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Der neue Caritasdirektor Ulrich Dorweiler (r.) löst im Mai Joachim Tschakert ab, bis dahin wird er von diesem und der "alten Häsin" Eva Hofmann eingearbeitet. FOTO: KW

Doppelspitze

Ulrich Dorweiler wird neuer Caritasdirektor in Gießen

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Die Doppelspitze aus Mann und Frau ist modern. Der Caritasverband Gießen hat sie schon seit 16 Jahren. Nun wird Ulrich Dorweiler neuer Caritasdirektor. Er macht das Doppel kurzzeitig zum Trio.

Sein Gottvertrauen umschreibt er so: "Et hätt noch immer joot jejange." Wenn Toleranz gefragt ist, ruft er sich ins Gedächtnis: "Jeder Jeck ess anders." Für Ulrich Dorweiler sind Sinnsprüche seiner Heimatstadt Köln bis heute wichtige Leitsätze. Doch auch Gießen liege ihm längst am Herzen, versicherte der 55-Jährige bei seiner Einführung als neuer Caritasdirektor. Die Weltoffenheit der Stadt und die gute Zusammenarbeit sämtlicher Beteiligter in der Soziallandschaft seien außergewöhnlich.

Dorweiler wird Nachfolger von Joachim Tschakert, der im Mai mit dann 65 Jahren in den Ruhestand geht. Bis dahin bilden beide gemeinsam mit Caritasdirektorin Eva Hofmann (60) ein Führungstrio im Wohlfahrtsverband mit etwa 750 Mitarbeitern. Für diese großzügige Einarbeitungsregelung dankten sie alle der katholischen Kirche.

Der studierte Sozialarbeiter Dorweiler kam 2007 als Leiter des Kinder- und Jugendheims St. Stephanus zum Caritasverband Gießen. Seit 2008 leitete er den Bereich Kinder- und Jugendhilfe, zu dem neben dem Heim auch die Psychosoziale Kontakt- und Beratungsstelle, die Erziehungsberatungsstelle und die Ehe-, Familien- und Lebensberatung gehören.

Der vierfache Vater hat sich nicht selbst um den Aufstieg an die Spitze beworben. Er wurde - so schildert es Dekan Hans-Joachim Wahl als Caritas-Aufsichtsratsvorsitzender - angesprochen und nun vom Bischof berufen. Darüber sei er froh, sagt Wahl - nicht nur, weil ein 1.-FC-Köln-Anhänger den Eintracht-Fan Tschakert ablöst und damit die Caritasfarben Rot und Weiß auch in Sachen Fußball in den Vordergrund rücken.

Dass mit Dorweiler ein geschätzter und bewährter Mann aufsteigt, betonten sämtliche Rednerinnen und Redner. Der "Vollprofi" habe als Bereichsleiter umsichtig und weitblickend agiert, sagte Diözensancaritasdirektorin Nicola Adick. Er habe sich als Führungskraft erwiesen gerade in Zeiten großer Herausforderungen, als Gießen für ganz Hessen die Aufnahme hunderter allein angekommener jugendlicher Flüchtlinge organisierte.

Auf diese Herausforderung der Jahre 2014/15 ging auch Stadträtin Gerda Weigel-Greilich (Grüne) ein. "Ohne den Caritasverband hätten wir das nicht geschafft." Dorweiler wie auch zahlreiche andere Mitarbeiter hätten weit mehr geleistet als üblich und seien die damals nötigen, aber keineswegs selbstverständlichen Risiken eingegangen. In der Caritas werde das höchste biblische Gebot der Nächstenliebe gelebt, das "für uns alle Aufgabe" sei, so die Jugenddezernentin.

Bei einem Gottesdienst in der Bonifatiuskirche gaben unter anderem Kinder und Jugendliche von St. Stephanus ihrem einstigen Heimleiter gute Wünsche mit auf den Weg. Glückwünsche und kleine Geschenke - passend zu seinen Hobbys Kochen, Joggen, Wein Genießen - bekam Dorweiler auch vom Sozialdienst katholischer Frauen, von den Caritasdirektoren aus Worms, Darmstadt und Offenbach, den einstigen Bereichsleiter- und den heutigen Führungskollegen. Sie wiesen unter anderem auf die sinkenden Mitgliederzahlen und Finanzmittel der katholischen Kirche hin. Das nötige Sparprogramm soll unter dem Schlagwort "pastoraler Weg" gestaltet werden.

Er sei "neugierig" auf die neuen Aufgaben und berührt von den freundlichen Worten, sagte Dorweiler. Er dankte den "vielen tollen Menschen um mich herum, von denen ich gelernt habe, die mich tragen und fordern".

Dorweilers Nachfolgerin als Caritas-Bereichsleiterin für Kinder- und Jugendhilfe ist Melanie Schürholz.

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