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Tiersterben am Schwanenteich: Botulismus trotz Teichsanierung

Gießen (kw). Erstmals nach der umfassenden Gewässersanierung am Schwanenteich sind die Wassertiere dort von einer größeren Botulismusepidemie befallen worden. Mehr als ein Dutzend tote Stockenten, Nilgänse und Schwäne wurden allein beim hessische Landeslabor untersucht.

Das erklärte auf GAZ-Anfrage Dr. Michael Zschöck, Abteilungsleiter für Veterinärmedizin in dem Landesbetrieb. Eine Ursache für die Verbreitung dieser Bakterien sei wahrscheinlich der heiße Sommer – eine weitere das Entenfüttern. Eine Gefährdung für Menschen bestehe nicht.

Botulismusausbrüche unter den Wasservögeln im Stadtpark gibt es immer wieder, gerade nach längeren Hitzeperioden. Zuletzt sorgte 2011 das Sterben einer sechsköpfigen Schwanenfamilie für Aufregung unter Tierfreunden. 2010 fielen dem Nervengift – laut Zschöck "eines der stärksten Toxine, das man in der Natur kennt" – ebenfalls etliche Vögel zum Opfer. Diesmal seien es besonders viele, sagt Dr. Gerd Hasselbach, Leiter des städtischen Umweltamts. Er schätze, dass bisher etwa 25 Vögel tot gefunden wurden, die meisten von ihnen Jungtiere.

Die Sanierung des Schwanenteichs hatte – neben der Aufhübschung für die Landesgartenschau 2014 – das Ziel, den Bakterien künftig möglichst den Nährboden zu entziehen. Ein erheblicher Teil der dafür vorgesehenen Maßnahmen, nämlich das sogenannte Bitterling-Projekt, wurde letztlich allerdings wegen der Bürgerproteste gegen die Gartenschau wieder aufgegeben. Deshalb blieb es bei der Entschlammung: 2011 wurde das Wasser abgelassen, der Boden ausgebaggert, 8000 Kubikmeter Schlamm entfernt. Das kostete knapp 700 000 Euro.

Nun ist der Botulismus trotzdem zurückgekehrt. Schon die Vögel, die Ende August starben (die GAZ berichtete), waren daran erkrankt, wie mittlerweile feststeht. Aufgenommen werde das Gift – so Zschöck – in der Regel über Wasserinsekten, die selbst dagegen unempfindlich sind. Wasservögel fressen die Kleintiere. Schon drei bis vier befallene Insekten reichen, um den Vogel krank zu machen. Oft stirbt er nach einer Nervenlähmung am Versagen der Atem- und Herzmuskulatur. Bleibt der Kadaver im Wasser, werde ein "Teufelskreis über die Aas-Maden in Gang gesetzt", so Zschöck.

Wegen des Verbreitungswegs über die Wasserinsekten seien Vögel, die an Land leben, in der Regel nicht befallen. Für den Menschen stelle eine Ente oder ein Schwan mit Botulismus kein Risiko dar, unterstreicht Zschöck. Die Vögel seien sensibel für das Toxin vom Typ C, wohingegen die Krankheit beim Menschen meistens durch die Typen A, B und E ausgelöst werde.

Ins Landeslabor gelangen die Kadaver meist über die städtischen Ämter. Darüber hinaus wurden einige noch lebende Vögel in die Uni-Tierklinik gebracht. Ein junger Schwan, der dort gerettet werden konnte, wurde an den Heuchelheimer See umgesiedelt. Die anderen Schwäne könne man nicht einfangen, sagt Hasselbach. "Wir hoffen, dass das Gift sich ausschleicht." Regen und Abkühlung helfen dabei. 

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