Links die TREA I, rechts die neue TREA II, die bald in den Normalbetrieb geht. FOTO: PM
+
Links die TREA I, rechts die neue TREA II, die bald in den Normalbetrieb geht. FOTO: PM

Unbemannter Verbrennungsofen

  • vonRedaktion
    schließen

Gießen(pm). Dem dauerhaften Regelbetrieb der TREA II (Thermische Reststoffbehandlungs- und Energieverwertungsanlage) steht nichts mehr im Weg - zumindest nicht aus Sicherheitsaspekten. Dies bescheinigte das vierköpfige Prüferteam des TÜV Hessen den Stadtwerken Gießen (SWG) am Ende aufwendiger Checks. Es galt, die sogenannte Sicherheitsmatrix abzunehmen, wie die SWG erklären.

Die Sicherheitsmatrix und ihre Abnahme durch Prüfer sind der Tatsache geschuldet, dass die Anlage üblicherweise ohne Personal arbeiten wird. Folgerichtig muss das System in der Lage sein, alle denkbaren kritischen Situationen selbst zu bewältigen. "Im Grunde geht es immer darum, Schäden an der Anlage zu verhindern und vor allem Gefahren abzuwenden", präzisiert Jens Hanig, bei den SWG für das Projekt verantwortlich. Und genau dazu ist die TREA II dank zahlreicher Sicherheitsmechanismen in der Lage.

Folgerichtig testen die Prüfer bei ihrer Abnahme, ob die Anlage so reagiert wie vorgesehen. Dazu simulieren sie Störungen aller Art, versetzen also das System in verschiedene kritische Zustände. "Die TREA II hat alle Tests mit Bravour bestanden", freut sich Hanig. Besonders erwähnenswert: Statt der ursprünglich angesetzten fünf Tage brauchten die TÜV-Prüfer nur drei, um ihr abschließendes positives Urteil zu fällen. Das schlimmste denkbare Szenario für die TREA II wäre ein vollständiger Stromausfall. Selbst damit kommt die Anlage klar - wie der Test nachgewiesen hat.

Weltweit einzigartig

Batteriegepufferte Computer und intelligente Steuertechnik sorgen dafür, dass innerhalb von Sekunden Notstromaggregate anspringen und alle kritischen Komponenten am Laufen halten - etwa wichtige Gebläse. Parallel fährt die TREA geregelt herunter.

Ein weiteres Problem könnte entstehen, falls der Druck im Kessel auf deutlich überhöhte Werte ansteigt. Damit es nicht zu Schäden kommt, stoppt die TREA in einem solchen Fall die Zufuhr von Abfall auf den Rost und reduziert die für die Verbrennung nötige Luft. Die Verbrennungstemperatur könnte unter bestimmten Umständen auch zu niedrig sein. Zum Beispiel, wenn der Abfall feuchter ist als geplant oder dessen Zusammensetzung nicht passt. "Falls dies eintritt, reagiert das System zuerst mit mehr Verbrennungsluft. Reicht das nicht aus, gelangt kein Brennstoff mehr auf den Rost und das Feuer erlischt", führt Jens Hanig weiter aus.

Die Abnahme der Sicherheitsmatrix war ein zentraler Meilenstein auf dem Weg zur Betriebsgenehmigung der TREA II durch den Regierungspräsidenten. Neben einigen kleineren Dokumentationen steht eigentlich nur noch die sogenannte Übereinstimmungserklärung Brandschutz an.

"Ich bin davon überzeugt, dass wir alles planmäßig über die Bühne bringen und die Anlage noch Ende 2020 vom Probe- in den Regelbetrieb überführen können", kündigt Jens Hanig an. Wenn es so weit ist, verfügt Gießen über eine wahrscheinlich weltweit einzigartige Anlage, die aus aufbereitetem Abfall hocheffizient und CO2-neutral Wärme und Strom gewinnt. Eben diese Produktion elektrischer Energie unterscheidet die TREA II von der TREA I, die nach wie vor hervorragend arbeitet. Deshalb verfügt die zweite TREA auch über zwei zusätzliche, mit Erdgas betriebene Blockheizkraftwerke. Diese ermöglichen eine wirtschaftliche Stromerzeugung. So gesehen sei die TREA II eine logische Weiterentwicklung der ersten Generation, komplexer und effizienter.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare