Landgericht

Täter muss nach Vergewaltigung hinter Gitter

  • schließen

Das Opfer hatte Todesangst, war nach der Tat apathisch und traumatisiert. Wegen Vergewaltigung hat das Gießener Landgericht am Dienstag einen 30-Jährigen verurteilt.

Das Opfer hatte Einblutungen am Hals, eine Kehlkopfschwellung und Risse im Mund. "Die Kammer hat nicht ansatzweise einen Zweifel daran, dass der Geschlechtsverkehr gegen den Willen der Frau stattgefunden hat,", sagte Richter Klaus Bergmann als Vorsitzender der 9. Strafkammer am Landgericht. Die Kammer verurteilte einen 30-Jährigen Syrer wegen besonders schwerer Vergewaltigung zu einer Haftstrafe von sieben Jahren. Das Gericht zeigte sich überzeugt davon, dass der Mann, der bei seinen Vernehmungen in der Vergangenheit unterschiedliche Angaben zu Nationalität, Geburtsort und -datum gemacht hatte, in der Nacht zum 6. März eine 26-jährige Frau in der Erstaufnahmestelle in der Rödgener Straße vergewaltigt hat. Das Gericht folgte mit dem Urteil dem von der Staatsanwaltschaft beantragten Strafmaß, Rechtsanwältin Regina Risken hatte als Vertreterin der Nebenklage acht Jahre Haft, Verteidiger Jan Schepers Freispruch gefordert. Der Angeklagte hatte von einvernehmlichem Geschlechtsverkehr mit der Frau gesprochen.

In seiner Urteilsbegründung ging Bergmann noch einmal auf das Tatgeschehen in jener Märznacht ein. Nach der Aussage des Opfers ist der Mann in der Nacht – zunächst maskiert – in ihr Zimmer gekommen und habe sie vergewaltigt. Zwischendurch habe sie das Bewusstsein verloren, weil er sie immer wieder gewürgt habe. Wenn sie geweint habe, habe es immer wieder Ohrfeigen gegeben. "Ich bring dich um, wenn du die Wahrheit sagst", habe er ihr angedroht.

Apathisch und traumatisiert

"Ausmaß und Art der Verletzungen decken sich mit den Aussagen des Opfers", sagte der Richter über die Schilderungen der 26-Jährigen, die im Prozess als Nebenklägerin auftrat. Der rechtsmedizinische Gutachter Prof. Manfred Riße habe die beschriebenen Verletzungen bestätigt. Zwar habe durch die Angriffe des 30-Jährigen keine konkrete, dafür aber eine abstrakte Todesgefahr bestanden. "Die Frau hatte Todesangst." Der Gutachter habe zudem bestätigt, dass die Frau apathisch und traumatisiert war. Der Angeklagte habe zudem bei einer ersten Gegenüberstellung mit der 26-Jährigen seine Drohungen wiederholt, sie zu finden und zu töten, sollte sie bei ihren Aussagen bleiben.

Bei den Vernehmungen des Opfers habe es keine Anhaltspunkte dafür gegeben, dass die Frau die Unwahrheit sagt. Im Gegenteil: Ihre Schilderungen seien von weiteren Zeugen wie Security-Mitarbeiterin, einer Sozialarbeiterin sowie der Polizei bestätigt worden. Das Gericht sei mit seinem Urteil im unteren Bereich des Strafmaßes von 5 bis 15 Jahren geblieben, das für besonders schwere Vergewaltigung vorgesehen ist. Zugunsten des Angeklagten habe nur die Tatsache gesprochen, dass er bisher nicht vorbestraft ist.

Verteidiger Schepers begründete seine Forderung nach einem Freispruch damit, dass sein Mandant immer wieder felsenfest behauptet habe, dass er unschuldig ist. Ob er Revision gegen das Urteil einlegt, werde er in den kommenden Tagen mit seinem Mandanten besprechen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare