Auch in Axel Bäulkes Tanzschule finden derzeit keine Tanzkurse statt. Der Saal bleibt leer. Er hofft, dass dort aber schon bald wieder Unterricht mit Paaren zumindest in Kleinstgruppen erlaubt sein wird. FOTO: SCHEPP
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Auch in Axel Bäulkes Tanzschule finden derzeit keine Tanzkurse statt. Der Saal bleibt leer. Er hofft, dass dort aber schon bald wieder Unterricht mit Paaren zumindest in Kleinstgruppen erlaubt sein wird. FOTO: SCHEPP

Tanzlehrer geben Hoffnung nicht auf

  • vonOliver Schepp
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Der Allgemeine Deutsche Tanzlehrerverband fordert, die Tanzschulen unbedingt auf die Liste der nächsten Öffnungsgenehmigungen in Corona-Zeit zu nehmen. Auch Gießener Tanzlehrer hoffen auf eine Perspektive nach dem 3. Mai.

Wenn Claudia und Axel Bäulke in diesen Tagen in ihrer Tanzschule sind, blicken sie in einen leeren Saal. Wo sich sonst Paare im Takt von Walzer, Cha-Cha-Cha oder Foxtrott bewegen und Jugendliche rauschende Disco-Partys feiern, ist es nun seltsam still. Seitdem Ende März Tanzschulen Corona bedingt geschlossen werden mussten, ist es vorbei mit sportlicher Betätigung und Geselligkeit auf dem Parkett. "Ich bekomme jede Menge Anrufe aus dem Tanzkreis, ob nicht zumindest Privatstunden mit wenigen Paaren möglich seien", berichtet Axel Bäulke. Mit Mundschutz und bei Einhaltung des Mindestabstands zwischen Tanzpaaren und dem Tanzlehrer müsse das doch möglich sein. "Ich habe hier im Saal 210 Quadratmeter. Da passen doch fünf bis sechs Tanzpaare hinein", meint er. Die Tanzpartner müssten dabei allerdings in häuslicher Gemeinschaft leben. "Was ich derzeit aber nicht als machbar ansehe, sind große Kurse für Jugendliche oder Erwachsene", schätzt Bäulke die Lage ein. Und gerade dies ist sein Hauptgeschäft.

Auch in der Tanzschule Astaire’s, die seit 18 Jahren überwiegend Kurse für Erwachsene und spezielle Tanzgruppen anbietet, haben sich Geschäftsführer Martin Pongs und sein Team schon Gedanken gemacht, unter welchen Bedingungen eine Öffnung unter Corona-Bedingungen möglich wäre. "Aber erst wenn ich irgendetwas Konkretes weiß, kann ich auch konkret planen", betont Pongs, dessen sechs festangestellte Tanzlehrer und zwei im Barbereich tätige Mitarbeiter aktuell in Kurzarbeit sind. Ein- und Ausgang könnten über die zwei Treppenhäuser separat geregelt und Getränke nur gegen Kartenzahlung im Saal serviert werden. Auch Tanzkurse wären machbar: für eine Handvoll Paare, die ohnehin in häuslicher Gemeinschaft leben, oder die Damen der Stepptanzgruppe. Größere Gruppen könnte man splitten und Zusatztermine anbieten.

Abstand einhaltbar

So sieht es auch der Deutsche Tanzlehrerverband und fordert, dass der Branche für die Zeit nach dem 3. Mai eine Perspektive geboten wird. ADTV-Präsident Jürgen Ball weist darauf hin, dass im Hinblick auf die Kundenkontakte alle Tanzlehrenden für Hygienemaßnahmen geschult seien, sich bereits auf eine stufenweise - z. B. altersbezogene - Wiederaufnahme, unter allen erforderlichen Maßnahmen, eingerichtet hätten, in den Tanzschulen die Abstandsregeln eingehalten und durch geeignete Unterrichtsformen unmittelbarer Körperkontakt vermieden werden könnten. Zudem könne man jederzeit nachweisen, wer zu welcher Zeit Kontakt gehabt habe, um Infektionsketten gegebenenfalls nachvollziehbar zu machen. Tanzen sei zudem gesundheitsfördernd und diene der Geselligkeit.

Auch er halte eine baldige Öffnung der Tanzschulen durchaus für realistisch, betont Axel Bäulke, "allerdings nicht in dem Rahmen wie es vorher war". Die Politik könne das aber bei den generellen Vorgaben zur Einschränkung der Kontakte nicht so differenzieren. "Es fehlen klare Regelungen. Wir wären froh, wenn wir wenigstens etwas wieder machen könnten. Aber wir sind noch im Ungewissen. Und Tanzen steht bei der Politik nicht im Vordergrund."

Online-Angebote, wie sie einige Tanzschulen anbieten, sind weder für Axel Bäulke noch Martin Pongs eine echte Option. "Bei Zumba oder Hiphop geht das, aber beim Paartanz haben wir uns dagegen entschieden", berichtet der Astaire’s-Geschäftsführer und gibt zu bedenken, dass selbst der Dreh von Vorführvideos, bei denen sich Tänzer berühren, die nicht in häuslicher Gemeinschaft leben, derzeit nicht erlaubt ist.

Pongs freut sich allerdings, dass zahlreiche Kunden bislang weiter ihre Kursgebühren zahlen. Als Dankeschön wolle man dies mit einer verkürzten Sommerpause, zusätzlichen Terminen, Einzelstunden oder neuen Trainern honorieren - sobald solche Angebote wieder möglich sind.

Noch ist Tanzlehrer Axel Bäulke, dessen Tanzschule vor der Corona-Pandemie regelmäßig zu 95 Prozent ausgelastet war, optimistisch, auch wenn aktuell keinerlei Einnahmen erwirtschaftet werden können. Während der Schließung müsse er seine Altersvorsorge angreifen, "aber irgendwie kriegen wir das schon alles hin", sagt er. Schließlich bestehe seine Tanzschule bereits seit 1787 und in den 233 Jahren des Bestehens habe man immerhin zwei Weltkriege überstanden.

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