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Auf der Fassade des Stadttheaters erscheinen die Tanzenden haushoch.

Kultur

Außergewöhnliches Festival startet in Gießen – Erste Performance erregt Aufsehen

  • Karola Schepp
    VonKarola Schepp
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Gießen hat eine kulturelle Mitte: das Areal rund um den Berliner Platz. Dort, zwischen Stadttheater, Rathaus und Kinopolis wurde die TanzArt eröffnet. Pandemiebedingt zwar nur mit begrenzter Zuschauerzahl und überwiegend digitalen Beiträgen - aber immerhin deutlich sichtbar für alle.

Gießen – Am Berliner Platz sieht man in der Regel Menschen auf den Bus warten oder geschäftig die Straßen queren. Während es sich allabendlich die einen im Freiluftcafé gut gehen lassen, dreht auch so mancher Autoposer dort seine Runden. Größere Menschengruppen, die das in diesem Areal in Nicht-Pandemiezeiten üppige kulturelle Angebot nutzen, hat man dort viel zu lange nicht beobachten können.

Ganz anders am gestrigen Abend, als dort mit einer Performance in der Tiefgarage des Rathauses und zu später Stunde mit Videomapping auf der Fassade des Stadttheaters sowie Live-Auftritten der Tanzcompagnie Gießen auf den Theaterstufen das Festival »TanzArt« eröffnet wurde.

TanzArt in Gießen: Dreidimensionale Ansichten

Das hatte eigentlich schon zu Pfingsten stattfinden sollen, doch Corona hatte es verhindert. Ballettdirektor Tarek Assam als Künstlerischer Leiter und sein Team hatten dennoch mit Feuereifer nach einer Möglichkeit gesucht, das Tanzspektakel doch noch möglich zu machen. Nun wird es nachgeholt und bildet zugleich den Auftakt der neuen Reihe »Gießener Auftritte«.

Tänzerinnen und Tänzer der Tanzcompagnie Gießen sowie internationale Tanzcompagnien haben digitale Tanzbeiträge produziert, die sowohl auf der LED-Wand vor dem Rathaus als auch auf der Fassade des Theaters zu sehen sein werden: am Freitag von 18 bis 19 sowie 21 bis 22 Uhr, am Samstag und Sonntag jeweils von 21 bis 22 Uhr. Dazu gibt es an allen Festivaltagen Live-Performances in der Tiefgarage. Eröffnet wurde die TanzArt dort durch Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz.

Studio6 aus Berlin, Fachleute für Angewandte Videokunst, haben für die Fassade des Stadttheaters ein Videomapping kreiert, das mit integrierten Tanzvideos das Haus zum Leben erweckt. Das Theatergebäude bietet so bis Sonntag allabendlich von 22 bis 23 Uhr ein besonderes Tanz-Film-Architektur-Erlebnis für Auge und Ohr.

Den besten Blick hat man von der Kongresshalle aus. Der »Zuschauerraum« wurde mit der Sperrung einer Fahrspur direkt vor dem Theater zudem erweitert. Am Donnerstagabend konnten somit die offiziell registrierten Besucher, aber auch Passanten bei leider regnerischem Wetter zunächst Tänzer live erleben: Die zeigten auf den Theaterstufen die Performance »Digital Life«. Mitglieder der Tanzcompagnie Gießen hatten während der Pandemie choreografische Miniaturen erarbeitet, die zu einem Stück verbunden wurden. Im Anschluss begannen die Fassadenprojektionen mit filmischen Solo-Arbeiten der Tänzer - wahlweise inspiriert von einem Möbelstück oder Werkzeug, einer Farbe oder einem Text. Riesige Gesichter und Tänzer in Bewegung waren haushoch auf der Fasasade zu bestaunen. Beeindruckend!

Festival in GIeßen: Noch drei Tage voller Tanz

Das Programm wird am heutigen Freitag fortgesetzt. In der Rathaustiefgarage drückt ab 19 Uhr Eng Kai Er aus Singapur, die in Gießen Angewandte Theaterwissenschaften studiert, in »Compressibel Sentiments« mit einem Dinosaurier-Kostüm Gefühle aus. Auf der LED-Wand ist von 18 bis 19 Uhr ein Projekt mit Studierenden des Studiengangs BAtanz der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt zu erleben. Ab 21 Uhr geht es weiter unter den Schlagwörtern »European Connections« und ab 22 Uhr unter »Six on Screen« mit Beiträgen von Tanzcompagnien und Gruppen aus Nordmazedonien, Slowenien, Amsterdam, Wien, Belgien, Polen sowie Gießen, Ulm, Braunschweig oder Pforzheim.

Der Samstag startet um 19 Uhr in der Tiefgarage mit »Reanimationstraining«, einer Performance von Johanna Herschel und Felix Falczyk, bevor ab 21 Uhr auf der LED-Wand Beiträge von Tänzern der Shenzhen Arts Company aus China, ein Tanzfilm als Hommage auf den Theaterbau in St. Gallen sowie ein Beitrag des Theater Koblenz zu sehen sein werden. Die Stadttheaterfassade wird ab 22 Uhr wieder zur Plattform.

Am Sonntag, 29. August, ist in der Tiefgarage eine choreografische Arbeit der Performerin Elena Rose Light zu sehen. Auf der LED-Wand gibt es ab 21 Uhr eine Foto-, Text- und Materialsammlung von Fotograf Rolf K. Wegst über die Tanzcompagnie Gießen im Lockdown zu bewundern, bevor ab 22 Uhr auf der Theaterfassade zwölf Solo-Arbeiten der Tanzcompagnie gezeigt werden.

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