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In Stadt und Kreis Gießen übernimmt nun das AWO-Bildungswerk die Qualifizierung in der Tagespflege. SYMBOLFOTO: DPA

Tagespflege: Neues Bildungsangebot

  • vonDaniel Beise
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Gießen (bei). Der Andrang ist groß auf das neue Bildungsangebot für Tagesmütter und -väter in Stadt und Landkreis Gießen. »Wir hatten kürzlich auf einen Schlag 560 Anmeldungen«, sagt Mechthild Hermann, Geschäftsführerin des Bildungswerks der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Hessen. Manche Kurse wie zum Beispiel »Mit Kindern Natur erkunden« seien besonders nachgefragt.

Seit diesem Jahr bietet das Bildungswerk des Verbands die Weiterqualifizierung in der Kindertagespflege für die Stadt Gießen sowie den Landkreis an. Diese Bündelung ist neu. Bis 2018 war die Weiterbildung noch aufgeteilt zwischen kirchlichen Trägern: das katholische Bildungswerk für den Kreis und das evangelische Bildungswerk für die Stadt. Wegen einer Umstrukturierung stiegen die Kirchen zwar aus. Die jährlichen Aufbauqualifikationen konnten seitdem dennoch weiter organisiert werden.

Mit dem am Mittwoch unterzeichneten Vertrag zwischen Stadt, Kreis und AWO-Bildungswerk ist deren Zusammenarbeit nun auch in Schriftform gegossen. »Wir freuen uns sehr und danken dem AWO-Bildungswerk für das hohe Qualitätsniveau«, sagte Stadträtin und Jugenddezernentin Gerada Weigel-Greilich beim Vertragsabschluss. Sie betont: »Die Tagespflege ist sehr wichtig in der qualifizierten Kinderbetreuung, sie bietet mehr Flexibiliät wie auch ein familiäreres Verhältnis von Tagespflegepersonen zu den Kindern für jene Eltern, die das möchten.« Auch Kreisbeigeordneter Hans-Peter Stock, unter anderem zuständig für Jugend und Soziales, unterstreicht das individuelle Angebot, »das eine Kita nicht immer so leisten kann. Das ist eine sehr gute Ergänzung«.

Selbes Angebot für Kreis und Stadt

Knapp 70 Tagesmütter und -väter gibt es im Stadtgebiet, rund 120 im Landkreis Gießen. Vor dem Hintergrund der 560 Anmeldungen haben sich viele von ihnen für mehr Unterrichtseinheiten angemeldet, als sie eigentlich brauchen. Mindestens 20 müssen sie pro Jahr absolvieren, um weiter von der Gehaltsförderung des Landes Hessen zu profitieren. Dabei geht es längst nicht mehr nur um sozialpädagogische Weiterbildung. »Das Bildungswerk bietet zum Beispiel auch Qualifizierung in Sachen Wirtschaft, Recht und Politik. Das ist ebenso wichtig, weil Tagespflegepersonen ja selbstständig sind«, erklärt Hermann.

Zudem brauchen sie eine Pflegeerlaubnis. Diese gilt immer fünf Jahre, danach muss man den Antrag auf die Erlaubnis beim jeweiligen Jugendamt erneuern. Insgesamt sind die angebotenen Unterrichtseinheiten in der Tagespflege in Gießen von 35 in den 90er Jahren auf nun 300 pro Jahr gestiegen.

Und mit der neuen Kooperation fußen diese nun auch auf den Vorgaben des Qualifizierungshandbuchs des Bundesverbands Kindertagespflege (QHB).

In der Region werde durch die Zusammenarbeit der Jugendämter aus Stadt und Kreis mit den jeweiligen Kindertagespflegebüros das Netzwerk der Tagespflege gestärkt, heißt es vom Landkreis.

»Egal ob Kreis oder Stadt - alle können nun dassselbe Weiterbildungsangebot wahrnehmen«, betont Tanja Prollius aus der Kinder- und Jugendhilfe des Kreises.

So diene diese Struktur nicht nur der besseren Auslastung der Kurse, sondern trage auch zu einer besseren Zusammenarbeit der Akteure im Bereich der frühkindlichen Erziehung und Bildung bei.

Ein Gesamtfinanzierungsplan stellt sicher, dass stets nach Jahresablauf die Kosten anteilig zwischen Stadt und Kreis aufgeteilt werden. Den Kursplan findet man im Internet unter awo-fortbildung.de/ aufbauqualifizierung.

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