"Trend zur Pille" bei immer jüngeren Mädchen

Gießen (if). In der Kongresshalle haben am Mittwoch die "27. Gynäkologischen Fortbildungsstage" begonnen. Rund 300 Fachärzte sind der Einladung von Prof. Hans-Rudolf Tinneberg , dem Direktor der hiesigen Frauenklinik gefolgt.

Ursprünglich dominierten vor allem mit der damals brandneuen "Pille" zusammenhängende Fragen die zunächst jährlich - inzwischen in zweijährigen Turnus -, von Professor Richard Kepp begründeten und danach von Prof. Wolfgang Künzel geleiteten Tagungen. Inzwischen bereichern unter Leitung von Prof. Hans-Rudolf Tinneberg neue Entwicklungen die klassischen Themen aus Geburtshilfe und Gynäkologie. Das Thema "Pille" - sprich Kontrazeption und Ovulationshemmer - ist dabei noch längst nicht vom Tisch.

Einen "zunehmenden Trend zur Pille" bei immer jüngeren Mädchen registriert Dr. Alex Valet, der beim Schwerpunktthema "Endokrinologie" gestern früh diese Problematik aus der Sicht des niedergelassenen Gynäkologen anschnitt und zugleich damit ein aktuelles Dilemma der Kontrazeption zur Sprache brachte: Von jährlich 10 000 unerwünschten Schwangerschaften Minderjähriger ist auszugehen. Elf Prozent der Mädchen sind beim ersten - in der Regel ungeschützten - Geschlechtsverkehr zwischen vierzehn und sechzehn - also "sehr jung".

Wie beim Wunsch nach der Pille vorgehen? Die Eltern informieren und zuvor befragen? Was, beispielsweise, wenn nur ein Elternteil zustimmt? Für den erfahrenen Frauenarzt ist auf jeden Fall der Schutz der Jugendlichen ein höheres Rechtsgut als die Aufklärungspflicht der Erziehungsberechtigten.

"Eine Sterilisation - auch wenn beide Eltern es wünschen - ist bei Minderjährigen ausnahmslos verboten." Und was wiederum eine ungewollte Schwangerschaft anbetrifft, Dr.Valet: "Junge Mädchen sind damit überfordert." Sein Rezept für seine Kollegen: Aufklärung, Information, jederzeitige telefonische Erreichbarkeit. Eine andere Frage, die immer häufiger gestellt werden muss: Wie steht es mit der "Pille" in der Onkologie? Antwort: Bei den allermeisten Krebserkrankungen kann sie eingesetzt werden. Beim Mamma-Karzinom ist allerdings zuvor die Klärung des Rezeptorstatus erforderlich.

In seinen Begrüßungsworten hatte der Direktor der Universitätsfrauenklinik, Prof. Hans-Rudolf Tinneberg, die Teilnehmer auch darauf hingewiesen, dass man angesichts des bevorstehenden Umzugs in den Neubau die Serie der abschließenden Seminare am Samstag zum letzten Mal in dem traditionsreichen Gebäude der Frauenklinik werde durchführen können: "Wir haben uns alle dort sehr wohlgefühlt", bedauerte er.

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