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Bei der Ausschachtung für die Tiefgarage sind am Nachbarhaus Schäden entstanden. Eine Firma musste daher ausziehen.

Firma muss ausziehen

Teilbaustopp in der Schanzenstraße in Gießen

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In der Schanzenstraße in Gießen entsteht derzeit ein neuer Wohnkomplex mit Tiefgarage. Bei Ausschachtungsarbeiten ist es aber nun zu gravierenden Problemen gekommen - mit Folgen.

Johannes Mühlig-Hofmann saß gerade an seiner Arbeit, als er ein ungewohntes Geräusch hörte. Als ob etwas hinabrieseln würde. Und dann, plötzlich, war da dieser Riss in der Wand. Dann noch einer. Also trommelte der Diplom-Designer seine beiden Arbeitskollegen zusammen und verließ sofort das Haus. Heute, ein paar Wochen später, darf Mühlig-Hofmann sein Büro nicht mehr betreten.

Das Areal rund um die Schanzenstraße ist im Wandel. Auf der Fläche des einstigen Haarlem soll ein Hotel entstehen, eine Bebauung des Samen-Hahn-Grundstücks steht ebenfalls in Aussicht, die Ringel-Villa wird saniert und die Wohnbau hat zuletzt das Gebäude des Suchthilfezentrums aufgehübscht. Prosperierende Zeiten zwischen Bahnhofstraße und Westanlage. Dazu gehört auch ein Projekt der Familie Cil. In der unteren Schanzenstraße entstehen derzeit zwei Wohnhäuser mit zusammen 35 Wohnungen und eine Tiefgarage mit 120 Stellplätzen. Im Zuge der dafür notwendigen Ausschachtung ist es zu Problemen gekommen. "Bei der Unterfangung haben sich im Nachbarhaus Setzrisse gebildet", sagt Bauherr Jesu Cil. Die Leidtragenden sind Mühlig-Hofmann und sein Geschäftspartner Falko Schnelle.

Die beiden Diplom-Designer betreiben in dem Nachbargebäude ihr Produktentwicklerbüro. Spielzeug, Lampen, technische Geräte und vieles mehr begleiten sie von der ersten Idee bis zur Markteinführung. Dafür haben sie in dem Gebäude auch eine Modellbau-Werkstatt eingerichtet.

Die dort aufgebauten Maschinen und Geräte können sie derzeit nicht nutzen. "Das Gebäude darf nicht betreten werden", sagt Mühlig-Hofmann und verweist auf eine Entscheidung des einberufenen Prüfstatikers. Derzeit könnten sie ihre Arbeit nur sehr begrenzt ausüben, und das auch nur, weil ihre Vermieterin ihnen schnell ein Ausweichquartier verschafft habe.

Christiane Schaumann-Richarz ist eine der Eigentümerinnen des Hauses und somit die Vermieterin der beiden Designer. Sie sagt: "Ich mache mir Sorgen um den hinteren Teil des Gebäudes. Ich hoffe, dass alles wieder hergestellt wird und das Gebäude erhalten bleibt."

Laut Bauherr Cil laufen die Vorbereitungen dafür bereits. Demnach habe der Prüfstatiker sein mündliches Einverständnis für die von Cil vorgeschlagenen Abstützarbeiten erteilt. "Das Material ist bereits bestellt", sagt Cil und erklärt, dass sich die Bodenplatte des Nachbarhauses durch die Arbeiten für die Tiefgarage um einige Zentimeter abgesenkt habe. Dies müsse behoben werden, zum Beispiel durch die Injektion eines speziellen Harzes oder aber das Gießen einer neuen Bodenplatte. Letzteres würde auch die Stabilität des Hauses erhöhen, sagt Cil und betont, dass damals beim Bau wohl lediglich Bruchsteine als Fundament gedient hätten. Unabhängig von der schlussendlich gewählten Variante betont Cil: "Die Reparaturkosten werden von uns übernommen."

Aktuell darf vor dem betroffenen Haus nicht gearbeitet werden. Wie die Stadt bestätigt, wurde jetzt ein mündlicher "Teilbaustopp" verhängt. Auf einem sechs Meter langem Streifen entlang des Wohnhauses dürfe nicht mehr gearbeitet werden. Laut Stadt sei dies aus Sicherheit der Bauarbeiter erfolgt, da der Prüfstatiker nicht mit absoluter Gewissheit sagen könne, dass das Gebäude standsicher sei.

Durch den Vorfall sind nicht nur Schäden am Haus entstanden. Das sagt Mühlig-Hofmann. "Durch die Aktion wurde unsere Arbeit massiv unterbrochen. Wir haben Einbußen", betont der Designer. Derzeit könnten lediglich bürokratische Aufgaben erledigt werden, die Entwicklungsarbeiten an Modellen und Prototypen beispielsweise stünden hingegen still. "Wir sind mit ein paar Projekten in Verzug", sagt Mühlig-Hofmann und fügt an, dass es zwar Gespräche bezüglich einer finanziellen Entschädigungslösung gegeben habe, hier aber bisher keine Zusagen gemacht worden seien. "Der Schaden ist für uns jetzt schon spürbar."

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