Therapie für taube Ohren Von Taubheit bis Tinnitus

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Gießen (jri). Manchmal kann die Medizin wahre Wunder bewirken. Eines dieser Wunder besteht darin, tauben oder stark hörgeschädigten Menschen zu neuen Hörerlebnissen und damit zu mehr Lebensqualität zu verhelfen. Möglich ist dies über die Implantation einer Hörprothese, deren Elektroden im Innenohr in die Hörschnecke (medizinisch Cochlea genannt) eingeführt werden. Seit 2015 werden solche Operationen am Universitätsklinikum in Gießen durchgeführt. Am kommenden Mittwoch (16. November) wird es am Klinikum erstmals einen Info-Tag geben, bei dem sich Ärzte, Patienten, Hörakustiker und andere Interessierte über diese sogenannten Cochlea-Implantate informieren können.

"Wir wollen aufmerksam machen auf die Möglichkeiten und Chancen, die diese Implantationen bieten", erläutern Prof. Jens Peter Klußmann, Direktor der Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde am Uni-Klinikum Gießen, und Dr. Stephan Ernst, neuer Leiter der Audiologie in der HNO-Klinik, den Zweck dieses Info-Tages, der als Kolloquium mit mehreren Fachvorträgen ausgerichtet wird. Klußmann hat in Köln, Marburg und Gießen bereits mehrere Hundert Hörimplantat-Operationen durchgeführt. Weltweit wurden schon mehrere Hundertausend dieser Prothesen erfolgreich eingesetzt – übrigens auch bei taub geborenen Kindern. Neue Impulse für den Nerv Das Cochlea-Implantat besteht aus einem externen Teil (bestehend aus Mikrofon, Sprachprozessor, Batterie oder Akku und Spule) und einem etwa fünf Zentimeter langen und nur wenige Millimeter dicken implantierten Teil (bestehend aus Spule, Signalprozessor mit Stimulator und Elektroden für die Stimulation). Der externe Teil wird meist hinter dem Ohr getragen oder im Haar versteckt. Er überträgt akustische Signale kabellos durch die Haut an die implantierte Spule, wo die Signale in elektrische Impulse umgewandelt und direkt an den Hörnerv in der Cochlea weitergegeben werden. Dies stimuliert den Hörnerv und ruft im Gehirn einen Höreindruck hervor – ähnlich wie beim normalen Hören. "Wenn konventionelle Hörgeräte nicht mehr weiterhelfen oder besondere Situationen wie etwa Schallleitungsschwierigkeiten vorliegen, kann eine Implantation sinnvoll und medizinisch erforderlich sein", sagt Klußmann. Im Falle einer solchen medizinischen Indikation übernehmen die Krankenkassen die Kosten für die gut 20 000 Euro teuren Geräte. "Wir prüfen vorher sehr genau, wer für so eine Implantation infrage kommt und was das richtige Implantat für die jeweilige Hörschädigung ist. Es ist nämlich gar nicht so leicht, das richtige Implantat für den jeweiligen Patienten zu finden", sagt Klußmann. Nach der Operation, die millimetergenau unter dem Mikroskop erfolgt, übernimmt das Klinikum auch die lebenslange Nachsorge, denn etwa einmal im Jahr muss die Funktion des Implantats überprüft werden. Der Höreindruck nach der Operation sei zunächst zwar ungewohnt und Patienten müssten das Hören erst wieder trainieren. Doch inzwischen gibt es sogar Selbsthilfegruppen für Menschen mit Cochlea-Implantaten – etwa in Lahntal bei Marburg. Ein Hör-Implantat (auch Cochlea-Implantat genannt) ist etwa so groß und so dick wie zwei Ein-Euro-Münzen. Es kann laut den Gießener Medizinern bei ganz unterschiedlichen Hörschäden helfen: Bei Taubheit, hochgradiger Schwerhörigkeit, einseitigem Hören (das die räumliche Wahrnehmung einschränkt und im Straßenverkehr gefährlich ist), schwerem Tinnitus oder nach lang anhaltenden Knalltraumata. Wichtig ist aber dabei, dass der Hörnerv noch intakt ist. Am Mittwoch, 16. November veranstaltet das Uni-Klinikum von 14 bis 18 Uhr einen Info-Nachmittag mit Vorträgen über die Möglichkeiten und Chancen dieser Implantat-Technik, und zwar von 14 bis 20 Uhr im Hörsaal der Neuen Chirurgie, Rudolf-Buchheim-Straße 7.

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