Bei PCR-Tests und Antigen-Schnelltest werden Abstriche genommen. 	FOTO: DPA
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Bei PCR-Tests und Antigen-Schnelltest werden Abstriche genommen. FOTO: DPA

Corona-Tests

Corona-Tests in Gießen: So oft testen heimische Kliniken, Schulen, Kitas und Seniorenheime

  • Christoph Hoffmann
    VonChristoph Hoffmann
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Testen! Testen! Testen! Diese Devise hat Landrätin Anita Schneider im Kampf gegen Corona ausgegeben. Wie wird das konkret in Gießener Einrichtungen umgesetzt? Ein Blick in Kliniken, Schulen, Kitas und Seniorenheime.

  • Gießens Landrätin Anita Schneider hält Tests für wichtige Maßnahmen im Kampf gegen das Coronavirus.
  • Denn auch wenn Menschen, die mit Corona infiziert sind keine Symptome haben, können sie ansteckend sein.
  • Wie gehen Gießener Kliniken, Schulen, Kitas und Seniorenheime mit Corona-Tests um?

Es gibt unterschiedliche Studien darüber, wie häufig eine Coronainfektion asymptomatisch verläuft. Die Universität Bern geht davon aus, dass mindestens jeder fünfte Fall keine Beschwerden wie Husten, Fieber oder Geschmacksverlust aufweist. Ansteckend sind diese Menschen trotzdem. Außerdem können Infizierte das Virus weitergeben, bevor Symptome auftreten. Landrätin Anita Schneider hat nicht nur deswegen kürzlich gesagt: »Wer viel testet, der findet auch viel. Unsere Strategie lautet deshalb: Testen! Testen! Testen!« In Gießener Einrichtungen wird das unterschiedlich umgesetzt.

Corona-Tests in Gießen: Klinik-Mitarbeiter zweimal in der Woche getestet

Kliniken: »In unserem Krankenhaus werden, nach den Vorgaben unserer Abteilung für Krankenhaushygiene, alle Mitarbeitenden in Risikobereichen zweimal wöchentlich mittels Antigen-Schnelltests auf SARS-CoV2 getestet«, sagt Paulina Schnick, Pressesprecherin des Evangelischen Krankenhauses. Bei allen anderen Mitarbeitenden würde die Teststrategie entsprechend der Inzidenz und des Infektionsgeschehens anlassbezogen angepasst. »Ihnen stehen jedoch darüber hinaus auch die Möglichkeiten zur regelmäßigen Testung zur Verfügung«, sagt Schnick und fügt an, dass das Personal bei einem begründeten Verdacht mittels PCR-Abstrich und Schnelltests untersucht würde.

Am Uniklinikum werden ebenfalls alle Mitarbeiter mit Patientenkontakt grundsätzlich zweimal in der Woche mit einem Antigen-Schnelltest getestet, betont Pressesprecher Frank Steibli. Falls dieser positiv ausfalle, komme zudem ein PCR-Test zum Einsatz. Auch Patienten werden am UKGM regelmäßig getestet. »Alle Patienten, die stationär aufgenommen werden, erhalten zunächst einen Antigen-Schnelltest und einen PCR-Test«, sagt Steibli und fügt an, dass Patienten, die länger als fünf Tage im Haus verbleiben müssen, im Abstand von fünf Tagen einen weiteren Antigen-Schnelltest erhalten. Neuerdings dürfen auch Besucher nur noch nach einem Corona-Test das Uniklinikum betreten.

Corona-Tests in Gießen: Testpflicht in Seniorenheimen

Seniorenheime: Altenpflegeeinrichtungen stehen derzeit besonders im Fokus. Weil dort zum einen Hochrisikopatienten wohnen und zum anderen überdurchschnittlich viele Infektionen auftreten. Gemäß des Schutzkonzepts für Pflegeeinrichtungen des hessischen Sozialministeriums gilt in Seniorenheimen seit vergangener Woche eine »Testverpflichtung«. Demnach muss sich das gesamte Personal mindesten zweimal in der Woche sowie bei Dienstantritt nach einer Abwesenheit von mehr als drei Tagen testen lassen. »Das ist natürlich ein immenser administrativer Aufwand«, sagt Christian Jung, der in Gießen die beiden Caritas-Häuser Maria Frieden und St. Anna leitet. Neben der hohen Zahl an Mitarbeitern (knapp 200) würden auch die unterschiedlichen Dienstzeiten für Mehraufwand sorgen. »Bisher läuft aber alles reibungslos«, sagt Jung und fügt an, dass in den Caritas-Häusern ausgebildete Pflegefachkräfte die Tests durchführten.

