Das Tretauto ist vielleicht größer, das Batmobil hingegen schneller. FOTO: CHH
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Das Tretauto ist vielleicht größer, das Batmobil hingegen schneller. FOTO: CHH

Teils originalverpackte Spielzeugschätze

  • Christoph Hoffmann
    vonChristoph Hoffmann
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Gießen(chh). Originalverpackt? Für Sammler von altem Spielzeug ist dieses Zauberwort von elementarer Bedeutung. Wer diesem Hobby nachgeht, will kein abgegriffenes Zeug, sondern steril hinter Plastik gefangene Exponate. Klar, dass diese Sammlerstücke selten sind und daher mit horrenden Summen gehandelt werden. Schließlich liegt es in der Natur der Sache, dass mit Spielzeug gespielt wird. So gesehen ist das Heimatmuseum Heuchelheim ein wahrer Himmel für Spielzeug-Nerds. Denn hier lagert ein kleiner Teil der Spielmittelsammlung der Justus-Liebig-Universität. Zumindest noch. Denn Ende des Monats werden die Puppen, Bagger, Matchboxautos und Co. wieder eingemottet.

Warum eine Universität eine Spielzeugsammlung hat, und dazu noch die älteste und größte im Bundesgebiet? "Das haben wir Prof. Hans Mieskes zu verdanken", sagt Alissa Theiß, die Sammlungskoordinatorin der JLU. Der Erziehungswissenschaftler und Fachmann für Spielpädagogik habe die Sammlung in den 60er und 70er Jahren angelegt. Nicht aus Leidenschaft, sondern zu Forschungszwecken. "Die Wissenschaftler wollten wissen, wie pädagogisch wertvoll die Spielmittel sind", sagt Theiß. Die Pädagogen hätten Kindern Puppen, Stoffbären und Spielzeugautos gegeben und dann hinter einer Scheibe beobachtet, wie lange sie sich damit beschäftigen und wie viel Interaktion die einzelnen Spielzeuge ermöglicht hätten.

Nach Mieskes Emeritierung 1981 wurde die Stelle mit einem anderen Schwerpunkt besetzt. Die Spielzeuge landeten in einem Hinterhaus der Stephanstraße. Als das Gebäude dann verkauft werden sollte, drohte der Sammlung die Auflösung. Doch dann meldete sich Hans-Jürgen Weiser zu Wort. "Ich habe mich dafür eingesetzt, dass die Sammlung erhalten bleibt." Der Senior, selbst über 40 Jahre lang an der JLU tätig, sorgte dafür, dass die Spielzeuge ordentlich verpackt und eingelagert wurden. 2008 erklärte sich dann das Heuchelheimer Heimatmuseum bereit, rund 240 der insgesamt zwischen 2000 und 3000 Spielzeuge auszustellen. Doch Ende März ist Schluss: Die Einrichtung braucht Platz für eine Wechselausstellung. "Und wenn man ehrlich ist", sagt Weiser, "hat die Sammlung im originären Sinne auch nichts mit einem Heimatmuseum zu tun." Die Spielzeuge werden also wieder verpackt - ob sie noch einmal gezeigt werden, steht in den Sternen.

2000 bis 3000 Stück

Es wäre schade um die Schätze. Denn beim Anblick der Vitrinen dürften für Menschen verschiedener Generationen Kindheitserinnerungen wach werden. Zum Beispiel bei den Puppen, die in ihren Kleidern auch bei Woodstock oder im Studio 54 eine gute Figur abgegeben hätten. Dass Steiff der Inbegriff von Kuscheltieren ist, dürfte allseits bekannt sein. Die Sammlung der JLU zeigt aber auch, dass die Traditionsfirma aus Baden-Württemberg neben Teddys auch Holzbagger und Plastikmilchwagen hergestellt hat. Die originalverpackten Matchbox-Autos belegen eindrücklich, woher die Miniaturfahrzeuge ihren Namen haben. Tatsächlich sind die Verpackungen aus den 60ern nichts anderes als Streichholzschachteln. Das Konkurrenzprodukt aus dem Hause Corgi Toys dürfte bei vielen großen und kleinen Jungs ebenfalls Begeisterungsstürme auslösen. Allen voran die James-Bond-Variante zum Sean-Connery-Klassiker "Man lebt nur zweimal". Die ausgestellten Quartetts mit Themen wie "Bonanza", "Fury", oder "Räuber Hotzenplotz" dürften in vielen Kinderzimmern gespielt worden sein. Zur JLU-Sammlung gehört aber auch eine seltene Variante zu Ehren Bernhard Grzimeks. Schließlich stand der weltbekannte Zoologe und langjährige Direktor des Frankfurter Zoos für kurze Zeit auch an der Gießener Uni unter Vertrag. "Allerdings nur auf dem Papier", wie Theiß betont.

Der Großteil der Sammlung stammt übrigens aus Schenkungen von Spielzeugfirmen. Daher sind viele der Sachen auch noch originalverpackt. Für Sammler das wichtigste Kriterium. Andere sehen gerade darin den Reiz, dass schon Oma und Opa mit den Teddies und Holzautos gespielt haben.

Die Sammlung ist noch bis Ende des Monats in Heuchelheim zu sehen. Mittwochs von 15 bis 17 und sonntags von 10 bis 12 Uhr.

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