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Über die Plattform "Google Classroom" können die Schüler auch zu Hause mit Arbeitsaufträgen versorgt werden. FOTO: SCHEPP

Coronavirus

Schulschließung: So müssen Schüler in Gießen trotz Corona weiterlernen

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Die Schule fällt zwar aus wegen des Coronavirus. Doch frei haben die Schüler deshalb nicht. In Gießen werden etwa die Liebigschüler per Digitalplattform mit Aufgaben versorgt. 

Am Freitagmorgen sagt der Leiter der Liebigschule, Dirk Hölscher, er gehe davon aus, dass auch die hessischen Schulen vorsorglich wegen des Coronavirus geschlossen werden. Er wisse nur noch nicht wann. Am Freitagnachmittag teilt die Landesregierung schließlich mit, dass der Unterricht zumindest bis zu den Osterferien nicht stattfinden wird; die Schulen jedoch für bestimmte Schülergruppen offen bleiben. Die Schulen trifft diese Nachricht nicht unvorbereitet; es war ja absehbar. Deshalb hat zum Beispiel die Liebigschule kurz vor Toreschluss ihre Schüler in mehreren Jahrgangsversammlungen informiert, dass sie in der Unterrichtszeit auch von Zuhause aus weiterlernen werden: Über die digitale Plattform "Google Classroom" sollen sie von den Lehrkräften mit Aufgaben und Arbeitsaufträgen versorgt werden. Die Lehrer sollen am Montag noch einmal dazu geschult werden.

Es hat ein bisschen was von einem Schubs ins kalte Wasser. Seit Jahren wird über die Digitalisierung an Schulen und neue Lernformen diskutiert. Nun geht’s nicht tröpfchenweise, sondern aus der Not heraus springflutartig voran. Vielleicht wird man in Zukunft an diese Märzwochen denken, als Schulen anfangen mussten, sich die Digitalisierung zunutze zu machen - oder um im Bild zu bleiben: einfach loszuschwimmen.

Hölscher erzählt, dass vor zwei Jahren jeder Schüler eine Mailadresse der Liebigschule erhalten habe. Darüber haben die Kinder und Jugendlichen über ihre Rechner Zugriff auf die Lernplattform. Diese sieht vor, dass Lehrer einzelne Klassen anlegen, indem sie die Mailadressen der Schüler in einzelnen Gruppen hinterlegen. Dort können sie Arbeitsmaterial hochladen, das von den Schülern zuhause bearbeitet werden soll. Weil die Kinder und Jugendlichen außerdem angehalten wurden, ihre Ordner und Bücher mit nach Hause zu nehmen, können sie auch mit Arbeitsaufträgen für diese "konventionellen" Lernmaterialien versorgt werden.

Die Gymnasiasten sollen einmal am Tag in ihr schulisches Mailpostfach schauen, um die Aufgaben abzurufen. Wer jetzt mit dem Gedanken spielt, dies eben nicht zu tun, weil der Lehrer sowieso nicht hinter ihm steht, den muss Hölscher enttäuschen: Die Lehrer können sehr wohl prüfen, wer das Arbeitsmaterial heruntergeladen und bearbeitet hat.

Dass die Kinder in einer Art digitalem Sportunterricht nicht die Aufgabe bekommen, 20 Hampelmänner zu machen oder zehn Runden um den Esstisch zu laufen, ist klar. Aber generell sollen sie für alle anderen Fächer Arbeitsaufträge erhalten, sagt Hölscher. Wichtiger sei, dass die Kinder über die Lernplattform erreicht werden und Feedback erhalten können.

Hölscher sagt, die Schule werde nun aus der Not eine Tugend machen müssen - man habe wenig Erfahrung im Bezug auf digitalen Unterricht sammeln können. Der Leiter des Gymnasiums glaubt, dass dies auf keinen Fall eine Dauerlösung sein könne. Denn der direkte Kontakt zum Lehrer bleibe immens wichtig und könne nicht ersetzt werden.

Sechs Wochen sind im zweiten Schulhalbjahr vergangen. Wie es weitergeht, ist noch unklar. Wie werden die Lehrer mit der Notengebung umgehen? "Da werden wir individuelle Lösungen finden", sagt Hölscher. Wichtig sei vor allem: "Den Schülern dürfen aufgrund dieser Situation keine Nachteile entstehen."

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