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Kaum wiederzuerkennen: Der 26-jährige Gießener Abdalla Abdi hat bei "The Biggest Loser" 65 Kilo abgespeckt. 

"The Biggest Loser"

"The Biggest Loser": Wie es Abdi aus Gießen heute geht

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Der Gießener Abdalla Abdi hat 65 Kilo abgenommen und bei "The Biggest Loser" auf Sat.1 damit den dritten Platz belegt. Für den 26-Jährigen bedeutet dies aber viel mehr.

Gießen - Abdalla Abdi möchte zunehmen. Und zwar ziemlich genau acht Kilogramm. Eine "90" solle die Waage demnächst nach Möglichkeit schon anzeigen, meint der 1,87 Meter große, leidenschaftliche Hip-Hop-Tänzer. Das wären fast 15 Kilo mehr als Mitte Februar. Vor allem aber wären es etwa 50 weniger als noch vor einem halben Jahr. "Ich bin ein komplett neuer Mensch geworden", beschreibt der Gießener Student, was in der Zwischenzeit passiert ist. Die Sat.1-Show "The Biggest Loser" ließ bei ihm die Pfunde purzeln - und das Selbstbewusstsein wachsen. Im Finale, das am vergangenen Freitag ausgestrahlt wurde, belegte Abdi, zu Beginn exakt 143,7 Kilo schwer, mit 47 Prozent Gewichtsreduktion den dritten Platz. Das, findet er, sei jedoch "wirklich nur Nebensache".

Gesehen hat der 26-Jährige seinen großen Auftritt natürlich trotzdem. Mit der Familie und Freunden, daheim auf dem Sofa. So reiste er gedanklich aus Usingen noch einmal zurück auf die griechische Insel Naxos. In einem Boot-Camp schufteten 18 ausnahmslos stark übergewichtige Kandidaten dort insgesamt elf Wochen lang unter professioneller Anleitung für ihr gemeinsames Ziel: eine möglichst deutliche Gewichtsreduktion. Täglich bis zu sechs, manchmal sogar acht Stunden Sport sowie eine radikal veränderte Ernährung sollten dabei helfen. Und tatsächlich: Abdi verlor 45 Kilo - und anschließend zu Hause weitere 20.

"Ich brauchte wohl einfach diesen Tritt in den Hintern", beschreibt der gebürtige Somalier, der als Kleinkind nach Hessen kam, seine Motivation. Die dazugehörige Leidensgeschichte beginne mit rassistischen Diskriminierungen in Kindheit und Jugend. Wann immer er wegen seiner Herkunft oder Hautfarbe diskriminiert worden sei, habe er "nach außen den Kasper gespielt", aber zugleich "den Frust hineingefressen". Später seien diverse Abnehmversuche in Eigenregie gescheitert: "Weil ich nicht ehrlich genug zu mir war", meint Abdi.

Dass der angehende Lehrer für Mathe und Ethik inzwischen die Kurve bekommen hat, hängt eng mit seinem größten Hobby zusammen. Denn je mehr Gewicht er mit sich herumtrug, desto schwächer wurde die Kondition und desto häufiger schmerzten die Gelenke. Das Tanzen - irgendwann war es fast ein Ding der Unmöglichkeit. "Ohne Tanzen bin ich nun mal gefühllos", sagt Abdi. Gerade klang noch unüberhörbar die Enttäuschung durch, jetzt wechselt der Tonfall ins Euphorische: "Ich wollte immer auch ein Vorbild für meine Kids sein, sie inspirieren und zeigen, was man mit Disziplin und Fleiß alles erreichen kann."

Die "Kids" sind Abdis Hip-Hop-Schüler. Wie sie auf ihren "neuen" Lehrer reagiert haben? "Ganz schön krass", antwortet der 26-Jährige. "Positiv geschockt" seien hingegen Angehörige und Freunde gewesen, als sie den gewichtstechnisch ja nahezu halbierten Heimkommer gesehen hätten. Der wiederum hatte sich optisch durch ein Umstyling zusätzlich verändert. Die wichtigsten Neuerungen, betont er, seien aber allesamt unsichtbar. In den knapp drei Monaten auf Naxos habe er zum Beispiel "einige echte Freunde gefunden", die eine oder andere Grundeinstellung verändert und "viel fürs Leben gelernt".

Heute treibe er jeden Tag Sport, er koche, lebe gesund und arbeite längst gezielt am Muskelaufbau. Und die Zahlen? Die spielen nach wie vor eine wichtige Rolle in Abdis Leben. Wegen des Mathestudiums. Und vielleicht auch auf der Waage. Zumindest, bis sie die erhoffte "90" anzeigt.

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