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Mit zwei großen Wasserwagen kämpft das Gartenamt schon seit Anfang April gegen die Trockenheit. FOTO: SCHEPP

Kein Regen

Trockenheit sorgt auch in Gießen für Sorgenfalten

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Schon seit Wochen muss das Gießener Gartenamt wegen der Triockenheit Bäume und Beete bewässern bewässern. Auch im Stadtwald herrscht Alarmstufe.

Gießen(jri). Wer schönes Wetter mag, konnte sich zwar in den letzten vier Wochen über zahlreiche Sonnenstunden und regelmäßigen blauen Himmel über Gießen freuen. Doch die derzeitige trockene Wetterlage sorgt auch für große Sorgenfalten - vor allem bei den Mitarbeitern des Botanischen Gartens, des städtischen Gartenamtes und des Gießener Stadtwalds. Denn die Natur leidet bereits wieder unter der Trockenheit, und auch die Gefahr von Waldbränden steigt. Der kräftige Wind der ersten Wochenhälfte hat die Dürre noch verstärkt, und es soll auch in den nächsten Tagen nicht regnen.

Holger Laake, Technischer Leiter des Botanischen Gartens, hofft auf baldige Besserung von oben in Form von Niederschlägen: "Wir bewässern schon seit fast drei Wochen die Standorte mit Rhododendron sowie die Bereiche Systematische Abteilung und Alpinum." Der Gewitterregen vom Samstag mit 15 Litern pro Quadratmeter - einziger Regen seit rund fünf Wochen - habe aber sehr gut getan. "Doch die zuletzt hohe Sonneneinstrahlung mit scharfem Ostwind und sehr geringer Luftfeuchte hat den Oberboden schnell wieder ausgetrocknet", erklärt Laake. Frische Pflanzungen benötigen daher tägliche Bewässerung. Laake hofft auf einen regenreichen Mai. Die Gehölze im Botanischen Garten hätten durch die ergiebigen Niederschläge in den ersten drei Monaten des Jahres aber aktuell noch keine Probleme.

Stadt fürchtet Schäden an Bäumen

Das Gartenamt ist ebenfalls schon seit Anfang April täglich mit zwei großen Wasserwagen unterwegs, was für diese frühe Jahreszeit - es ist schließlich noch kein Hochsommer - untypisch ist. Gegossen werden die Kübelpflanzungen, die angelegten Beete sowie alle in diesem und im letzten Jahr neu gepflanzten Bäume.

"Zurzeit können wir die Bewässerung zwar noch in ausreichendem Maß gewährleisten. Doch wenn die Trockenheit länger andauert, werden auch die im vorletzten Jahr gepflanzten Bäume leiden und es sind Schäden zu befürchten", teilt Stadt-Pressesprecherin Claudia Boje mit. Soweit sei es zwar noch nicht - trotzdem wünsche man sich im Gartenamt dringend einen fruchtbaren Regen. Das städtische Umweltamt rät allen Eigentümern von frisch gepflanzten Bäumen, diese jetzt ausreichend anzuwässern. Am besten mit Regenwasser aus der Zisterne, sofern vorhanden. Bei ausbleibenden Niederschlägen empfiehlt Baumfachmann Hinrich Lüttmann eine wöchentliche Gabe von mindestens 75 Liter je Baum. Vorsicht aber: Jungbäume vertragen keine "nassen Füße". Wenn sie tagelang im Wasser stehen, quittieren das zuverlässig mit Absterben. Ab dem dritten Standjahr brauchen Bäume auf gut versorgten Standorten mit Anschluss an das Grundwasser dann in der Regel keine Wassergaben mehr.

Im Stadtwald beginnt für Förster Ernst-Ludwig Kriep von der Abteilung Forsten des Liegenschaftsamtes jetzt eigentlich die schönste Jahreszeit. "Alles wird frisch grün. Die Luft ist sauber, und überall ist das Brutgeschäft der Vögel und die Setzzeit vieler Jungtiere in vollem Gange."

Neupflanzungen stark gefährdet

Doch gleichzeitig macht sich bei Kriep angesichts staubtrockener Waldwege, trockener Gräben und tiefer Trockenrisse im Holz geernteter Eichen schon wieder ein Gefühl der Machtlosigkeit gegenüber negativen Auswirkungen der Trockenheit breit. "Wir haben uns im Herbst und auch jetzt im Frühjahr intensiv für die Wiederbewaldung von durch Trockenheit und Schädlingsbefall verursachten Freiflächen eingesetzt. Unsere Pflanzungen reichen jedoch in dieser Etablierungsphase nur bis in etwa 30 Zentimeter Bodentiefe. Und genau diese Schicht ist schon jetzt nach sechs Wochen Trockenheit und einer Kombination aus Sonne und Wind stark ausgetrocknet", erklärt der Waldexperte. Die kleinen Pflänzchen könnten ohne ausreichend Bodenfeuchtigkeit nicht überleben. Künstliche Bewässerung sei aber im Wald nur in kleinen Bereichen möglich. Hinzu kommt, dass in dieser Woche Waldbrandalarmstufe A durch das Umweltministerium ausgerufen wurde. Das heißt unter anderem, dass Rauchen im Wald verboten ist. "Daher hoffen wir auf Regen. Am besten nachhaltig über die ganze Vegetationszeit verteilt. Die Hoffnung hierauf stirbt zuletzt", meint Kriep.

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