Überraschungen an Leuner Martinskirche

  • schließen

"Bereits einige Flurnamen wie Martinskirch oder Martinswies ließen darauf schließen, dass bei Leun ein verschüttetes Bodendenkmal besteht. Was wir bei zwei Lehrgrabungen der Philipps-Univesität Marburg seit 2015 fanden, lässt die Annahme zu, dass die Leuner Martinskirche zu den ältesten Kirchenbauten im Lahn-Dill-Kreis zählen dürfte", erklärte der in Herborn geborene Archäologe, Professor Dr. Felix Teichner, den zahlreichen Besuchern im Netanya-Saal des Alten Schlosses, die zum Vortragsabend des Oberhessischen Geschichtsvereins gekommen waren. Dessen 2. Vorsitzender, Manfred Blechschmidt, stellte den Referenten, der sich selbst als "Provinzialrömischen Archäologen" bezeichnet, als herausragenden Kenner der europäischen Archäologie mit breitem Spektrum vor, dessen Arbeit mit zahlreichen Stipendien gefördert wurde und ihn an verschiedene Universitäten in Deutschland und Spanien führte.

"Bereits einige Flurnamen wie Martinskirch oder Martinswies ließen darauf schließen, dass bei Leun ein verschüttetes Bodendenkmal besteht. Was wir bei zwei Lehrgrabungen der Philipps-Univesität Marburg seit 2015 fanden, lässt die Annahme zu, dass die Leuner Martinskirche zu den ältesten Kirchenbauten im Lahn-Dill-Kreis zählen dürfte", erklärte der in Herborn geborene Archäologe, Professor Dr. Felix Teichner, den zahlreichen Besuchern im Netanya-Saal des Alten Schlosses, die zum Vortragsabend des Oberhessischen Geschichtsvereins gekommen waren. Dessen 2. Vorsitzender, Manfred Blechschmidt, stellte den Referenten, der sich selbst als "Provinzialrömischen Archäologen" bezeichnet, als herausragenden Kenner der europäischen Archäologie mit breitem Spektrum vor, dessen Arbeit mit zahlreichen Stipendien gefördert wurde und ihn an verschiedene Universitäten in Deutschland und Spanien führte.

Teichner machte deutlich, dass er über die Ergebnisse der Grabungen keine endgültige Bewertung vorstellen könne, sondern lediglich einen Zwischenbericht. Manches, was im Dezember 2018 an neuen Erkenntnissen bekannt geworden sei, lasse auf weitere neue Deutungsmöglichkeiten schließen. Für ihn persönlich sei Gießen sehr wichtig gewesen, da er sich durch Professor Siemer Oppermann für die Archäologie entschieden habe.

Im weiteteren Verlauf seines Vortrags nahm Teichner die Besucher mit auf eine spannende Führung, die nicht nur in den Bereich um den Leuner Lahnbahnhof führte, sondern zugleich auch Methoden der modernen Archäologie vorstellte, von denen ein Heinrich Schliemann nicht hätte träumen können. Das galt noch nicht für die Entschlüsselung einer Schenkungsurkunde an das Kloster Fulda um 800 durch einen gewissen Alberich. Der vermachte Fuldas Kloster nämlich Gebiete in einem Ort "Mitte", gelegen in einer "provincia quam Hessi inhabitant". Heute per Internetsuche im mittleren Lahntal lokalisierbar und über "Lahnmitt" auf Leun verweisend. Hinzu kommt, wie Teichner ausführte, dass sich im mittleren Lahntal Schenkungen an die Klöster Fulda und Lorsch mischten. Schon Willi Görich habe in dem Bereich zwischen der B49 eine Sonderform einer frühkarolingischen Siedlungsanlage vermutet, was gemeinsam mit den Flurnamen auf eine archäologisch interessante Stelle hindeutete. Mit Luftbildarchäologie durch eigene Befliegung, Geomagnetik, Geoelektrik und Georadar verdichteten sich die Hinweise, dass hier Grabungen lohnten. Das Patrozinium des heiligen Martin, typisch für frühfränkische Kirchen, habe einen Hinweis auf die Zeit gebracht, in die Grabungen führen könnten.

Drei Ergebnisse der Grabungen von 2015 bis 2018 hob Teichert hervor. Im Bereich A, dessen besondere Struktur bei der Geomagnetik auffällig gewesen sei, habe sich die Vermutung eines Grubenhauses nicht bestätigt. Hier habe eine mittelalterliche Kalkbrennanlage bestanden. Im Bereich B, der Mauer, seien zwar keine spektakulären Funde gemacht worden, aber die Struktur eines Torbaues mit gut erhaltener Rundung des Eingangsbereichs aus massiven Steinen sei deutlich geworden. Im Bereich C, der Ergrabung des geosteten Baukörpers der Martins-kirche, habe es Besonderes gegeben: "Überraschenderweise wurde dabei kein einfacher rechteckiger oder halbrunder Chorabschluss freigelegt. Vielmehr fügen sich gleich drei konchenartige Erweiterungen zu einem kleeblattförmigen Chor zusammen – ein ungewöhnlicher Grundriss, der auf die besondere Bedeutung der Kirchen hindeutet." Als ungewöhnlich werteten Teichert und der lokale Grabungsleiter Robin Dürr auch "die überaus dichte Anordnung der Skelette", die zum Teil dicht an die Kirchenmauer heranreichen. Ein 30 kg schweres Fragment einer Kirchenglocke, eine Münze aus ottonischer Zeit und Alltagskeramik versprechen noch neue Erkenntnisse. Brandspuren lassen auf den Untergang der Kirche in einer Fehde zwischen Wetzlar und Solmsern schließen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare