Tierpflegerin Hannah Wern mit Sherlock. Seit das Tierheim geschlossen ist, müssen die hauptamtlichen Mitarbeiter die Versorgung der Bewohner alleine stemmen. Foto: Friedrich
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Tierpflegerin Hannah Wern mit Sherlock. Seit das Tierheim geschlossen ist, müssen die hauptamtlichen Mitarbeiter die Versorgung der Bewohner alleine stemmen. Foto: Friedrich

Corona-Krise

Tierheim Gießen: Traurig hinter verschlossener Tür

  • Christine Steines
    vonChristine Steines
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Auch für die Bewohner des Tierheims ist in Zeiten von Corona alles anders. Wenn die ehrenamtlichen Helfer fehlen, zeigt sich erst recht, welche wertvollen Dienste sie sonst leisten.

Ein kurzes Spiel, ein paar Streicheleinheiten. Dann muss Hannah Wern weiter zur nächsten Katze, zum nächsten Hund. Das Tierheim ist seit drei Wochen geschlossen, die Versorgung der vierbeinigen Bewohner geht natürlich trotzdem weiter. Die Tierpfleger kümmern sich um ihre Schützlinge wie sonst auch - doch es gibt einen gravierenden Unterschied: Da die ehrenamtlichen Helfer derzeit nicht mehr kommen können, müssen die Hauptamtlichen die Arbeit alleine stemmen. Das bekommen die Profis auch gut hin. Dennoch bleibt vieles auf der Strecke. "Wenn wir im Dienst sind, rennen wir pausenlos von einem zum anderen", beschreibt Wern die Lage. Putzen, waschen, Geländepflege, Füttern, Telefondienst, das Abholen von Fundtieren - diese Aufgaben müssen nun von viel weniger Personen geleistet werden.

Die Katzen vermissen es schmerzlich, dass niemand mehr da ist, der sich zu ihnen setzt, der sie in Ruhe streichelt und kost, der mit ihnen spielt. Die Reaktion fällt je nach Persönlichkeit anders aus: Die einen ziehen sich zurück, die anderen fahren schon mal die Krallen aus und zeigen sehr deutlich, was sie von diesem Liebesentzug halten. Ähnlich sieht es bei den Hunden aus. Die Vierbeiner sind es gewohnt, dass Hundebegleiter kommen, um mit ihnen lange Spaziergänge in Feld und Wald zu unternehmen. Derzeit kommt zwar auch jeder Hund täglich hinaus, aber nicht so lange. Zudem ist es nicht möglich, sich intensiv mit den Tieren zu beschäftigen. Normalerweise wird mit jedem Hund trainiert - es wird an der "Alltagstauglichkeit" gearbeitet und für die Auslastung gesorgt. Je entspannter ein Hund ist, desto größer sind seine Vermittlungschancen. Diese Bemühungen müssen im aktuellen Ausnahmezustand zurückstehen. Auch die Vermittlung der Tiere hat man momentan zurückgefahren. Die Gefahr ist viel zu groß, dass sich derzeit Menschen aus Langeweile ein Tier zulegen und in ein paar Wochen merken, dass in ihrem Leben doch kein Platz für einen Vierbeiner ist. Da die Tierschützer aus leidvoller Erfahrung wissen, wie sprunghaft Interessenten häufig sind, haben sie sich zu diesem Schritt entschieden. Dennoch können Tierfreunde ihre Bereitschaft signalisieren, wenn sie einen Vierbeiner dauerhaft zu sich nehmen möchten. Dies kann telefonisch und per E-Mail geklärt werden. Die Fundtierabgabe ist im Tierheim nach wie vor möglich. Im Fundtierhaus gleich neben dem Eingang liegen auch Unterlagen bereit, auf denen man die Begleitumstände notieren kann.

Hält die Krise an, kommt das Tierheim in Existenznot. Denn schon jetzt ist spürbar, dass die Spenden wegbrechen, beklagt Astrid Paparone, die Erste Vorsitzende des Vereins. "Die Leute haben im jetzigen Ausnahmezustand ganz andere Sorgen", weiß sie. Auf diese Zuwendungen ist das Tierheim aber dringend angewiesen. Da auch Veranstaltungen, bei denen der Tierschutzverein normalerweise für seine Bewohner die Spendentrommel rührt, nicht stattfinden, gerät der Verein mit seinen immensen Fixkosten ins Hintertreffen.

Die Tierfreunde hoffen deshalb, dass ihre Schützlinge nicht vergessen werden. Hinter den verschlossenen Türen sitzen viele Vierbeiner, die nicht verstehen, warum die Welt da draußen so anders ist. Sie sind auf großzügige Menschen angewiesen.

Das Tierheim hat derzeit wegen der Corona-Pandemie geschlossen. Auch die Telefondienste (Tel. 0641/52251) sind eingeschränkt. Über das Notfallhandy (wird auf dem AB angesagt) können dringende Fälle besprochen werden, Infos auf der Homepage. Der Verein ist dringend auf Spenden angewiesen: Sparkasse Gießen, Kontonr.: 200 505 424; BLZ: 51350025; IBAN: DE76 5135 0025 0200 5054 24; BIC: SKGIDE5F.

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