Corona-Tests in Gießen: Kitas kritisieren Bürokratie

Kindergärten: Im Gegensatz zu Seniorenheimen sind die Mitarbeiter von Kitas nicht verpflichtet, sich regelmäßig testen zu lassen. Sie haben aber die Möglichkeit dazu. Laut Sozialministerium können sich Erzieherinnen und sonstige Kräfte, die unmittelbar im Kinderdienst eingesetzt werden, alle zwei Wochen kostenlos bei ausgewählten Ärzten einem Antigen-Schnelltest unterziehen. Auch auf Tagespflegepersonen trifft das zu. Diesbezügliche Bescheinigungen gibts vom Arbeitgeber, bei den städtischen Kitas also vom Rathaus. »Die Mitarbeitenden nehmen die Tests ganz unterschiedlich in Anspruch, das liegt sehr an der individuellen Einstellung«, sagt Stadtsprecherin Claudia Boje. Das belegt auch ein Blick in die Kita Hildegard von Bingen. Dort lässt sich nur eine von insgesamt 20 Personen testen. »Das ist sehr wenig«, räumt Einrichtungsleiterin Barbara Wiesing ein. Sie könne das aber nachvollziehen: Bevor sie sich in eine Reihe mit Infizierten stelle, bleibe sie auch lieber zu Hause, sagt Wiesing.

Eine Erzieherin aus dem Familienzentrum St. Elisabeth betont zudem, dass es problematisch sei, Termine beim Arzt zu bekommen. Auch dort an der Ringallee lässt sich das Personal demnach selten testen. Im Montessori Kinderhaus und Familienzentrum St. Martin macht es sogar gar keiner, wie Leiterin Mechthild von Niebelschütz betont. Auch sie bemängelt die »holprige« Terminvergabe mit den zuständigen Ärzten. »Außerdem ist solch ein Test nur eine Momentaufnahme. Am nächsten Tag kann es schon wieder ganz anders aussehen.« Die Leiterin will aber nicht falsch verstanden werden. An sich halte sie das Testen für sehr sinnvoll. Sie würde sich aber Vor-Ort-Tests in den Kitas wünschen. »Dafür benötigen wir aber geschultes Personal, das wir nicht haben. Die Dokumentation ist zudem unglaublich zeitaufwendig.«

Corona-Tests in Gießen: Personal an Schulen kann sich alle zwei Wochen testen lassen

Schulen: Auch das Personal an Schulen kann sich alle zwei Wochen bei einem Arzt kostenlos testen lassen. An der Brüder-Grimm-Schule beispielsweise wird das auch gut angenommen, wie Schulleiterin Barbara Burggraf betont. »Von unseren rund 100 Mitarbeitern hat sich so ziemlich jeder bereits testen lassen. Ein Drittel der Belegschaft macht das regelmäßig.« Einige Schulen bieten aber auch zusätzliche Angebote an. An der Ostschule beispielsweise kommt zum Beispiel regelmäßig ein Arzt in die Einrichtung, um Lehrerinnen, Hausmeister und Co. vor Ort zu testen. »Das war eine Anregung unseres Personalrats und wird gut angenommen«, sagt Schulleiter Frank Reuber. Demnach würden gut die Hälfte aller Mitarbeiter das Angebot annehmen. Während der Arzt anfangs alle zwei Wochen gekommen sei, lägen die Besuche inzwischen weiter auseinander, sagt der Schulleiter. »Das liegt daran, dass wegen der Aussetzung der Präsenzpflicht viele Lehrer momentan nicht in den Schulen unterrichten.«

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