Zwischen Backshop und Schuhgeschäft hat die Polizei den Tatverdächtigen geschnappt.
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Zwischen Backshop und Schuhgeschäft hat die Polizei den Tatverdächtigen geschnappt.

Verfolgungsjagd im Seltersweg

Seltersweg Gießen: Zeugen berichten von dramatischen Szenen - U-Haft für Verdächtigen

  • Christoph Hoffmann
    vonChristoph Hoffmann
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Die Verfolgungsjagd am Samstag im Seltersweg hat für viel Aufsehen gesorgt. Verkäuferinnen der umliegenden Geschäfte haben dramatische Szenen beobachtet. Der Tatverdächtige sitzt in U-Haft.

Nadine Rinderknecht geht gerade ihrer Arbeit nach. Plötzlich ertönt ein lautes Quietschen. Es folgt ein Knall, der die Verkäuferin des Schuhhauses CCC zusammenzucken lässt.

Als sie aus dem Schaufenster blickt, sieht sie auf der gegenüberliegenden Seite des Selterswegs einen querstehenden Fiat. Ihr wird klar: Das Quietschen stammte von einer Vollbremsung, der Knall von einer zugeschlagenen Tür. »Dann ist plötzlich ein Mann vorbeigelaufen, die Polizei hat ihn aber geschnappt und gegen unser Schaufenster gedrückt«, erinnert sich die junge Frau. Kurz darauf habe der Mann mit Handschellen und Kabelbindern fixiert auf dem Boden gelegen.

Seltersweg Gießen: Unter Drogen- und Alkoholeinfluss?

Nadine Rinderknecht hat das Ende einer Verfolgungsjagd miterlebt, die am späten Samstagnachmittag den Seltersweg in Aufruhr versetzt hat. Einer Polizeistreife war gegen 16.10 Uhr ein 29-jähriger Grünberger aufgefallen, der mit seinem Kleinwagen nicht angeschnallt auf dem Anlagenring unterwegs gewesen war. Kurz vor der Kontrolle gab der Tatverdächtige Gas und raste davon. Er flüchtete über die Neuen Bäue und entgegengesetzt der Einbahnstraße in die Johannesstraße. Über die Goethestraße bog er schließlich in den gut besuchten Seltersweg ein. Und das mit ordentlich Tempo. Laut Polizei kam es dabei mehrfach zu brenzligen Situationen, einige Passanten hätten im letzten Moment zur Seite springen können.

Jenny Eley kann das bestätigen. Die Verkäuferin aus dem Schuhhaus Darré wurde durch zwei Polizeiautos, die über das Elefantenklo in den Seltersweg fuhren und dem Flüchtigen so den Weg abschnitten, auf die turbulenten Szenen aufmerksam. Der Tatverdächtige habe auf Höhe des »Backwerks« eine Vollbremsung hingelegt, sein Wagen habe quer auf der Straße gestanden. »Das Auto kam kurz vor einem Tisch zum stehen, an dem zwei Gäste saßen«, sagt Eley und fügt hinzu: »Die beiden haben am ganzen Körper gezittert.« Eleys Kollegin Yvonne Desgranges nickt zustimmend. »Es war alles sehr knapp. Das hätte ganz anders ausgehen können.«

Seltersweg Gießen: »Es war viel Glück dabei, dass niemand verletzt wurde«

Zu diesem Urteil kommt auch Polizeisprecher Jörg Reinemer. »Es war viel Glück dabei, dass niemand verletzt wurde.« Zumal der Tatverdächtige nicht nur keine Fahrerlaubnis besessen, sondern auch unter Alkohol- und Drogeneinfluss gestanden habe. Der erste Test sei positiv ausgefallen, das Ergebnis der Blutuntersuchung stehe noch aus.

Der wohnsitzlose Tatverdächtige wurde am Sonntag auf Antrag der Staatsanwaltschaft beim zuständigen Amtsgericht vorgeführt. Gegen ihn wurde Haftbefehl erlassen. Er sitzt in Untersuchungshaft.

Dass die Verfolgungsjagd für viel Aufsehen gesorgt hat, könnte den Ermittlern noch in die Karten spielen. Sie erhoffen sich zum Beispiel Hinweise über die Geschwindigkeit, mit der das Auto unterwegs gewesen ist. »Die beteiligten Kollegen schätzen das Tempo auf ungefähr 50 Kilometer pro Stunde. Aber das ist eine subjektive Wahrnehmung«, betont Reinemer. Die Polizei bittet daher Zeugen, sich unter Tel. 06 41/70 06 37 55 zu melden. Besonders Fotos und Videos könnten den Ermittlern wichtige Erkenntnisse liefern.

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