Nach dem Konsum von Einstiegsdrogen geht’s für Sebastian P. mit Heroin weiter.
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Gerichtsprozess

Gießen: 28-Jährige stirbt nach Heroin-Konsum – Urteil gegen Drogenbeschaffer

  • VonConstantin Hoppe
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Alkohol, Medikamente, Heroin – 2019 war eine 28-Jährige in Gießen gestorben, jetzt musste sich der Drogenbeschaffer vor Gericht verantworten. Das Urteil fällt milde aus.

Gießen – Das Ende einer langen Suchtgeschichte: Am 5. Januar 2019 stirbt eine 28-Jährige Frau auf der Hindemithstraße in Gießen, nachdem sie Heroin und Alkohol konsumiert hat. Deshalb muss sich der 36-jährige H. aus Schöffengrund in dieser Woche vor einem Schwurgericht der 5. Großen Strafkammer des Gießener Landgerichts wegen einer leichtfertigen Todesverursachung verantworten:

Angeklagter wegen Kauf des Heroins in Gießen verurteilt

Der Angeklagte hatte das Heroin mit seiner damaligen Lebenspartnerin geteilt (die GAZ berichtete). Die Todesursache war eine Mischintoxikation aus Drogen, Alkohol und Medikamenten. Doch vor Gericht konnte nicht nachgewiesen werden, dass der Angeklagte den Tod seiner damaligen Freundin leichtfertig in Kauf genommen hat.

Von dem eigentlichen Vorwurf wurde er freigesprochen - jedoch wegen des illegalen Erwerbs von Betäubungsmitteln zu einer Geldstrafe in Höhe von 1800 Euro verurteilt. »Aber mit der moralischen Schuld, dass er durch das Teilen der Drogen den Tod seiner damaligen Freundin verursacht hat, muss er den Rest seines Lebens leben«, erklärte Staatsanwältin Daniela Zahrt in ihrem Plädoyer.

Drogenbeschaffener nicht verantwortlich für Heroin-Tod der Frau in Gießen

»Es ist eine ungewöhnliche Situation, dass wir hier einen Sachverhalt zu verhandeln hatten, der mit dem Tod eines Menschen endete und dass trotzdem nur eine kleine Geldstrafe verhängt wird«, erklärte die Richterin Regine Enders-Kunze das Urteil. Aber nach Auffassung des Gerichts gilt es als erwiesen, dass H. letztlich nicht für den Tod seiner Freundin verantwortlich ist.

»Ja, er hat das Heroin gekauft und die Hälfte davon einem Bekannten angeboten - aber dann hat die Geschädigte ihm geradezu die Drogen aus der Hand gerissen und selbst konsumiert«, berichtete Enders-Kunze den Ablauf am Tag des Geschehens. »Das eine so geringe Menge von 0,2 Gramm eine tödliche Gefahr darstellen würde, konnte der Angeklagte nicht wissen.«

28-Jährige war bereits alkoholkrank vor Heroinkonsum in Gießen

Doch die 28-Jährige war bereits seit vielen Jahren alkoholkrank, trank an normalen Tagen mehr als drei Liter Wein, und ihre Leber funktionierte nur noch eingeschränkt - eine Kombination aus Alkohol, Medikamenten und Drogen verursachte letztlich den Tod der Frau. Das bestätigte am Donnerstag auch ein Gutachten der Gerichtsmedizin.

Als den Beteiligten die Situation der 28-Jährigen dann bewusst wurde, habe der Angeklagte zudem alles getan, um ihr das Leben zu retten. »Mit Hinblick auf den Tod der Geschädigten kann dem Angeklagten keine Schuld nachgewiesen werden.« Zudem würdigte das Gericht auch, dass erst durch die Angaben des Angeklagten auch der Dealer überführt werden konnte.

Strafbar war deshalb nur der Erwerb der Betäubungsmittel durch den 36-Jährigen: »Es war Heroin, die gefährlichste Droge«, führte Enders-Kunze aus. »In diesem Fall kann man sehen, warum alleine schon der Erwerb von Drogen unter Strafe gestellt ist.« Deshalb verurteilte das Gericht den 36-Jährigen zu einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu jeweils 30 Euro und folgte damit der Forderung der Staatsanwaltschaft. (con)

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