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Tonnenschwer und federleicht

  • vonChristian Schneebeck
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Gießen zieht. Das erlebt ein Team des Hessischen Rundfunks auf der Sommertour zweier Vorabendsendungen bei einer Live-Wette mit dem Ruder-Achter. Der Außenreporter ist anschließend erst begeistert und wird dann "gefedert" - und die Ober- bürgermeisterin zeigt sich stolz auf ihre Stadt.

Wenige Augenblicke nach dem Start sieht Jens Pflüger seine Felle davonschwimmen. Ersatz steht aber schon parat - in Form eines Kartons voller Federn. Zuerst mag es der Reporter des Hessischen Rundfunks am Dienstagabend kaum glauben. "Das kann doch nicht sein", nuschelt er ins Mikrofon. Es läuft die Live-Schalte zur Sommertour der Sendung "Maintower", direkt vom Lahnufer in Gießen. Und es läuft gerade ziemlich viel zu Pflügers Nachteil. Er hat gegen die Stadt gewettet, dass es die Ruderer des Gießen-Achters nicht schaffen, das mit 32 Personen besetzte, fast zehn Tonnen schwere "Schlammbeiser"-Boot des Marinevereins in höchstens zwei Minuten mindestens 50 Meter zu ziehen. Was soll man sagen: Nach 50 Sekunden hat er diese "Sommerwette" verloren.

Jetzt schreitet Dietlind Grabe-Bolz zur Tat. Der Verlierer solle "gefedert" werden, hat der HR-Mann dem Publikum zuvor vollmundig versprochen. Die siegreiche Oberbürgermeisterin kündigt lieber an, einen "gefederten Schwan" aus dem Gast machen zu wollen. "Gibt’s hier zu viel Spinat?", witzelt Pflüger noch, während Grabe-Bolz ein Gewinnerlächeln über das Gesicht huscht: "So sind sie, die Gießener. Einfach stark!" Die rund 50 Zuschauer haben Spaß. Einen Eimer "reines Lahnwasser" über Pflügers Kopf, mitgebrachte Windmaschine an - dann fliegen zunächst die Federn, ehe der Außenreporter in der Lahn baden geht.

"Ich dachte wirklich, diese Wette kann man nicht gewinnen", versichert er wenig später frisch geduscht. Seine Gastgeber haben ihn begeistert. Alles habe "super geklappt", die Vereine sowie die Stadt seien "extrem hilfsbereit" gewesen. Dass sie manchmal gar Enthusiasmus versprühen, zeigen die Mitfahrer auf dem Boot beim Testlauf kurz vor dem Auftritt. Nur ein klein wenig muss Pflüger nachhelfen. "Liebe Passagiere, ihr dürft völlig ausrasten!", ruft er ins Megafon, während der Rest des 20-köpfigen Fernsehteams letzte Vorbereitungen für die knapp sechsminütige Live-Schalte trifft.

Als die Tat vollbracht ist, bleiben davon nur ein paar kleine Wellen. Sanft schwappen sie am Uferweg gegen den Steg, während am Bootshaus die Helden aus dem Wasser steigen. Sie seien "etwas ersatzgeschwächt" ins Rennen gegangen, berichtet Hassia-Vorsitzender Kai Frenzel. Doch auch ohne zwei etatmäßige Mitstreiter bleibe "die Hebelwirkung relativ günstig", sodass der Erfolg nicht überrasche. Die Sportler selbst fanden das Rennen vor allem am Anfang "etwas härter als gedacht", wie Daniel Hartmann zu Protokoll gibt. Auf der anderen Flussseite hat sich die Begeisterung derweil noch nicht gelegt. "Dolle Leistung", staunt ein Zuschauer. Die Oberbürgermeisterin räumt ein, am Anfang gezweifelt zu haben - weil das Boot schwer in Gang gekommen sei. Passend zur zweiten Live-Übertragung aus Gießen kommt bald darauf der Regen richtig in Gang. "Alle Wetter!" mit Moderatorin Simone Kienast sucht laut Ankündigung aber ohnehin "Abkühlung an der Lahn".

Die findet das Team, das auf dem Boot des Marinevereins freilich trocken bleibt. So klingt "der heißeste Tag der Woche", wie Kienast sagt, mit einem Einspieler vom Stand-up-Paddling in Marburg aus. Und mit Ursula Rock von der Oberen Fischereibehörde, die über den Zustand der Fische in der Lahn informiert. Nicht wenige leiden unter den ungewöhnlich hohen Wassertemperaturen. Zum Schluss wieder eine gute Nachricht, live aus Gießen: Das Wetter werde vorerst nicht mehr ganz so heiß, weiß Kienast.

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