Theatermaschine nutzt Außenbereiche

  • Karola Schepp
    vonKarola Schepp
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Gießen(gl). Und wieder wird die Theatermaschine angeworfen. In diesem Jahr hat sich die Werkschau der Studierenden am Institut für Angewandte Theaterwissenschaften der Liebig-Universität ganz auf die besonderen Vorschriften der Zeit eingestellt und zeigt, was zu zeigen ist, an ungewöhnlichen Orten. Der Slogan lautet: "Still werking it out". Vieles findet im Freien statt, es gibt beispielsweise Theater im Auto, auf dem Neuen Friedhof, eben da, wo man Abstandsregeln leicht einhalten kann oder mit dem Tragen von Masken größtmögliche Sicherheit schaffen kann.

Einlass sichern über die Homepage

Vom 29. Oktober bis 1. November bespielen die Theaterwissenschaftler ein paar Plätze und Bühnen in Gießen. Dort warten dann typisch-untypische angewandte Programmpunkte auf die Besucher. Dabei gilt, wie auf der Facebook-Seite der Theatermaschine zu lesen ist, Folgendes: "Bei aller Kritik, die in einem kulturpolitischen Kontext diskutiert werden muss, begrüßen wir Hygienemaßnahmen grundsätzlich und erkennen in ihnen eine Möglichkeit und die Notwendigkeit, sich solidarisch zu verhalten. Es ist möglich, innerhalb der Hygienemaßnahmen (!) Kunst zu zeigen; es ist aber nur dann möglich, wenn alle - verantwortungsbewusst und solidarisch - mitmachen." Daher ist für alle Performances eine Vorabanmeldung (per Doodle auf der Homepage über den Link zu den einzelnen Veranstaltungen) nötig und es gibt Zuschauerbeschränkungen.

Start der Theatermaschine ist am heutigen Donnerstag, also noch vor einem hessenweiten Lockdown mit weiterreichenden Folgen für den Kulturbetrieb. Heute um 16 Uhr beginnt auf dem Parkplatz hinter der Alten UB die erste Vorführung des Autostücks "No(w)hereland" von Tina Muffler. Für das "Nicht-Theatererlebnis" wird ein Auto benutzt, das während der Fahrt mehrmals gelüftet wird. Und natürlich ist das Tragen einer Maske Pflicht. Eine Anmeldung ist obligatorisch.

Um 17 Uhr eröffnet im KiZ (Kongresshalle) eine Ausstellung unter dem Titel "Topologien des (Un)Erreichbaren" und ab 21 Uhr folgt eine Diskussion (online/per Skype und live im KiZ) zum Thema "Das Recht Rechte zu haben".

Wer angemeldet ist, kann am Freitag, 30. Oktober, unter dem Titel "x-Jungle: walking, talking, filling it up" an einem "Walking Lecture Ritual" mit Patrick Faurot teilnehmen. Start ist an der Alten UB, er endet am Strahlenzentrum .

An allen drei Tagen kann man sich im Atelier Trafo (Bismarckstraße) zwischen 12 und 14 Uhr auf ein Treffen mit Ida Daniel einlassen. Das findet unter dem Titel "Teilchen" in der Stille und barfuß hinter einem hellweißen Vorhang neben einem offenen Fenster statt. Es geht um die Nichtlinearität von Zeit und Erzählung, was man sowohl durch die Bewegung von Karten auf einem Tisch als auch durch die Bewegung der nackten Zehen in Sandkästen unter dem Tisch erfahren kann.

Auch der Prototyp in der Georg-Philipp-Gail-Straße 5 ist Ort der Theatermaschine. Hier findet man beispielsweise im Keller die performative Installation "Lichtlesung" von Melina Brinkmann oder ein kurzes Schauspiel von Leon Frisch und Lukas Renner, die mit "Unternehmen Eiche" im Garten des Prototyp über Geschichte und Jetztzeit anhand einer Passage aus dem Leben eines Großvaters, der im Zweiten Weltkrieg Fallschirmjäger war, performanen: mit einer Puppe, einem Bett und einem Baum.

Auf dem neuen Friedhof finden am Samstag und Sonntag zwischen 11 und 12 Uhr Audiowalks statt, in denen unter dem Titel "We tried to message the dead first, but they were ghosting us" zehn Stimmnachrichten von Lebenden und Toten zu hören sein werden.

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