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Es diskutierten (von links) Frederik Bouffier (CDU), Einzelkandidat Thomas Dombrowski, Frank-Tilo Becher (SPD), Ausländerbeiratsvorsitzender Zeynal Sahin, Marco Rasch (Die Partei) und Alexander Wright (Bündnis 90/Die Grünen).

Oberbürgermeister gesucht

OB-Wahl in Gießen: So stellen sich die Kandidaten ihre Migrationspolitik vor

  • VonDagmar Hinterlang
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Ihre Vorstellungen und Ziele bei der Integration von Migranten und bei der Migrationspolitik legten die fünf Gießener Oberbürgermeister-Kandidaten jetzt bei einer öffentlichen Podiumsdiskussion im Rathaus dar.

Gießen – Wieviele Migranten leben in Gießen? Diese Frage von Zeynal Sahin, Vorsitzender des Ausländerbeirats, brachte die Kandidaten für das Amt des Gießener Oberbürgermeisters kurz in Verlegenheit. Die Schätzungen variierten zwischen 15 000 und 40 000. Zumindest humorvoll und nicht falsch war die Antwort »zwischen 1 und 90 000«. Tatsächlich sind es etwa ein Drittel der Gießener Bevölkerung, also etwa 30 000 Menschen, erläuterte Sahin. Der Vorsitzende des Ausländerbeirats hatte alle fünf OB-Kandidaten zu einer Podiumsdiskussion ins Rathaus eingeladen, um deren Zielsetzungen zur Migrationspolitik zu erfahren. Die schlechte Akustik im Atrium war zum Teil eine Herausforderung, wollte man Fragen und Antworten verstehen.

OB-Wahl in Gießen: Kandidaten stehen Rede und Antwort zu Migrationspolitik

Berufsschullehrer Alexander Wright (Bündnis 90/Die Grünen) beklagte die eingeschränkten Chancen von gut ausgebildeten Schülerinnen und Schülern mit Migrationsgeschichte. Er plädierte für anonyme Bewerbungsverfahren. Wright erinnerte an die Möglichkeiten des Vereins »Antidiskriminierung Mittelhessen«. Er riet zu vertrauensbildenden Maßnahmen. Menschen, die den Staat in ihren Herkunftsländern als repressiv erlebt hätten, hätten unter Umständen Probleme, staatliche Institutionen hier als unterstützend zu erkennen.

Marco Rasch (Die Partei) forderte, Private in die Pflicht zu nehmen, um die Wohnungsnot in Gießen zu lindern. Auch könnte er sich vorstellen, einen Antirassismusbeauftragten an den Ausländerbeirat anzudocken. Im Übrigen empfahl er, Parkhäuser in Kindertagesstätten umzuwandeln, die Dezernatsverteilung im Magistrat neu auszuwürfeln und Apfelwein- und Handkäsfeste als Beitrag zur Integration zu etablieren.

Frank-Tilo Becher (SPD) hinterfragte den Begriff der Integration. Seiner Ansicht nach müsse man schauen, was bereits gut funktioniere und was nicht und dort nachsteuern, wo etwas nicht funktioniere. Becher würde dies nicht an einem festen Budget oder einer festen Quote festmachen wollen. Er würde vielmehr, unter aktiver Beteiligung des Ausländerbeirats, einen fortwährenden Umbauprozess begleiten wollen. Gebäude in Bildung und Verwaltung sollten so ausgestattet sein, dass im übertragenen Sinne niemand »hineingetragen« werden müsse.

OB-Wahl in Gießen: Bouffier betont bei Migrationspolitik den Teamgedanken

Einzelkandidat Thomas Dombrowski sprach von Liebe, Freundschaft und einem guten Zusammenleben von Völkern und Religionen. Er habe mit Bürgerinnen und Bürgern gesprochen und deren Probleme erkannt. Die Stadt habe sechs Jahre lang geschlafen und nichts getan. Als OB würde er die Rolle eines Mediators übernehmen. Dombrowski beklagte »Manipulation« durch die Presse. Er bezog sich darauf, wie dargestellt worden sei, wer in eine Stichwahl komme und wer nicht.

Frederik Bouffier (CDU) hob den Teamgedanken im Sport hervor. Beim Fußball sei die Herkunft egal. Es gehe einzig um die Mannschaft. Bouffier berief sich auf das Wertefundament im Grundgesetz. Er wandte sich gegen jede Form von Extremismus. Von starren Quoten halte er nichts. Als gewählter OB und jemand, dessen Partei keine parlamentarische Mehrheit habe, wünsche er sich einen kollegialen Umgang miteinander.

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