Künftig soll ein Uni-Expressbus zwischen dem Bahnhof und der Rathenaustraße verkehren, der an nur zwei Haltestellen stoppt. FOTOMONTAGE: MDV-GRAFIK
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Künftig soll ein Uni-Expressbus zwischen dem Bahnhof und der Rathenaustraße verkehren, der an nur zwei Haltestellen stoppt. FOTOMONTAGE: MDV-GRAFIK

Nahverkehrsplan

Uni-Express in Gießen soll eingerichtet werden

  • Burkhard Möller
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Für Studierende in Gießen soll es bald eine spürbare Verbesserung der Busverbindungen zwischen Bahnhof und Uni geben.

Gießen(mö). Zwei Jahre ist nun schon wieder her, dass die Stadt die Einrichtung einer Expressbuslinie zwischen dem Bahnhof und den Unigebäuden im Schiffenberger Tal in Aussicht stellte. Realität wurde diese von der Universität schon länger gewünschte Verbindung bislang nicht. Nach Erwartung von Stadträtin Gerda Weigel-Greilich wird der Uni-Express im Zuge der anstehenden Fortschreibung des städtischen Nahverkehrsplans (NVP) ins Stadtbussystem integriert.

Wie die Grünen-Politikerin erläutert, sei im Magistrat länger über die Frage diskutiert worden, ob es Sinn macht, jetzt einen neuen NVP in Auftrag zu geben, da zeitgleich am Verkehrsentwicklungsplan (VEP) gearbeitet werde. "Wir haben uns dann für die Fortschreibung entschieden, sonst gibt es in den nächsten Jahren im Stadtbusverkehr keine Verbesserungen", verweist Weigel-Greilich auf die unterschiedlichen Zeitabläufe.

Fahrgastzählsystem soll helfen

Der neue NVP soll im Sommer 2021 vorliegen, der VEP, der das gesamte Verkehrssystem der Zukunft beschreiben soll und auch die Perspektive für einen schienengebundenen Nahverkehr in Gießen untersuchen soll, wird wohl erst eineinhalb bis zwei Jahre später fertig sein.

Weigel-Greilich hält es auch deshalb für sinnvoll, möglichst zeitnah an Verbesserungen im Stadtbussystem zu arbeiten, weil sich die Datengrundlage verbreitert. Dank des Fahrgastzählsystems, dessen Einführung durch die Teilnahme Gießen am Bundesprogramm "Saubere Luft" ermöglicht wurde, könnten die Bedarfe nun passgenauer ermittelt werden.

Was den Schnellbus zwischen Bahnhof und der Rathenaustraße betrifft, ist der Bedarf unstrittig. Im Gespräch ist eine Verbindung auf den Strecken der 801 und 802 mit nur zwei Haltestellen am Berliner Platz am Schulzentrum Ost. Diese schnelle Verbindung kann ohnehin erst nach dem Umbau der Rathenaustraße starten, der sich wohl noch bis Ende des Jahres hinziehen wird. Eine Einführung des Uni-Expresses kann also frühestens zum Fahrplanwechsel 2021/2022 kommen.

Mit der Beauftragung der neuen NVPs von Stadt und Kreis endet auch der Versuch einer gemeinsamen Nahverkehrsplanung. Zu der hatten die Stadt Gießen und der Zweckverband Oberhessischer Versorgungsbetriebe (ZOV), der für den Busverkehr in den Kreisen Gießen, Vogelsberg und Wetterau zuständig ist, vor acht Jahren einen ersten Anlauf genommen.

Nun planen die Aufgabenträger des Nahverkehrs wieder getrennt. Der neue NVP des Landkreises Gießen, der vom ZOV erstellt wird, soll bereits in diesem Jahr vorliegen.

Die Zusammenarbeit wurde damals nicht mit der Notwendigkeit einer Verkehrswende begründet, sondern mit der wirtschaftlichen Notwendigkeit, im Schülertransport Synergien zu nutzen.

"Das hat aber nicht das gebracht, was wir uns damals versprochen haben", erklärt Weigel-Greilich. Gleichwohl stimmten sich Stadt und dem ZOV eng ab, zum Beispiel was Umleitungsverkehre oder die Linienführungen im unmittelbaren Gießener Umland betreffe.

Angesprochen auf aktuelle Forderungen nach Expressbusverbindungen für Berufspendler nach Gießen hinein, um zu einer Reduzierung des Pkw-Verkehrs in der Stadt zu kommen, verweist die Stadträtin auf das Potenzial der Schiene.

Die vom Stadtparlament beschlossenen zusätzlichen innerstädtischen Bahnhaltepunkte am US-Depot und dem Aulweg werden freilich so schnell nicht gebaut werden. Denn ohne Modernisierung von Stellwerken und der Schaffung von zweigleisigen Begegnungsstrecken mindestens auf der Vogelsbergbahn machen neue Haltepunkte keinen Sinn, sondern bremsen die Bahn auf der gesamten Strecke aus. Das sieht auch Weigel-Greilich so. Wie berichtet, lassen Stadt, RMV und ZOV die Machbarkeit der beiden genannten Haltepunkte gleichwohl prüfen.

Busse mit Biogas und Diesel

Auch die Frage, wo die Stadt, die ihr neues Klimaziel 2035 als Aufgabenstellung in den neuen NVP aufnehmen will, an weitere Grenzen stößt, stellt sich. Denn aktuell fahren die Busse klimapolitisch quasi in zwei Welten. Während die Stadtbusflotte (Zuständigkeit bei der Stadt Gießen) bereits seit einem Jahr komplett mit Biogas betrieben wird, verbrennen die Busse der Regionallinien (Zuständigkeit beim ZOV) klimaschädlichen Dieselkraftstoff.

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