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Das treibt den Gießener AfD-Direktkandidaten Arno Enners um

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Für Vertreter junger Parteien wie der AfD kann es schnell gehen mit der Karriere. So wie bei Arno Enners, der wohl in den Landtag einzieht. Er will sich nicht auf die Themen Islam und Migration reduzieren lassen.

Arno Enners wirkt entspannt, und das kann er knapp zwei Wochen vor der Landtagswahl auch sein. Die AfD liegt in allen Umfragen stabil über zehn Prozent, das Abgeordnetenmandat ist dem 54-jährigen Gießener kaum noch zu nehmen. Auf den Listenplatz acht hatten ihn die Delegierten des Landesparteitags vor einem Jahr gewählt. Für acht Abgeordnete würden knapp sieben Prozent reichen, hat Enners ausgerechnet. "Ich glaube, mein Vorteil war, dass ich vorher nicht überall kandidiert habe. Ich war nicht verbrannt", erklärt er sich seine Wahl unter die ersten zehn der insgesamt fast 80 Bewerber.

Das Abgeordnetenmandat im Wiesbadener Landtag wird der vorläufige Höhepunkt einer persönlichen Entwicklung sein, die der gebürtige Gießener vor fünf Jahren nicht ahnen konnte. Als enttäuschter CDU-Wähler trat er 2013 in die AfD ein, ein Jahr später gründete er den Stadtverband, und nach der Kommunalwahl 2016 war er plötzlich Oppositionsführer im Stadtparlament – als Chef einer achtköpfigen Fraktion.

Eigentlich wollte sich Enners auf die Kommunalpolitik konzentrieren, aber schnell kamen nach dem flächendeckenden Erfolg der AfD bei der hessischen Kommunalwahl weitere Verpflichtungen hinzu. Da er als Fuhrpark- und Werkstattleiter einer Hilfsorganisation mit sozialen Themen vertraut ist, schickte ihn seine Partei in den Verwaltungsausschuss des Landeswohlfahrtsverbands. "Im vergangenen Jahr hatte ich 52 Sitzungen", erzählt Enners. Ein Jahr nach der Kommunalwahl gab er den Fraktionsvorsitz im Stadtparlament an Steffen Reichmann ab, es folgte die Bitte des Kreisverbands, die Landtagskandidatur im Wahlkreis 18 zu übernehmen. Doch zuerst wollte er nicht.

Wir haben viel mehr Facetten zu bieten als Islam und Migration

Arno Enners (AfD)

Natürlich ist der Kandidat auf Fragen zum aktuellen Erscheinungsbild der AfD nach den Geschehnissen von Chemnitz, als Parteipromis wie Björn Höcke Seit an Seit mit knallharten Rechtsextremisten demonstrierten, vorbereitet. Höcke und Poggenburg stünden nicht für das Zentrum der AfD, sondern seien Randfiguren, erklärt Enners. Dass er immer wieder zu umstrittenen Aussagen aus der AfD Stellung beziehen muss, findet er nicht fair. Er hat sich für diese Fälle einen Vergleich zurechtgelegt: "Ich werfe SPD-Leuten ja auch nicht den Auf-die-Fresse-Spruch von Nahles vor."

Im Wahlkampf macht sich die Debatte um die Frage, wie weit rechts die AfD mittlerweile steht, laut Enners nicht bemerkbar. Im Gegenteil: Die Kandidaten der AfD erhielten vor der Landtagswahl deutlich mehr Einladungen zu Podiumsdiskussionen und Besuchen als noch vor der Bundestagswahl. "Es gab bislang auch keine Anfeindungen", fügt er hinzu. Enners sieht die AfD nach wie vor in einer Findungsphase. "Man braucht eine Legislaturperiode, um zu sehen, wer in einer Fraktion radikale Ansichten vertritt oder ein Nullleister ist."

In seinem Wahlkampf will sich Enners nicht reduzieren lassen auf die Themen, die AfD-Politiker meistens in die großen TV-Talkshows bringen. "Wir haben inhaltlich viel mehr Facettten als Islam und Migration", betont er. In seinem Fall sind das die Belange von Behinderten, Verkehrs- und Umweltpolitik. Diese Bereiche werde er in der künftigen AfD-Landtagsfraktion sehr wahrscheinlich auch als fachpolitischer Sprecher vertreten.

Aber so weit ist es noch nicht, der neue Landtag konstituiert sich erst im nächsten Jahr, und vom Arbeitgeber freigestellt ist der Stadtverordnete erst ab Jahresende.

Info

Drei Fragen an den Kandidaten

Warum sind Sie die beste Wahl für unseren Wahlkreis?

Arno Enners: Weil ich an keiner verkrusteten Parteistruktur hänge, nicht für ein weiter so stehe und bei uns soziale Belange vertrete.

Welches Anliegen wäre Ihnen als Abgeordneter am wichtigsten?

Enners: Die Abschaffung der Straßenausbaubeiträge. Es ist unsozial, wenn Bürger, die ihr Häuschen noch nicht abbezahlt haben, 75 Prozent Anliegerbeitrag zahlen sollen. Das kann nicht richtig sein.

Über welche Zahlen würden Sie sich bei der 18-Uhr-Prognose für Hessen am 28. Oktober am meisten freuen?

Enners: Wenn es im Land 15 Prozent Zweitstimmen werden und wir in Gießen auf zehn Prozent kommen. Bei der Bundestagswahl waren es nur 9,9, da habe ich als Stadtverbandsvorsitzender etwas gut zu machen.

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