche Musik und Blutvergiftung«) ist als »musikalisch unterlegter Streifzug durch dramatisch-tödlich verlaufende Infektionskrankheiten bedeutender Musiker der vergangenen Jahrhunderte« angekündigt.

Am 15. November folgt der Humanmediziner Prof. Jürgen Hessemann, er referiert über »Die besiegte Pest und was von ihr übrig blieb«. Er wird historische, epidemiologische und infektionsbiologische Aspekte des Pesterregers und seiner Verwandten ansprechen und in den heutigen Zusammenhang von Gesundheitspolitik, Lebensweise und Infektionsforschung stellen. Hessemann ist Direktor des Max von Pettenkofer-Instituts für Hygiene und Medizinische Mikrobiologie der Universität München und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie.

»Lassen sich Epidemien vorhersagen?«, fragt am 6. Dezember Prof. Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie der Universität Bonn. Er setzt an der neueren Erkenntnis an, dass kleine Säugetiere wie Fledermäuse und Nager vielfältige Viren beherbergen - darunter auch solche mit enger Verbindung zu SARS und Ebola, die dem Menschen gefährlich werden können. Er wird unter anderem erläutern, welche Vorbeugemaßnahmen notwendig und geeignet sind, den Ausbruch von Seuchen zu verhindern.

Am 20. Dezember kommt dann mit Prof. Harald zur Hausen ein Nobelpreisträger (für Medizin, 2008) in die Uni-Aula. Der langjährige Stiftungsvorstand des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg befasst sich mit der »Suche nach infektiösen Krebsursachen« - 20 Prozent aller Krebserkrankungen stehen mit Infektionen in Verbindung. Welche Maßnahmen zur Prävention und Therapie sich daraus ableiten lassen, wird zur Hausen vor allem am Beispiel der Papillomviren erläutern, die Gebärmutterhalskrebs verursachen können.

»Infektionsforschung - 100 Jahre nach Robert Koch« ist am 10. Januar das Thema von Prof. Jörg Hacker, Präsident der Deutschen Akademia der Naturforscher Leopoldina. Mit Blick auf den vor 100 Jahren gestorbenen Begründer der Bakteriologie spricht er über aktuelle Trends in der Infektionsforschung. Hacker war bis vor Kurzem auch Vizepräsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft.

Den letzten Vortrag der Reihe hält am 24. Januar Prof. Stefan H. E. Kaufmann, Direktor am Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie Berlin und Präsident der Internationalen Union der Immunologischen Gesellschaften. In seinem Beitrag »Seuchen: Empfundene und reale Bedrohungen« fragt er unter anderem, warum sie die Welt auch heute noch in Angst und Schrecken versetzen und warum es letztlich nicht gelungen ist, die Seuchengefahr einzudämmen - und was dies für jeden Einzelnen sowie für Staat und Gesellschaft an Konsequenzen bedeutet.

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