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Ukrainer kommen am Ursulum unter

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Von: Christoph Hoffmann

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oli_sammelstelle3_090422_4c © Oliver Schepp

In einem Gebäudekomplex am Ursulum sollen künftig zur Überbrückung bis zu 200 aus der Ukraine geflüchtete Menschen unterkommen. Der Landkreis nutzt die ehemalige Presse- Vertriebs-Gesellschaft als Puffer bei der Verteilung von Flüchtlingen auf die Kommunen.

Dutzende von eingeklappten Feldbetten stehen schon bereit. Auch Wasser, Kaffee, Ladegeräte, Windeln, Kinderbettchen und vieles mehr hat der Landkreis eingekauft. In der ehemaligen Presse-Vertriebs-Gesellschaft am Ursulum sollen ab sofort geflüchtete Ukrainer unterkommen, die aus unterschiedlichen Gründen nicht direkt in Unterkünfte in den Kommunen verteilt werden können. Das hat Landrätin Anita Schneider am Freitag bei einem Vor-Ort-Termin bekräftigt, bei dem unter anderem auch Kreisbeigeordneter Christopher Lipp, Sozialdezernent Hans-Peter Stock und Kreisbrandinspektor Mario Binsch teilnahmen. Christian Betz, der hauptamtliche Vorstand des DRK, war ebenfalls gekommen, die humanitäre Hilfsorganisation wird den Kreis bei der Umsetzung unterstützen.

Der ein oder andere Gießener dürfte sich über die Nachricht wundern, schließlich hatten Kreis und Stadt bereits im Zuge der Flüchtlingswelle 2015 die Vereinbarung getroffen, wegen der Belastung durch die Erstaufnahmeeinrichtung des Landes (EAEH) keine Gemeinschaftsunterkünfte in der Universitätsstadt anzusiedeln. Schneider teilte nun mit, dass der Magistrat dankenswerterweise dennoch seine Zustimmung für das Vorhaben gegeben habe. »Es handelt sich auch nicht um eine Gemeinschaftsunterkunft«, betonte die Landrätin, sondern vielmehr um eine »temporäre Sammelunterkunft«.

Kreisbrandinspektor Binsch zeigte bei einem Rundgang, wie das konkret umgesetzt werden soll. Die mit grauen Teppichen versehenen Flure führen zu diversen kleinen Räumen, in denen früher Büros zu finden waren. Nun sind sie mit jeweils drei bis vier Feldbetten ausgestattet. »Schränke und Kühlschränke werden auch noch aufgestellt«, versicherte Binsch. Landrätin Schneider ist mit der Wahl des Gebäudes gerade wegen der vielen kleineren Zimmer zufrieden. »Das sorgt für mehr Privatsphäre.« Neben den ehemaligen Büros wird aber auch eine große Halle mit Betten ausgestattet. Hier soll ein Messebauer noch Trennwände einziehen. In sechs Waschcontainern haben die Geflüchteten die Möglichkeit zu duschen.

Theoretisch 1000 Menschen möglich

Für den Landkreis ist die Aufnahme und Verteilung der Ukrainer eine Herkulesaufgabe. Laut Sozialdezernent Stock werden von der EAEH jeden Donnerstag zwischen 100 und 150 Menschen zugewiesen, die dann dezentral in privaten oder vom Kreis angemieteten Domizilen in den Kommunen unterkommen sollen. Zudem würden täglich bis zu 100 Ukrainer vor der Kreisverwaltung stehen, die nicht über die EAEH überwiesen wurden. Eigentlich gebe es genug Platz für all die Menschen, betonte Stock, manchmal müsste aber umorganisiert oder Bewohner verlegt werden, damit etwa eine Großfamilie eine gemeinsame Unterkunft erhält. »Für solche Fälle ist diese Einrichtung gedacht«, sagte Stock und sprach von einer »temporären Notlösung.« Länger als drei Tage sollen die Ukrainer nicht am Ursulum bleiben.

Von dem 4000 Quadratmeter großen Gebäudekomplex hat der Landkreis zunächst nur die Hälfte angemietet. »Wenn es die Situation erfordert, haben wir jedoch die Option, weitere Flächen in dem Gebäude anzumieten und damit die Unterbringungskapazitäten zu erweitern«, sagte Kreisbeigeordneter Christopher Lipp. Dadurch könnten am Ursulum bis zu 1000 Menschen unterkommen.

Somit bereitet sich der Landkreis auch auf einen möglichen Einsatzbefehl durch das Innenministerium vor. Für einige Kreise wie Marburg-Biedenkopf, Wetteraukreis oder Vogelsbergkreis ist das bereits geschehen. Dort mussten kurzfristig Notunterkünfte für bis zu 1000 Kriegsflüchtlinge errichtet werden.

»Das kann uns auch treffen«, sagte Schneider. Umso erfreulicher sei die Anmietung des Gebäudekomplexes. Denn andernorts würden für solche Fälle oft Turnhallen genutzt - mit der Folge, dass Sportvereine ihre Angebote streichen müssten. Das wäre nach der langen Corona-Flaute nicht nur für Schüler und Sportler nachteilig, sondern letztlich auch für die Ukrainer, sagte die Landrätin. »Schließlich hat der Sport eine große integrative Kraft.«

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oli_sammelstelle1_090422_4c © Oliver Schepp
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