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Kavachi (mit Hut) und seine Besucher nähen auf dem Kirchenplatz am Teppich. (gl)

Von Teppichen, Fähnchen und Pflastersteinen

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Gießen (gl). Die Giennale geht an diesem Wochenende in die Schlussphase - und schon jetzt steht fest, dass dem Kunstfestival auch eine kleine "Postgiennale" folgen wird. Das ausgefallene Konzert von "Auf vier Krücken durch Rom" mit Kulturamtsleiter Stefan Neubacher am Mikro wird zu einem noch vagen späteren Zeitpunkt stattfinden. Und auch die Kokon-Performance von Susanne Dilger, bei der Menschen in gestrickte Überzieher schlüpfen, was aufgrund der hohen Temperaturen sicherheitshalber ausfallen musste, wird irgendwann in den nächsten Tagen irgendwo in der Innenstadt stattfinden. Also Augen auf beim Gang durch die Stadt.

In der Hitze des gestrigen Freitags schlugen sich auf dem Kirchenplatz auch der Performer Kavachi und gleich nebenan Ina Weise und Marcus Große mit ihrer Aktion "Verbundsteine" wacker. Die freie Künstlerin und der studierte Kommunikationsdesigner aus Dresden produzieren aus Beton gegossenes Verbundsteinpflaster im bekannten Knochensteinformat und kommentieren damit den inflationären Einsatz dieser Steine in unseren Dörfern und Städten. Am heutigen Samstag (29. Juni) sind sie damit noch einmal beim Straßenfest in der Johannette-Lein-Gasse dabei.

Auf dem Kirchenplatz wird dann auch der Teppich zwischen Bäumen hängen, den der 1989 in der Türkei geborene Kavachi mithilfe von Passanten gestaltet hat. "Ich male eine Landschaft in meinem Traum" ist darauf in aufgehefteten Stoffbuchstaben zu lesen. Der Künstler macht mit dieser Performance darauf aufmerksam, dass Künstler kaum vom Verkauf ihrer Werke leben können und sich ihr Geld oft in anderen Berufen, oder mit Kunsthandwerk, verdienen müssen. Beim gemeinsamen Nähen lässt sich darüber gut sprechen.

Sprechen kann man auch am heutigen Samstag ab 12 Uhr mit Martha Oelschlägfer, deren Installation "Symbolische Verbundenheit" mit unzähligen Deutschlandfähnchen vor dem Zeughaus offenbar für Irritationen gesorgt hat. Die Installation wuirde in der nacht zum vergangenen Mittwoch zerstört, ist nun wieder aufgebaut. Da besteht offenbar Redebedarf.

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