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Bei dieser Demo am Kugelbrunnen ist es zu der Auseinandersetzung gekommen. FOTO: ARCHIV

Tritt in den Rücken hat Folgen

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Gießen(khn). Der 23 Jahre alte Mann wollte Ende Januar 2018 gegen den Angriff der türkischen Armee auf kurdische Gebiete in Syrien demonstrieren - und übte während der Kundgebung selbst Gewalt aus. Einem 23-Jährigen mit türkischen Wurzeln trat er mit voller Wucht in den Rücken. Dafür ist er jetzt vor dem Amtsgericht Gießen zu einer fünfmonatigen Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt worden. Das empfindliche Urteil begründete Strafrichter Dietrich Clauss Becker bei seiner Begründung damit, dass solche Taten im Umfeld einer Demonstration nicht hinnehmbar seien.

Wolfsgruß gezeigt

Unter dem Motto "Afrin ist nicht allein" hatten sich am 30. Januar 2018 rund 150 Kurden und Deutsche spätnachmittags rund um den Kugelbrunnen versammelt. Ein offenbar zufällig vorbeigekommender Türke störte sich an zwei Flaggen mit dem Porträt des in der Türkei lebenslang inhaftierten PKK-Führers Abdullah Öcalan und sprach den Einsatzleiter der Polizei darauf an. Das führte zu einem Gespräch am Rande der Kundgebung, in das sich auch einige Teilnehmer der Demonstration einmischten; sie beschimpften den Studenten.

Der Polizeibeamte ging dazwischen und legte dem jungen Mann nahe, den Kreuzplatz zu verlassen. Der Gießener Türke tat das auch, provozierte die Demonstranten aber mit dem "Wolfsgruß", dem Zeichen türkischer Nationalisten. Etwa 15 Kurden eilten ihm deshalb hinterher, und der Angeklagte trat ihm in den Rücken.

Nach anfänglichem Leugnen hatte der 23 Jahre alte Kurde seine Schuld auch eingestanden. Der früher in Bad Nauheim lebende und jetzt in einem Dönerimbiss in Nordrhein-Westfalen arbeitende Mann entschuldigte sich am ersten Prozesstag bei seinem Opfer, der wiederum seine Provokation vor Gericht eingeräumt hatte.

Für die Gießener Staatsanwaltschaft war die Sache klar: Sie beantragte wegen gemeinschaftlich begangener und deshalb gefährlicher Körperverletzung in einem minderschweren Fall eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten sowie eine Geldbuße von 1000 Euro, die der Angeklagte an eine gemeinnützige Einrichtung zahlen sollte. Becker hingegen war der Ansicht, es könnte auch eine einfache Körperverletzung vorliegen.

Polizist sagt aus

Offen sei die Frage, ob der Angeklagte alleine oder aus der aufgebrachten Gruppe heraus und damit gemeinschaftlich gehandelt hatte. Ein Polizist, der am ersten Verhandlungstag verhindert war, sollte Klarheit schaffen. Der betonte bei seiner Aussage, dass der Angeklagte mehrere Schritte Anlauf genommen und dann dem Provokateur in den Rücken gesprungen sei. Richter Becker verurteilte den 23 Jahre alten Mann wegen einfacher Körperverletzung und lag beim Strafmaß näher bei der Staatsanwaltschaft als bei der Verteidigung. Denn Ramazan Schmidt hatte für seinen Mandanten lediglich eine Geldstrafe von 3600 Euro gefordert.

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