Mark Fahnert
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Mark Fahnert

Terrorismus aus Insider-Sicht

  • Karola Schepp
    vonKarola Schepp
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Gießen(gl). In der Krimiszene gibt es ein neues Gesicht: Autor Mark Fahnert hat mit seiner Ermittlerin, der ehemaligen Elitesoldatin Wiebke Meinert, nicht nur beim renommierten Piper-Verlag einen Treffer gelandet, sondern auch beim Publikum. Mit Band eins der Trilogie, "Lied des Zorns", war er nun beim Krimifestival im Ulenspiegel zu Gast und zeigte eindrucksvoll, warum man sich schon auf die beiden Folgebände - "Klang des Feuers" erscheint Anfang November, Band drei wohl im Juli 2021 - freuen kann.

In Fahnerts neuer Reihe geht es um Terrorismus und dessen Bekämpfung. Mit den Mechanismen der deutschen Sicherheitsbehörden kennt sich der Autor aus. Schließlich er ist seit 30 Jahren Polizist. Erst arbeitete er als verdeckter Ermittler, dann bei der Autobahnpolizei und seit einigen Jahren ist er als Staatsschützer im Einsatz. Ihm sei es darum gegangen, deutlich zu machen, wie es zu einem Terroranschlag kommen kann. Er habe dabei keinen klassischen Bösewicht als Terroristen zeigen wollen, sondern einen Menschen, der von Hintermännern manipuliert das Falsche tue, betonte der Autor. "Islam und Islamismus sind zwei völlig unterschiedliche Dinge, das eine ist der Glaube, das andere eine Perversion."

Und so startete Fahnert auch seine Lesung im Ulenspiegel mit jenem Kapitel aus "Lied des Zorns", das Einblick in die Seelenpein des Attentäters Khaled gibt, kurz bevor dieser im Kölner Bahnhof eine Bombe zünden soll.

Marketing in eigener Sache zu machen ist für Staatsschützer wohl weniger angesagt. Doch dem krimischreibenden Staatsschützer Fahnert gelingt genau das. Mit fünf Kapiteln präsentierte der 47-Jährige aus dem Sauerland einige Hauptakteure, ohne allzu viel über den weiteren Gang der Geschichte zu verraten. Die Zuhörer lernen nicht nur den Terroristen Khaled oder den israelischen Mossad-Agenten David kennen, sondern auch Saskia, die offiziell beim Entwicklungsministerium arbeitet, aber in Wirklichkeit eine Geheimagentin ist. Warum Saskia getötet wird, das will ihre Zwillingsschwester Wiebke herausfinden, mit der Fahnert eine wirklich starke und ungewöhnliche weibliche Krimifigur gelungen ist. Die ehemalige Elitesoldatin erweist sich nämlich als schroffe Zynikerin, die selbst der um Hilfe bittenden Nachbarin, deren Sohn vom Rap-Gangster Yannic gemobbt wird, zunächst die Hilfe verweigert. Doch als sie es schließlich tut, zieht sie die Sache mit aller Härte durch.

Dass Wiebke - um den Mord an ihrer Schwester zu klären und einen Terroranschlag zu verhindern - wieder zurück in ihr altes Leben muss, erfahren die Zuhörer mehr oder weniger nur durch den Klappentext. Doch weil der Autor mit den gelben Pikachu-Socken und dem "Star Wars"-T-Shirt nicht nur fünf starke Kapitel vorgetragen hat, sondern auch beim Plaudern mit dem Publikum, etwa über seine ersten Schreibversuche als Elfjähriger, enorm sympathisch herübergekommen ist, dürfte das nicht das Problem sein. Im Gegenteil: Der Büchertisch ist wenige Minuten nach Schluss der Veranstaltung bereits ausverkauft. Man will eben weiterlesen - mehr kann sich ein Autor von einer Lesung wohl kaum erhoffen. FOTO: PM

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