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Surfen für den Lehrplan: Wellenreiten auf der Lahn in Gießen

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Von: Christoph Hoffmann

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Simon Lukas (l.) und Janne Paul Schmidt an der Stelle, an der die Lahnwelle installiert werden könnte. © Oliver Schepp

Ein Team möchte auf der Lahn in Gießen die Möglichkeit erschaffen, dort zu surfen. Außerdem wollen sie es als Teil des Schulsports integrieren.

Gießen – Die Idee einer Surfwelle an der Lahn ist auf breite Zustimmung gestoßen. Tatsächlich könnten 2024 die ersten Surfer am SWG-Wehr ins Wasser steigen. Wenn es nach den Initiatoren geht, wird die Lahnwelle auch für Lehrer und Schüler interessant. Bei der Realisierung der Welle werden auch die Stadtwerke eine entscheidende Rolle spielen.

Das Wasser der Lahn plätschert stoisch vor sich hin. Es folgt stets dem Weg des geringsten Widerstands und fließt dort entlang, wo es am einfachsten ist. Simon Lukas und Janne Paul Schmidt stehen am Stadtwerke-Wehr und blicken auf das Wasser. Mit ihrer Idee, auf der Lahn eine künstliche Welle für Surfer entstehen zu lassen, haben die Mitglieder des Lahnwelle-Teams keinen leichten Weg eingeschlagen.

Wellenreiten auf der Lahn: Projekt des Teams der Lahnwelle in Gießen

Der Arbeitsaufwand ist immens, zumal er neben der eigentlichen Arbeit geleistet werden muss. Großen Widerstand mussten sie bisher jedoch nicht aushalten. Im Gegenteil: Vonseiten der Politik und (Umwelt-)Verbänden gab es viel Zuspruch, oder aber zumindest keine nennenswerte Kritik. Auch mit ihrer neuesten Idee scheinen Lukas, Schmidt und ihre Mitstreiter auf offene Ohren zu stoßen. „Wir würden die Welle gerne in den Schulsport integrieren und zur Lehrerweiterbildung nutzen“, sagt Lukas, der selber als Lehrer tätig ist.

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Dass in ein paar Jahren auf der Lahn in Gießen gesurft wird, ist keine abwegige Fantasie. Eine Machbarkeitsstudie sieht Chancen für eine stehende Welle am Wehr bei den Stadtwerken.

In Gießen soll eine künstlich erzeugte Welle auf der Lahn das Surfen ermöglichen. Das Surfen wurde als „technisch machbar“ eingestuft, auch die Stromgewinnung wird geprüft.

Am 4. November 2020 haben sieben sportbegeisterte Männer das Projekt Lahnwelle gegründet. Seither wurden Präsentationen im Rathaus gehalten, mit Fraktionen und Umweltverbänden gesprochen und Machbarkeitsstudien angestoßen. Jüngst wurde auch das Logo überarbeitet und mit dem Slogan „Stadt mit Meer“ versehen. Nun sind die Welle-Initiatoren im intensiven Kontakt mit den Bildungsbeauftragten in Wiesbaden. „Wir haben bereits mit der Zentralstelle für Schulsport und Bewegungsförderung darüber gesprochen, wie man die Welle in den Schulsport integrieren könnte“, sagt Lukas. Das Feedback der beim hessischen Kultusministerium angesiedelten Stelle sei sehr positiv gewesen. „Wir haben festgestellt, dass eine Umsetzung unter gewissen Richtlinien möglich wäre“, sagt Lukas und nennt als Beispiele eine Helmpflicht, gegebenenfalls Rettungswesten und einen Notausknopf der Welle. Neben dem Sportunterricht könnte die Welle zudem in der Ganztagsbetreuung und für Exkursionen genutzt werden.

Lehrerausbildung an Lahn möglich: Surfen im Sportunterricht

Für das Wellenreiten benötigen Schüler speziell geschulte Lehrer. Und die müssen für gewisse Sportarten mit erhöhtem Gefährdungspotenzial wie etwa Ski- oder Kanufahren Zusatzqualifikationen ableisten. Für das Flusswellenreiten wäre das vermutlich ebenfalls erforderlich. „Gießen wäre als hessischer Fortbildungsort sehr gut denkbar“, sagt Lukas und fügt an: „Damit würden wir absolute Pionierarbeit leisten.“

In den Augen von Schmidt, Lukas und den anderen Initiatoren ist die Welle schon heute nicht mehr aus Gießen wegzudenken. Trotzdem stehen noch Hürden an. Zunächst müssten sich die Entscheidungsträger im Rathaus darauf einigen, welche Gutachten eingeholt werden müssen. Wenn am Ende der Daumen nach oben zeigen sollte, stelle sich die Frage, wie die Welle betrieben und vor allem wer die Finanzierung übernehmen wird.

Surfen auf der Lahn in Gießen: Möglicherweise grünen Strom produzieren

Hier könnten die Stadtwerke eine entscheidende Rolle spielen. Schließlich kommt eine Machbarkeitsstudie zum Schluss, dass vor der Welle eine Turbine installiert werden könnte. Dies würde das Wasser nicht nur auf die richtige Geschwindigkeit abbremsen, sondern in Zeiten explodierender Energiepreise auch grünen Strom vor der Haustür produzieren. Womöglich könnte der Energiedienstleister auch anderweitig Infrastruktur vorhalten, zum Beispiel Toiletten oder ein Kiosk. Auf Anfrage dieser Zeitung betonen die SWG, dass diesbezügliche Planungen noch nicht abgeschlossen seien.

Bis in diesen und anderen Fragen Klarheit herrscht, wird wohl noch einiges Wasser die Lahn hinabgeflossen sein. Schmidt, Lukas und ihre Mitstreiter sind jedoch der festen Überzeugung, dass das Wasser auf Höhe des Wehrs in absehbarer Zeit nicht nur plätschern, sondern auch eine Welle schlagen wird. (Christoph Hoffmann)

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