Alexandra Wiedner als Gast spielt mit den Orchestermitgliedern Cornelius Jensen, Karolina Rybka und Attila Hündöl im Theaterfoyer (v. l.). FOTO: JOU
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Alexandra Wiedner als Gast spielt mit den Orchestermitgliedern Cornelius Jensen, Karolina Rybka und Attila Hündöl im Theaterfoyer (v. l.). FOTO: JOU

Überraschende Wendungen

  • vonSascha Jouini
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Gießen(jou). Ludwig van Beethoven legte die künstlerische Messlatte in seinen frühen Streichquartetten op. 18 hoch. Nachfolgende Komponistengenerationen mussten sich damit vergleichen lassen. An Mozart und Haydn anknüpfend, fand Beethoven seinen unverwechselbaren Stil, setzt dabei stets eine wache Rezeptionsweise voraus.

Beim ersten Kammerkonzert mit Mitgliedern des Philharmonischen Orchesters am Sonntag im Theaterfoyer erwies sich die Interpretation des 1800 entstandenen c-Moll-Quartetts als würdige Hommage zum 250. Geburtstag des Wiener Klassikers. Alexandra Wiedner und Cornelius Jensen (Violinen) sowie Karolina Rybka (Viola) und Attila Hündöl (Cello) animierten mit ihrem formal anschaulichen Spiel die Besucher, die Musik bewusst zu hören und im Detail nachzuvollziehen. Dies zeigte sich schon beim eröffnenden Allegro, etwa beim unvermittelten Eintritt der Seitensatz-Tonart Es-Dur und weiteren die Sinne schärfenden Wendungen. Zu den kantablen Themen kontrastierten schroffe Akkordschläge. Das Scherzo faszinierte durch federnden Rhythmus und reizvoll fugierte Abschnitte. Auch hier spiegelte sich in einer Fülle überraschender Momente Beethovens Vermögen, mit der Erwartungshaltung des Hörers zu spielen und diese zu brechen.

Vergnügliche Matinee

Das mit Elan vorgetragene ernste Menuett entsprach wieder kaum damaligen Konventionen, es erinnerte eher an ein Scherzo. Lebhaftes Temperament bewies das Ensemble beim Rondo-Finale, das in einen virtuosen Schlussteil mündete.

Rund 90 Jahre später komponiert, führte Carl Nielsens Streichquartett Nr. 1 g-Moll op. 13 in eine ganz andere Klangwelt. Bei aller im ersten Satz vorherrschenden Leidenschaft berührte besonders die Besonnenheit, mit der das Ensemble Ruhepunkte einfing, und wie sanft es die Musik ausklingen ließ. Das mit feinem poetischem Instinkt dargebotene "Andante amoroso" mutete wie ein reflexives Insichgehen an. Die Nachdenklichkeit schien beim derb-turbulenten Scherzo im Nu beiseite gewischt, doch gab es auch hier immer wieder Momente des Innehaltens. Für einen gelungenen Abschluss der vergnüglichen Matinee sorgte das Allegro-Finale.

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